Kirche wird nicht in einer unschicklichen Abhängigkeit von einem Sy- nod, Presbyterium, Conferenz, Assembly, oder einem mit ihr un­bekannten Bischof abhangen, lauter Abhanglichkeiten, welche die Kirchenzucht schwachen, und die Leitung und das Regiment der Kirche in die Hände solcher Männer legen, welche mit dem inneren Zu­stand jeder besonderen Kirche unmöglich gut genug bekannt seyn kön­nen, und nur allzuvielfältig mehr für die Auferbauung ihres eigenen Ansehens und Interesses, als für das wahre und wesentliche Wohl der Kirche besorgt sind. Wenn eS eine wahre Kirche Christi ist, wie solte ihr an solchen Männern fehlen können, welche ihre Aemter für eine Weile zu versehen im Stand seyn möchten? Wenn es ihr aber nicht hieran fehlet, warum solte sie gehen in der Fremde zu bor­gen, wovon sie doch daheim den Ueberfluß har?

Diese Vorsicht^ war oder schien zu der Apostel Zeiten noch nicht nothwendig. Nämlich damal war daö Aufseheramt vielmehr mit Beschwernissen und doppelter Gefahr, als irgend mit einem gucen Einkommen vergesellschaftet, insonderheit in den Verfolgungszeiten. Inzwischen hat der Apostel auch damal schon die falschen Apostel hier gegriffen, und sie auf dieses Zeichen der Uneigennützigkeit heraus gefodert, 2 Cor. n, 12. So gut wußte er, was bey selbstsüchtigen Arbeitern der wahre Beweggrund seye, was immer ihr Vorwand seyn mochte. Nun aber möchte ich so wenig, als der Apostel dem Diener des Evangeliums und der Kirche seine doppelte Ehre in Empfangung seines Gehalts absprechen. Das sott er auch haben, so lange er im Amt stehet. Nur soll er nicht für das nächste Jahr darauf rechnen können, vielweniger für feine ganze Lebenszeit. Ich bin versichert, diese Art von Einrichtung ist ganz im Geist dieses Apo­stels, und er würde sie sich als unserer Zeit wohl anpassend, gar gerne gefallen lassen.

Vom Amt der Predigerwas soll ich sagen? Mit Wahr­heit kann ich nichts sagen, als dieses: Ich finde kein solches Amt in der ersten Christenheit, daö heißt kein solches Amt, als ein eigenes, von den obigen verschiedenes Amt betrachtet. Freylich ward das Evangelium zu allen Zeiten geprediget, inner der Kir­che sowohl als ausser der Kirche, wie es Zeit und Umstände mit sich brachten. Aber waren doch keine Leute eigenes zu diesem Geschäfte in dem Character von Kirchenbeamten ausgestellt. Wur­de einer zum Bischof oder Diakon ausgestellt, so verstund eS sich wohl von selbsten, daß er ein Mann seyn würde, welcher die Ge­meine mit guter Lehre und heilsamer Ermahnung gelegenheitlich zu erbauen im Stande seyn würde. Männer, voll des heiligen Geistes, wie ein Stephanus, waren wohl zu allen Zeicen geschickt, die Lebenösiröme heilsamer Lehre in den gottesdienstlichen Ver­sammlungen aus ihrem innern heraus zu ergiessen, und aus dem reichen Schatz, womit ihr Herz angefüllet war, ihren Brüdern reich­lich mitzutheilen. Ja nicht nur derley in Aemtern stehende Per­sonen pflegten die Gemeine mit öffentlicher Belehrung und Er­mahnung zu erbauen, sondern in gebührender Ordnung war es auch jedem andern, der da glaubte etwas mitzutheilen zu haben, rm-