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sehr achtbarer allopathischer Aerzte ist die Medizin in der ganzen Zeit ihres Beftehens nur um sehr wenig Wesentliches vorausgeschrit­ten ; hat auch nur sehr Weniges was fest steht, ausgemacht und allgemein angenommen ist. Hat man doch in 2000 Jahren noch nicht einmal einig werden können, ob man den Fieberkranken, wenn er durftet, das kalte Wasser darf trinken lassen oder nicht. Zum Beweise dessen, daß die Medizin in der Hauptsache nichts vorausgeschritten ist, dürften wir nur die Geschichte fragen; sie lehrt, wie man von Jahrhundert zu Jahrhundert wol Vieles ab­geändert hat, aber doch in der Hauptsache nichts verbessert. Man dürfte als einen schlagenden Beweis nur die Geschichte der Cho­lera hinzufügen, um die arge Zerfallenheit, die innere Zerrissen­heit der ganzen Medizin darzuthun. Da der heutige Tag nicht erlaubt, specieller zu sein, so mögen einige wenige Bemerkungen hinreichen. (Siehe hier den Anhang.)

Ich bitte hiebei zu bedenken, daß wir die alte Medizin nur ver- urtheilt haben laut Zeugnisses aus ihrer eignen Mitte. Diese Zusammenstellung der verschiedenen Ansichten und diese Wider­sprüche erscheinen sehr ernsthaft, wenn wir bedenken, welche Folgen die Uneinigkeit hat. Daß es in der großen, heiligen Kunst, der Menschenleben und Gesundheit anvertraut wird, so zu­geht, daßunter den Aerzten, von denen Wohlsein und Familienglück abhängt, solch ein Hader herrscht, ist sehr entmuthigend für die, welche Aerzte nöthig haben. Es wäre beinah besser, unter solchen Umständen gar nichts zu thun, wenn das nicht unserm natürlichen Gefühle wiederstrebte. Wer Schmerzen leidet, sucht Linderung, er sehnt sich nach dem Manne, der es zu seinem Berufe gemacht hat, die Krankheiten und die Mittel dagegen kennen zu lernen; er will ihm vertrauen und das innere Verlangen dadurch befriedigen. Dadurch kommt 'der Kranke oder die Angehörigen, wenn sie be­kannt sind mit dem Zustande der medizinischen Wissenschaften, in den aller unangenehmsten Zwiespalt. Was aber ist die Ursache davon, fragt man billig, daß die Aerzte so gar uneinig sind? Man hat längst geforscht nach dieser Ursache und hätte man das entdeckt, so wäre auch bald abgeholfen und alle Schwierigkeit ge­hoben; aber alle bisherige Vorschläge waren vergebens. Den Aerzten selber ist ihr Zwiespalt ärgerlich genug gewesen. Sie haben längst eingesehen, daß sie eigentlich der Natur der Sache nach doch in den Hauptsätzen einig werden müßten, da der Gegen-