475
einem Worte ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft vernichteten.
Als der Kampf wegen Ermüdung der Kampfer zu erlöschen drohte, kam dem Oberst Francheffini der Gedanke, ihn durch neue Truppenzuziehung aufzufrischen. In einer kleinen, geistreichen, aber perfiden Rede, welche zu halten er allein fähig war, verfolgte er den gegen den Minister ausgesprochenen Plan. Er versetzte Sallenauve, der fich bis jetzt ferne von dem Treiben gehalten hatte, in die Noth- Wendigkeit, das Wort zu nehmen und fich auszusprechen.
Da der Deputirte von ArciS fast dazu gezwungen wurde — that er wie die Löwen, wenn man fie im Käfig reizt, welche, ehe fie fich in Zorn versetzen und brüllen, rund um fich sehen, schwerfällig aufstehen, ihre Glieder strecken und fich dann verächtlich wieder niederlegen.
Rastignac hatte von dem Besuch Luigias am Vorabende ihrer Abreise bei Sallenauve gehört. Einer fiiner Freunde, welcher rm Walde von Ville d'Ävray spazieren geritten war, hatte sie in ihrem Wagen hmfahren sehen und eS ihm erzählt. Seitdem erfaßte ihn eine wüthende Eifersucht. Statt gegen die Rede Franchessnn's zu sein wie damals — bestieg er nach ihm die Tribüne und sagte, daß bei gegenwärtiger Sachlage keine Zeit zur Zweideutigkeit sei; daß das Ministerium Anhänger und unzweifelhafte Freunde bedürfe, und daß eS besser sei, den Streichen seiner Feinde zu erliegen, als fich hinter verstellte, nicht stichhaltige Freunde zu flüchten.
Sallenauve begehrte nun lebhaft da- Wort. Frau von Estorade, welche der Sitzung beiwohnte, erzählte am Abend der Frau von Bästie, daß fie im Augenblicke, als er auf der Tribüne erschien, von denselben magnetischen Strahlen durch-

