7

wo so Viele die Zeit und ihre Bestrebungen in lyri­schem Bezüge vertreten, lockt der Raum deren noch mehrere. Und dieser Zeit theilnehmend anzugehören, kann ich auszusprechen mir nicht versagen. Meine dem Liede sich zuwendcnde Jugend fällt nämlich in die Jahre, in welcher etwas später als der nordische Sän­gerkreis vou Tiek, NovalLs der schwäbische, den herr­lichen Uhland an der Spitze, auf dem Grunde der Goetheschen Bahneröffnung die sogenannte alte Schule zu überwältigen begann, aus welcher übrigens in stets unverwelklicher Schönheit Hölty und Salis zu mir herüberragten. Ein Salis zu werden, diesem als Schweizer und Volksgenossen mich nahe stellen zu können, gehörte zu der frühzeitigen Begierde und dem glänzenden Traum meiner Jugend, die schon in der untersten Lateinklasse ein Liedlein, ein Osterlied zwitscherte. Aus der alten Schule hatte ich noch das Vergnügen, den damaligen Vormann der­selben, den Kämpfer Heinrich Voß persönlich zu kennen, und bei meinem Aufenthalt in Heidelberg selbst in seinem Hause mich eingeführt zu sehen. Während ich die äußerliche Würde des hochgewachsnen, hagern Greises achtungsvollst anschaute, und das Verhältniß desselben zu seiner betagten Gattin dem des Bräu­tigams zur Louise noch jetzt im hohen Alter ähnlich zu sein, und äußerst ehrwürdig und dichterisch schien,