192 Richtige Wiederholung des ersten Buchs.
25. Wenn dieser freye Wille in dem natürlichen äufferlichen Leben und Wesen nicht wäre, so könnte das menschliche Geschlecht bey einander nicht leben. Darum hat gleichwohl Gott der Herr den Satan nicht alle natürliche Kräfte und Affecten aus des Menschen Seele reißen lassen. Es ist gleichwohl noch übrig geblieben das Gesetz der Natur, die eheliche natürliche Liebe zwischen Eheleuten, Eltern und Kindern, sonst könnte das menschliche Geschlecht nicht bestehen. Denn wer alle seine bösen Lüste und Begierden, seiner bösen Natur nach, äufferlich vollbringen will, der zerrüttet die menschliche Gesellschaft und stößt seinen Leib in das weltliche Schwerdt. So hat auch Gott die natürliche Liebesflamme darum lassen übrig bleiben, daß wir daraus erkennen und spüren sollten, welch ein hohes Gut und schönes Bild Gottes die vollkommene Liebe Gottes sey, und was für ein hohes Gut wir verloren haben. Sonst in geistlichen Sachen, die Seligkeit und das Reich Gottes betreffend, bleibts wohl ewig wahr, was St. Paulus 1 Cor. 2, 14, spricht: Der natürliche Mensch verstehet nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Thorheit, und kann es nicht begreifen, das ist, er hat kein Fünklein des geistlichen Lichts, sondern er ist stockblind in dem ganzen göttlichen, geistlichen Leben, zu welchem allein der Mensch geschaffen ist, daß er nämlich im geistlichen Licht Gottes Gegenwart und seine herzliche Liebe gegen ihn mit inwendigen Augen der Seele ansehe, ewig vor und mit ihm wandle, und sich von ihm regieren lasse in diesem Leben.
26. Von diesem geistlichen Licht im Reiche Gottes hat der natürliche Mensch nicht das geringste Fünklein. In dieser Blindheit sind und müssen alle Menschen natürlich bleiben, wenn sie Gott nicht erleuchtet. Das ist die rechte geistliche Erbblindheit in Sachen das Reich Gottes betreffend. Dazu kommt auch oft die natürliche Blindheit, wenn die Bosheit des Menschen überhand nimmt, dämpfet und verfinstert auch noch das kleine natürliche Licht in der Tugend und Ehrbarkeit, so zum. äufferlichen Leben gehöret. Also ist die ganze Seele mit Blindheit geschlagen und verfinstert, und ewig hätte also bleiben müssen, wenn sie Christus nicht erleuchtet hätte.
27. Siehe nun, lieber Mensch! was bist du, wenn dich Christus durch seinen Geist nicht neu gebieret, zu einer neuen Creatur machet, zu Gottes Ebenbild wieder erneuert? Welches alles aber doch in dieser Welt nur angefangen wird in großer Schwachheit. Denn siehe dich selbst an, der du des heiligen Geistes neue Creatur bist. Wie schwach und gering ist das Bild Gottes in dir? Wie schwach ist in dir die Furcht und Liebe Gottes, der Glaube und die Hoffnung? Wie gering ist die Demuth? Wie groß dagegen das Mißtrauen, Hoffart und Ungeduld? Wie kalt und schwach ist dein Gebet? Wie schwach ist deine Liebe gegen deinen Nächsten? Wie ein geringes Fünklein der reinen, geistlichen Reuschheit ist in deinem Herzen? Wie große Flammen fleischlicher Unzucht ? Wie groß ist deine eigene Liebe, Eigennutz, eigene Ehre, und die Brunst der bösen Lust? Da hast du nun durch den Geist Gottes zu kämpfen und zu streiten mit deinem alten Adam, mit dem Bilde des

