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und Geringschätzung der Vaterlandsliebe, enthalten sei. Göthe zeigte sich nicht nur gleichgültig gegen die Vaterlandsliebe, sondern er verachtete sie geradezu. Diese Verachtung tritt grell hervor in seinen herben Aeusserungen über den antiken Patriotismus. Göthe hatte eben keinen Sinn für das handelnde Leben: dass er dem Cosmopolitismus gegenüber im Ganzen als Indiffe- renlist erscheint, dass er den philosophischen Enthusiasmus jener Zeit nicht begreifen wollte, das ist leicht erklärlich. Göthe war eben Künstler und nur Künstler; ihn interessierte nur der Mensch; die gewaltigen Interessen der Menschheit aber berührten ihn nicht.
Ich beginne mit der Darstellung der einzelnen Ansichten, und erötfne die Reihe mit Herder:
Der Cosmopolitismus ist seiner innersten Wesenheit nach nichts anderes als politischer Humanismus, und gerade in Herder haben wir den grössten und edelsten Apostel des Humanismus. Sein Humanismus reicht in die Religion und in die Schule hinein, und umfasst endlich auch das Gebiet der Politik. Das Ziel all seines Strebens und Wirkens war Humanität, alles andere ist nur Mittel, selbst die christliche Religion ist ihm nur Mittel, aber eben das kräftigste Mittel zur Humanität. Das Ziel des Menschen setzt er aber nicht darein Christ, sondern Mensch zu sein, im edelsten Sinne des Wortes. Seine Begeisterung für Humanität reisst aber auch Herder zu auffallenden excentrischen cosmo- politischen Ideen hin, eine Erscheinung, welche wir bei den eifrigsten Anhängern des Cosmopolitismus immer wieder finden. Schon in seinem zweiundzwanzigsten Jahre veröffentlichte Herder eine Abhandlung, deren zweiter Theil die Frage behan-; delt: „haben wir nach das Vaterland der Alten?“ Diese Frage wird verneint, und, wie es scheint, hat Herder auch keine Sehnsucht nach einem solchen Vaterlande. Er stellt daselbst die Behauptung auf, dass an dem Wahne von Vaterlands- Religions- Geschlechts- und x\hnenstolz Judäer, Griechenland Rom, ja beinahe jede alte oder heilige StaatsYcrfassung zu

