I.
einsames Zimmer um Mitternacht; 'S eine einzige Wachskerze brennt auf dem Tische; die schweren rothsei- denen Bettvorhänge sind sestzugezogen; ein halbes Dutzend Arzneiflaschen und einige Gläser stehen vor dem Bett. Ist es ein Krankenzimmer ? Der Kranke muß fest schlafen, denn es ist Alles still, ganz still, — nicht einmal ein Athem- zug ist zu hören; auch draußen herrscht eine Tvdtenstille. Es liegt etwas Unheimliches, Ergreifendes in diesem tiefen Schweigen; die Wachskerze verbreitet nur einen düstern Schein, kein Licht; die damastenen Tapeten fangen die Strahlen auf, und geben nichts zurück, und die dunklen Meubles erhöhen noch den düstern Eindruck; man hätte eine Maus über den dicken Teppich laufen hören können,. so lautlos ist die Stille! Ist es ein Todtenzimmer? Aber wo ist die Wächterin? — Fort ist sie! Was liegt auch daran? Niemand wird kommen, um die Ruhe dieses Lagers zu stören; keine schrerende Stimme, keine knarrende Thür wird des Todes kaltes Ohr in Schwingung versetzen. Man bewache nur die Lebenden; die Todten bedürfen keiner Wache: die geschlossenen Augen sind im Schlafe, den nichts mehr stören kann.
Kommt die Wächterin dort indie langsam aufgehende Thür? Nein, es ist ein Mann; und wir überlassen alle traurigen, ergreifenden Geschäfte des Lebens den Frauen. Es ist noch dazu ein junger Mann mit hoher, freier Stirn, die in düstere, traurige Falten gezogen ist. Er tritt auf das Bett zu, zieht langsam den Vorhang zurück, Die Folgen einer Laune l. 1

