257
Selbsttrinkspruch.
(Auszubringen von einem jungen Gast am HochzeitSfeste eines ihm befreundeten Brautpaares.)
Wo und wie möcht' ich leben?
Eine Scholle nur möcht' ich erstreben!
Wo lieblich der Becher der Freundschaft mir schäumet,
Wo Jubel der Freude mich rauschend umtönt,
Das frohe Herz ewigen Frieden sich träumet,
Und willig mit Menschen sich wieder versöhnt — Da möcht' ich leben!
Ich möcht' einen Kranz mir erstreben!
Wenn hohes Bewußtsein von innerem Werthe, Von rechtlicher That mir die Seele durchbebt,
Und Ahnung des Himmels mich über die Erde, Mich über die Hügel des Todes erhebt —
So möcht' ich leben!
Eine Hütte nur möcht' ich erstreben,
Wo bräutlich, wie hier, mit der Myrte bekränzet, Die Liebe der Liebe zum Hochgenuß winkt,
Die holdeste Rose, von Jugend, erglänzet,
Liebtraut an die Brust dem Erkorenen sinkt — Da möcht' ich leben!
Darauf leer' ich den Becher so eben!
Und einst nur im Schlummer — wo Bilder der Wonne
Mich freundlich nmgankeln — vollbring' sich mein Lauf!
Moll, Polterabendscherze.
17

