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mehr zu fürchten, und die Aufsicht und Leitung abgekürzt und erleichtert sei, so war sie darauf bedacht, die Muße, welche sie dadurch gewonnen, auf eine die Bedürfnisse und stillen Wünsche ihres Gatten befriedigende, ihrem Stand und ihrer Neigung angemessene Weife auszufüllen. Sie wußte wohl, daß ihr Gemal sowohl an der Verschönerung ihres Aeußern, als an der Fortbildung und größer« Entwickelung ihrer Talente Wohlgefallen fand, daher sie sich nach und nach gewöhnte, bei der Wahl der Kleidung seinen Geschmack zu Rathe zu ziehen, und durch wechselnden Reiz sich seinem liebenden Herzen immer theurer zu machen.
Das Bestreben zu gefallen, dem Gatten zu lieb, ist nicht Gefallsucht, vielmehr rühmlich und Pflicht in den Granzen deS Anstandes und Geschmacks, wenn dadurch die eheliche Liebe befestigt wird.
Mit mehr Neigung widmete sie den größten Theil der Tageszeit dem Zeichnen, der Musik, weiblichen Kunstarbeiten, und unterließ es nicht, auch für ihre intellektuelle Fortbildung durch Lesen guter Bücher Sorge zu tragen. Da einmal die eingeführte Ordnung im weitläusigen Haushalte Bestand hatte, so fand sie Zeit, sich den gewühlten Beschäftigungen zu widmen, und zugleich mehr Gelegenheit, die Liebe ihres Gatten beständig zu machen.
Iweiun-sechzigftes Kapitel.
Von der Kunst, sich gut zu kleiden.
Mit des Auges Feuerblicken,
Mit der Wanken holder Zier Wirst du Keinen je entzücken,
Keine Freunde schaffen dir:
Hängt dein Kleid in losen Falten,
Wirrt und sträubt die Locke sich,
Wird der Schuh nicht wohl dir halten,
Oder kümmcrt's wenig dich.
Wo du lebst, wie man sich schmückt,
Welche Mode jezt entzückt.
<^a man schon bei Männern oft nach dem Anzuge auf den Charakter schließt, so ist es für die Frauen, von denen man bei geringerer und minder wichtiger Beschäftigung erwarten kann, daß

