die Sache auch politisch gerechtfertigt ist im Interesse der Kirche ist sie nicht."

Mein Schwager hat diese Entsagung zur unerläßlichen Bedin­gung gemacht, um nicht dereinst das Schicksal Oesterreichs an das des mexicanischen Reiches zu knüpfen. Ja, er geht noch weiter in seinen Consequcnzen. Da der Kaiser der Franzosen es ist, welcher sich zur Stütze des Thrones von Mexico gemacht, und welcher meines Gemahls Stellung sichern wird, so würde möglicher Weise auch Oester­reich dereinst unter dem Protectorat Frankreichs stehen. Mein Ge­mahl hat sich dagegen genug gesträubt, bevor er sich entschloß, diese Bedingung zu erfüllen, dem Thron von Oesterreich zu entsagen."

Das Alles mag wohl klug erwogen sein. Allein man hat ganz unbeachtet gelaffen, daß, wenn Oesterreich und Mexico Hand in Hand gehen, das Haus Habsburg der alleinseligmachenden Kirche dann einen Gedeihen bringenden Boden schaffen wird, wenn die Blüthe der Religiosität in allen übrigen Ländern Europa's auf dem trockenen Boden des Rationalismus verdorren sollte. Doch die Sache ist nicht mehr zu ändern, und auch Seine'Heiligkeit, der Papst Pius, hat sein Concedo" nicht verweigern können, da er sich nicht verhehlen durfte, daß die Annahme der mexicanischen Krone ohne die Thronentsagung in Oesterreich eine ewige Mißstimmung Hervorrufen und den Erzherzog geradezu als einen Feind des Vaterlandes erscheinen lassen könnte."

Gerade diese Mißstimmung, Herr Pater, ist es, welche mich beunruhigt. Es verletzt den österreichischen Nationalstolz, daß ein Habsburger eine Kaiserkrone als Geschenk annimmt, und außerdem erfüllt die Person des Gebers die Gemüther mit Mißtrauen."

So nrtheilen Kurzsichtige. Ich hoffe nicht, daß Se. kaiserliche Hoheit sich wird bestimmen lassen durch jene imaginäre Macht, die man öffentliche Meinung nennt."

Ich bin dessen nicht ganz sicher. Mein Gemahl ist gegen die öffentliche Meinung niemals gleichgültig gewesen."

Doch sollte nicht Ihr Einfluß . . . ."

Ich habe das Meinige gethan, seinen Entschluß zu kräftigen. Und ich hoffe, daß ein Beweggrund, seine Zustimmung zu geben, ihm durch diesen Brief hinzugekommen ist."

Sie deutete auf das Papier, welches sie noch immer in der Hand hielt.

Es ist die Zusicherung meines königlichen Vaters, auch in Bel­gien eine Fremdenlegion für meinen Gemahl werben lassen zu wollen."

Der Priester nickte beifällig, sah aber dennoch nicht ganz zufrieden aus.

Schon mehrere Male hatte er mißfällig die Anwesenheit der Hof­dame bemerkt.

Drei Jahre auf dem Kaiserthron.

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