denn Preußen ist nicht mehr das protestantische Preußen seiner Kindheit, sondern das Preußen von heute hat ein volles Drittel katholischer Unterthanen gewonnen, mit deren Gefühlen sich in feindlichen Gegensatz zu bringen, von den bedenklichsten Folgen für die Regierung sein müßte, und womit der Preis einer sehr trügerischen fernen Hoffnung auf Ersatz für diesen Verlust der Herzen eines Drittheils, sonst sicherer Unterthanen, in keinem Verhältniß stehen würde. Sie muß endlich überwunden sein, diese Taktik, weil die Partei, welche heute unter dem Namen des Protestantismus der katholischen Kirche den Krieg auf Leben und Tod macht, nicht mehr die der protestantischen Kirchen Luthers oder Calvins ist, sondern vielmehr die Gesammtheit der Elemente des sogenannten kirchlichen Liberalismus umfaßt, der den kirchlichen Radicalismus ebenso in sich schließt, und von ihm eben so sortgedrängt und überwältigt wird, wie der politische Liberalismus vom politischen Radicalismus. Dieser kirchliche Radicalismus aber ist der Materialismus, ist das leidenschaftliche Ringen nach Wiedereinführung des sinnlichen alten Hcidencultns der zeugenden Geschlechtskräfte, nach Vernichtung allen Christenthums. Der Name des Protestantismus hat für ihn nur die Bedeutung des Protestirens gegen den Fortbestand des Christenthums. Er läßt dem kirchlichen Liberalismus den Glauben an die Geltung des althistorischeu Begriffs, weil er, der Radicalismus, diesen Liberalismus dadurch zunächst zum Kampfe gegen den Zweig der christlichen Kirche hinreißt, der, vermöge seines hierarchischen Organismus und seiner weiten Ausdehnung, unstreitig die festeste Basis der Kirche Christi bildet, mit deren Bruch die übrigen Zweige leicht vollends zu brechen sind. Einen solchen Sieg des Heidenthums über das Ehristenthum aber fördern zu wollen, kann keiner christlichen Regierung beifallen und die Natur der Sache lehrt, die Erfahrungen der Geschichte bestätigen, daß dieser kirchliche Radicalismus Hand in Hand mit dem politischen, über die Trümmer der Throne und aller bisherigen Lebensordnung, nach positiven Gegensätzen davon strebt. Wollte man nur ein kirchlichliberales Princip zur Geltung bringen, das Princip des Jndiffe- rentismus, das Jedem glauben läßt, was er will, so bliebe man bei dieser Forderung der Duldung stehen; aber man verlangt diese

