320
das, „zu einer Mitschuldigen gemacht," wenn ich fragen darf? setzte er mit scharfer Betonung hinzu.
— O die Sache ist sehr romantisch, lächelte der dicke Nachbar, romantisch bis zum Tragischen.
— Darf ich um nähere Erklärung bitten, rief Howt, und andere Stimmen schloffen sich ihm an.
— Es haben sich falsche Zeugen gegen sie gefunden, allem Anscheine nach hat ein wirklich Schuldiger die Beweise seines Verbrechens auf irgend eine Weise ihr zuführen laffen — das junge Mädchen ist sehr gravirt, aber man beginnt bereits, an ihre Unschuld zu glauben, die freilich noch nicht erwiesen ist.
— Die Sache klingt fabelhaft, lachte Howt.
— Ich versichere Sie, es ist wie ich erzähle; ich habe sie aus guter Quelle.
— Die Berichterstatter haben in keiner Zeitung etwas davon erwähnt, während sie doch über die übrigen Umstände sehr ausführliche Mittheilungen machen.
— Es ist ihnen von höherer Seite angedeutet, über diesen Fall nicht zu berichten, weil die Behörde selbst erst in dem eigen- thümlichen Dunkel Aufklärung wünscht. —
— Sehr wunderbar, sehr wunderbar, ertönte es von vielen Seiten her.
— Wo hat man denn die erwähnte junge Dame verhaftet? fragte Howt mit vielem Jntereffe. -
— Man hat sie in der Behausung der Frau Surrat gefunden — lautete die Antwort.
— Bei Frau Surrat? wiederholte. Howt mit verächtlichem Lachen, und dann will man noch behaupten, daß sie schuldlos sei? Ich dächte, dieser Umstand allein genüge schon, um den Stab über sie zu brechen.
— Die junge Dame soll aber eben in das Haus der Surrat gelockt sein — und zwar mit Anwendung einer eigenthümlichen List, würde ich diese mittheilen, so wäre der Roman vollendet.
Alle warfen neugierige Blicke auf den dicken Herrn, der sich für diesen Fall sehr zu interessiren schien, und bestürmten ihn mit Bitten, zu erzählen, was ihm bekannt sei.
Dieser aber konnte dem Wunsche der Gesellschaft nicht nach- kommen, da er plötzlich abgerufen wurde.

