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„Gib, Mutter, mir Wasser!" Da brauset ihr Blut, Sie küßt ihm die Wange voll Fieberglut,
Ihr brennendes Auge wird nasser;
Warum sind die Thränen der Mutter so heiß?
Warum nicht erfrischendes, kühlendes Eis —
„Schlaf, Kindlein, ich habe kein Wasser!
Der Schulze, der schloß ja die Brunnen zu!
Schlaf, Kindlein, o schlafe doch fort in Ruh!"
Und leise schon träumet es weiter:
Da droben im goldenen Himmelssaal Da sitzen sechs Englein beim frohen Mahl,
Und spielen und singen so heiter.
„Gib, Mutter, ach gib mir ein wenig Brod!"
Da trägt sie nicht länger die marternde Roth; Umfassend daö Kind mit den Armen,
Klagt hohlen Aug's sie: „Dein Vater ist todt!
Zch habe nicht Thränen, ich habe nicht Brod,
Und Himmel und Welt kein Erbarmen!"
Sie legte den sterbenden Knaben auf's Stroh,
Und stürzte hinaus, laut schreiend und floh Fort von der Verzweiflung getrieben:
„Zu Hilfe! Allmächtiger Gott! Geschwind!
O rettet mein letztes, mein einziges Kind,
Mein letztes verhungernd von sieben!"

