4
mit bm übrigen Instrumenten. So ging cS täglich fort durch vierzehn Tage wenigstens, und das Honorar wurde entsprechend der verursachten Mühe und Arbeit bemessen. Da konnte man noch etwas für die alten Tage sparen.
!)i . H er n o lp h. Die Wissenschaft geht auf Wahrheit, nicht auf Lohn ans; ihr Ziel ist das Gemeinbeste, nicht das eigne Interesse.
Günther. Wo sieht man das Gemcinbeste, wo die Früchte dieser fortgeschrittenen Wissenschaft? Weist die Sterblichkeitsstatistik l§inen Todteil loeniger auf als in früheren Jahren, in der Blüthczcit der alten Medicin? Einen einzigen Todten uild wäre es nur ein Kind von sechs Monaten?
Hernolph. Die Wissenschaft hat noch nicht den ganzen Weg zurückgelcgt. llitb sollte es ihr auch nicht gelillgcn, die Sterblichkeit zu vermindern, was keineswegs ihr Haupt-, wenn auch kein unerreichbares Ziel ist, so gewinnt doch das Wissen dabei, der menschliche Geist erweitert seinen Gesichtskreis: llnd das ist stets von großem Nutzen für die Gesellschaft. Du, Freund, Du ahnst gar nicht, welche Fortschritte ein einziger Zweig der medicinischen Wissenschaft, die Anatomie, in dem letzten Jahrzchend gemacht hat.
Günther. Die Anatomie! Und das neunst Du Fortschritt, Erilst? Hier herrscht ja ercessivc Unnatur! Wir alten Praktiker begnügten unS damit, den Todten zu scalpiren uild ihm ein paar Flcischerschnitte in der Herz- uild Magengegend beizubringeu, die Neuerer, die wissenschaftlichen Ariatomiker, zerlegen den Lcichnain in feilte kleinsten Bestandtheile, sie treilnen Nerv von Nerv, Faser von Faser mit einer Leckerhaftigkeit, lvie etwa eilt Feinschmecker Delikatessen bearbeitet. Äliir graust vor dem Anblick! Ich habe dabei dieselbe Empfindung wie vor sünfunddrcißig Jahren, als ich das erste Mal die Hand an einen todteli Körper legte. Wie karlnst Du nur so was billigen, Ernst?
Di Hernol p h. Die Wissenschaft! die Wissenschaft!
Günther. Das ist eine Phrase, Ernst; von Dir habe ich ein klares, verständliches Urthcil erwartet. Sag' mir in einfachen Worten Deillc Mciuulig über die alte und neue Medicin.
Dl'. Hernolph (nach einer Zwei Weöpen belauschten einst
die Bienen in einem Stocke und erfuhren, daß in einem Dorfe in der Nahe eine wohlschmeckende Blume stehe, wohin die Bieueu sich den nächsten Tag früh begeben wollten. Sie beschlossen ihnen zuvorzukom- lnen Mit dem ersten Morgenstrahle liiachten sich die beiden Schmarotzer auf den Weg. Da sic aber dcil Weg dahin nicht kaullten, so schlvenkte die ältere Wespe links ab und ging zu ihrcui frühern Wohnsitz, von wo sie sencS Dorf häufig zll beftichen pflegte, die jüngere, die einmal während ihrer Mittagsruhe in einem philosophischen Collegium von dem Professor gehört, daß die Menschcil die Neigung haben, sich an Flüssen anzusiedelu, ging rechts ab zu dem Flusse hin und

