Fr. B.: Die denkt wohl ooch, man wees es nich, daß sc 57 Jahre alt ist.
Fr. A.: Na, da könnten wir doch noch eher Rosen tragen.
Fr. B.: Ja wohl. Wie alt sein Sc denn, Madam A.?
Fr. A.: (zögernd) Acht — vier un fünfzig! Un Sie?
Fr. B.: Ich gloobe — so ungefähr — zwee oder drei und fünfzig.
(Sie singen:)
Lehr' du mich gut hienieden sein —
Fr. B.: Na, gestern Abend hetten Se wieder ä mal den Schkandal hören sollen, da briegelte der Schlosser Haussemeyer seine Frau.
Fr. A.: 's is wohl nich möglich. Nee, das muß ich glei nach der Kirche der Kanssemeyern sagen, die kann so de Hansscmeyern nich leiden; ach, die wird jubeln!
Fr. B.: Ja, der Kerl der Haussemeyer säuft so sehre.
Fr. A.: Na, uu seine Frau hilft.
Fr. B.: Das gloobe ich nich.
Fr. A.: Jh gehn Se, lernen Sic doch mir das nich kennen, sehnSe doch nur ä mal derHaussemeycrn ihre rotheNase an.
(Sie singen:)
Dann will ich andern Menschen gern —
Fr. A.: Mei Mann sollte ä mal kommen un sich an mir vergreifen wollen, der sollte nich schlecht abziehn.
Fr. B.: Se würden doch nich viel ansrichten.
Fr. A.: Hoh, hoh! Ich habe ihn neilich crscht wieder ä Topp an'n Kopp geschmissen.
Fr. B.: Un das läßt er sich gefallen?
Fr. A.: Wenn er muckst, setzt's noch eenen.
Fr. B.: Na das muß ich glei morgen emal mit meinem Grobsack versuchen.
(Sic singen:)
Gin Vorbild sein der Lieb' des Herrn!
Fr. A.: Ja, die Männer sin jetzt reene des Teisels. Nich cn Pfennig wollen se mehr Marktgeld geben un immer was Gutes essen un trinken.
Fr. 23.: Un dabei is jetzt alles so theier. Die kleenen Rosinen sin wieder um zwee Pfennqe uffgeschlaqen.
Fr. 2l.: Un der Reis um ä Dreier!
Fr. B.: Fleesch is gar nich mehr zu bezahlen.
Fr. 2l.: Un das Brod!
Fr. B.: Ach! daß's Gott erbarin!
Fr. 2l.: Das is ene Zeit fer de Becker. Ne, die dicke Bäcker- mecstern de Paussemeyern sollten Se ä mal sehn! Die müssen viel verdienen. Voriges Jahr hatte se ä ganz neien schwer seidnenMantel und dies Jahr schon wieder ä andern.
Fr. B.: 's is gar nich menschenmöglich.
(Die beiden Frauen hören die Predigt zerstreut an.
Kaum ist dieselbe zu Ende, so beginnt das Gespräch auf's
Neue.)
Fr. 2l.: Nu, Frau Nachbar'n, wie hat Se denn de Predigt gefallen?
Fr. B.: Mir nich eben besonders; der Mann hat keen Talent. Wenn er noch manchmal ä bischen schreien thäte, daß es Enen dorch de Glieder fährt.
Fr. 2l.: Wie der Vorige! Ach, war das en Mann. Wenn der uff de Kanzel donnerte! Un hübscher war er ooch als der jetzige! —
Fr. B.: Nich wahr! Das habe ich ooch schon lange gemerkt.
Fr. 2l.: Hab'n Se nich die Naussemeyern angesehn, die hat während der ganzen Predigt geschlafen.
Fr. B.: Nee, die Hab' ich nich angesehn; aber mir hat nur de Daussemeyern Spaß gemacht mit ihren neien Hute. An den hat sie ewig was zu zuppen un zu ruppen gehabt, daß ihn ooch de Leite ja alle sehn sollten.
(Nach Absingung des Schlußliedes verlassen Beide die
Kirche unter folgendem Gespräche:)
Fr. 21.: Na, über vierzehn Tage kommen Se doch wieder, Madam Baussemeyern?
Fr. B.: Ei, ja wohl. Sie doch ooch?
Fr. 21.: Na, ich fehle niemals. De Kirche ist mer immer noch 's Liebste, man erfährt doch und sieht da stets was Neies.
Fr. 2l.: So denk ich ooch. Wollen Se mich nich heute 'Nachmittag uff ä Schälchen Koffee besuchen?
Fr. B.: Das thut mer leed, aber das muß ich abschlagen. Meines Mannes Bruderkinder kommen zu uns un mit den Wergeln habe ich da alle Hände voll zu thun.
Fr. 2l.: Na, dann en ander Mal.
(Unter den aufrichtigsten Freundschaftsbezengungen trennen sich Beide. Frau Baussemeyer trifft hierauf Frau Rausse-
meyer.)
Fr. B.: Guten Morgen, Madame Raussemeycrn.
Fr. R.: I guten Morgen, Madam Baussemeyern. War das nich eben de 2lnssemeyern, die neben Se saß?
Fr. B.: Ja wohl.
Fr. R.: Na, die hebt de Nase ooch sehr hoch.
Fr. B.: Da haben Se recht, un alles beraisenirt se. Denken Se nur, hat se mich zum Koffee eingeladen, aber ich were mich hüten; denn das mag ooch scheenes Gesöffe sein bei dem knickrigen Volke. (Ab.)
(Fr. 2lussemeyer trifft unterdessen Frau Zausscmeyer.)
Fr. Z.: Na, Se haben sich ja recht angelegentlich mit der Baussemeyern unterhalten; was weeß denn die wieder Neies?
Fr. 21.: Die kann nur Leite beklatschen und denken Sc nur, Madam Zaussemeyern, will mer die dumme Liese weiß machen, se wäre erscht zweeunfunfzig Jahr alt.
Fr. Z.: 's is doch nich möglich! Na die säh so aus!
Fr. 21.: Ich weeß schon recht gut, wie alt se is. Mei Mann is mit ihr zugleich confermirt geworden, na im der is jetzt dreiunsechzig!
Fr. Z.: 's is nur gut, daß mer den Leuten ihre Hühner uu Gänse besser kennt, als se denken. (2lb.)

