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Ein Heirathsgesnch
aus der Leipziger Zeitung und die darauf erfolgten Antworten.
(Wörtlich getreu.)
H e i r a t 1) s - G e s u ch.
Ein angehender Dreißiger, Beamter, sucht auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege eine Lebensgefährtin. Dieselbe dürfte nicht unter 25 und nicht über 35 Jahre alt sein und müßte sich außerdem auch noch des Besitzes angenehmer Aeußerlichkeuen erfreuen. Daß jedoch auf innern Werth, verträglichen Eharakter, Herzensgüte rc. am meisten gesehen wird, braucht wobt kaum erst erwähnt zu werden. Der Suchende bezieht zwar einen vollkommen ausreichenden Gehalt, es würde jedoch trotzdem behufs der häuslichen Einrichtung und dcrgl. nöthig sein, daß die geehrten Damen, denen dies Anerbieten annehmbar erschiene, mindestens ein Vermögen von 2 bis 3000 Thalern im Besitze hätten, um so für die nächste Zukunft nicht besorgt zu. sein.
Die strengste Discretion wird zugcsichert.
Anerbieten gelangen sub. P. V. K. No. 15. durch die Erpedition der Leipziger Zeitung an den Suchenden und erfolgt dann sofort nähere Ansknnft.
Incrbietcn Nr. 1.
KM
MM
Herrn P. V. Ii. No. 15.
Geehrtester, werthgeschätztester Herr Obcr-Post- amts-, Ober-Zollamts- oder Ober-Lckeueramtsrath!
Sie werden sich schier verwundern, thenrer Freund, daß ich so rasch errathe, welchen Platz in dem Beamtenstand Sie wobl cinnehmcn, allein die Andeutung eines ansehnlichen Gehaltes und 2 bis 3000 Thalcr zu einer nobeln häuslichen Einrichtung ließen mich Ihren Rang schon ungefähr vermnthcn.
Das Zeitungsblatt liegt noch vor mir, ich habe noch nicht einmal die Familiennachrichten und die kleingedrnckten Unglücksfällc gelesen, denn ich möchte gern die Erste sein, die Ihnen, Herr Rath, ihre Hand anbietet.
Sie verlangen freilich eine Dame von unter 35 Jahren, allein Sie bedenken wahrscheinlich nicht, daß der weibliche Flattersinn erst mit den vierziger Jabrcn ganz verschwindet und ans wahre Liebe und Treue erst nach einem solchen Alter zu rechnen ist.
Ich bin nun freilich etwas über 35 Jahre, aber dafür auch durchaus nicht mehr flatterhaft; Flattersinn besitze ick ebenfalls nickt im Geringsten mehr. Wie alt ich eigentlich bin, weiß ich nicht ganz genau, da ick bei der letzten Woh- nungsverändernng meinen Geburtsschein verloren habe. Das aber, mein Thcnerstcr, kann ich Ihnen versickern, daß ick mit meinem unvergeßlichen seligen Manne, der aber schon seit 8 Jahren todt ist, zwanzig Jahre in der glücklichsten Ehe ge
lebt habe. Ein hübscher Sparpfennig ist auch da: aus der Windmühlengasse ein schuldenfreies Haus, ans einem Grundstück in der Grimmaischen Gasse 3500 Thaler Hypothek und außerdem noch ein Packetchen sächsischer Staatsschuldscheine — ebne den prächtigen Hausrath.
Ich will weiter nichts zu meinem Lobe hinzusügen. Kommen Sie und sehen Sie selbst, ich bin immer zu Hause anzutreffen.
Wenn Sie mir Liebe weih'n.
Kann auch, zärtlich sein
Zhre
unbekannte Verehrerin Rosamunde Eudoxia Rathasie Runzel.
Windmühlengasse Nr.2 Treppen.
Leipzig, den 20. Januar 1852.
Postscriptum. Aber lassen Sie sich erst anmelden; sonst erschrecken Sie mich gar so sehr, denn ich bin so sehr verschämt.
Inerbieten Itr. 2.
mm
Mein lieber Herr P. V. R.
Ich wage es, mich an Ihnen zu wenden, indem da ich glaube daß Sie vielleicht ernste 'Absichten zu beabsichtigen scheinen. Ich bin eine Müllerswittwentockter und aus Lützen jedoch erst zweinndzwanzig Jahr alt. Ich habe aber auch

