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sucht ist nicht entschwunden, sondern hat nur erst recht Wurzeln gefaßt. Dies will ich schon wieder gut machen, denkst du, lieb Mütterlcin, ist einmal mein Kindlin grö­ßer. Aber ach, du täuschest dich sicherlich. Man muß den Baum biegen, weil er jung ist! Vermagst du deines Kindes Eigensinn nicht zu bändigen, da er noch im Kei­me ist, wie willst du seiner Meister werden, wenn er Baum geworden ist?

Wendet mir nur nicht etwa ein: wenn der Verstand kommt, wirds schon besser werden. Vliket in Euer Herz hinein. Sind nicht die Unarten, die man mit Euch groß werden ließ, noch mehr oder weniger lebhaft in Euch vorhanden? Und hat nicht Euer Verstand manchen bit­ter» Kampf gegen dieselben schon gekämpft, ohne sie je völlig zu besiegen?

Versaget Cuerm Kinde oft etwas, das Ihr

ihm auch leicht gewähren könntet, damit

es sich frühe beherrschen lerne.

Erfüllet ihr des Kindes Bitte jederzeit, so gewöhnet Ihr dasselbe so sehr an Befriedigung jeder seiner Begier­den, daß es ihm einst unmöglich sein wird, eine seiner Leidenschaften zu besiegen. Und wie unglüklich ist doch der Mensch, der sich nicht beherrschen kann; er ist ein elendes Spiel des Anfalls, läßt sich von Begierde zu Begierde hin­reißen, und thut tausend Dinge, die er hintenher mit Schmerzen bereuen muß.