28
außer sich. — Die vornehmsten Personen der Gegend wurden zu Taufzeugen erkoren, und als der Tauftag erschien, der unfichtbaren Fürstin ihr besonderer Sitz nach der eingehändigten Zeichnung des Oberbaudcpartements hiugestellt. Dieser Sitz gehörte, wenn gleich eine unsichtbare Person ihm die Ehre erweisen wollte, ihn einzunehmen, doch zu den sichtbaren Dingen, und war so wenig das vornehmste darunter, daß vielmehr deffen Possierlichkeit einem jeden, der Autorität des Oberbaudepartements ungeachtet, ausfiel. Besonders konnte die Gräfin v. **, die an sich eine stolze, übermüthige Dame war, nicht umhin zu wünschen, sie möchte das Schooß- hündchen kennen lernen, welches hier ruhen würde. Die Sechswöchnerin sah sich einer Nothlügenverlegenheit ausgesetzt, und gab dieß Unwesen für Spielzeug ihres jüngsten Sohnes aus, der indeß, als er es nur betasten wollte, sehr ernstlich von diesem Noli me tangere abgewieseu ward. Natürlich stand der Name Banise obenan, und commandirte die sechs anderen, welche dem Fräulein sonst beigelegt werden sollten. Die Gräfin, die noch vor der heiligen Taufe diesen Umstand erfuhr oder erfahren mußte, weil sie sich darnach erkundigte, ließ des Namens Banise halber, da er ihrem Namen vorzutreten die Dreistigkeit hatte, ihrer Spottlaune noch mehr freien Lauf; und da sie es nicht wagen wollte, sich nach der Ursache dieses wildfremden Namens zu erkundigen (den sie aus dem Blitz-, Donner und Hagelroman vortheilhafter zu kennen Gelegenheit nehmen können, falls dieser Roman damals schon existirt hätte), so ersah sie sich (nach Art des Unwillens, der immer unruhig einen Gegenstand sucht, auf den er seine Pfeile schießen kann) den fürstlichen Sitz zum Ziel. — Die vornehmste und kleinste Taufzeugin trat mit dem Geistlichen zu gleicher Zeit ins Zimmer. Der Baronin, die sich, durch die Stachelreden der Gräfin bis jetzt nicht im mindesten hatte verstimmen laffen, fiel die Figur der Fürstin nicht wenig auf. Jhro Durchlaucht erschienen

