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eine jede Erbschaft verknöchert das fleischerne Herz einigermaßen; allein dieß war bei unserer Ritterin der Fall nicht. Selbst durch den Umstand, daß fie in den Augen der Welt dem Andenken des Vaters etwas von der Trauer entzog, gewannen er und ihre Mutter im Herzen. Zwar nahm man hiervon Anlaß zu der Nachrede, daß fie sich ihrer Eltern schäme; wie kann man das aber, wenn fie todt sind? Wahrlich, sie hatte sich als Tochter nichts vorzurücken. Für's erste ward eine herrliche Rüstung auf­gestellt. Nur bei der Nothtaufe hatte fie die Sporen verbeten; sonst war sie nicht dagegen. Da das brave Weib sich nie so sehr auf eine Seite neigte, wie der Herr Gemahl, so blieb sie sicherer vor dem Fall. A silentio, war ihr Hauptargument; weder eine witzige Schwächlichkeit, noch ein unvernünftiger Uebermuth kam ihr so leicht zu Schulden. Sie hieß gnädige Frau, und war in gewiß tausend Rücksichten ein kreuzbraves Weib. Wer sie verachtet, weil sie zu sehr nachgab, und weil sie sich die Ideen des Ritters zu bald eigen machte, überlegt nicht, daß sie eben dadurch als Weib gewann. Was helfen mehr Segel, wenn auch mehr Ballast im Schiffe ist? Es war mit unserer Ritterin etwas anzufangen; allein weder der Witzling, noch der Vernünftler durfte dieß geradezu feyn; der Witz mußte sich, so wie die Vernunft, fein ländlich sittlich in Empfindung kleiden, und dann machte man mit ihr, was man wollte. An Verstand war sie dem Ritter ohne Zweifel überlegen; an guten Gesinnungen gingen sie Hand in Hand. Wer mag ihm fein Spiel verderben? Ist er nicht einer der eifrig­sten Johanniterritter, die der Orden je gehabt hat? Kann er diese OrdeuSfreude an feiner Defcendenz erleben? Und kennen wir nicht die Stern- und Kreuzseherei der Ritterin? Ende gut, alles gut! Immerhin, da er alles mit dem Johanniter- mantel, als dem wahren Mantel der Liebe, bedeckte! Der