IV

gegen Jedermann, sah er den Kreis seiner Freunde und Bekannten sich mit jedem Tage erweitern; er wußte die Guten noch nicht von den Schlech­ten zu unterscheiden und oft drängte sich ein in Ausschweifungen versunkener Mensch in seine Nahe. Arglos lieh der Jüngling ihm sein Ohr aber erst, nachdem er das süße Gift der Ver- führung eingesogen, ihren Taumelkelch selbst ge­kostet hat, wird es ihm klar, wie sehr er irrte. Doch es ist zu spat; er empfindet bereits die nachtheiligen Folgen seines Umgangs, seiner Ver­irrungen; sein Gemüth ist vergiftet, und bittre Reue über verscherztes Lebensglück, und über das Unmoralische seiner Fehltritte tobt in seiner Brust. Zu spat kommt ihm die Weisheit des Lebens, zu spat unterscheidet er das Rechte vom Unrechten, das Gute vom Schlechten, die Tugend vom be­schönigten Laster.

Wie oft auch stöhnt der junge Mann, ohne grade verführt worden zu seyn, einer Neigung oder einer Leidenschaft, von deren Schädlichkeit und üblem Einflüsse er sich erst dann überzeugst wenn sie ihm zur Gewohnheit wurde, wenn es zu spät ist, sie wieder abzulegen. Wie gern möchte er in altern Tagen sich von einem Laster, einer