— 296—
Gnade zu empfangen, und das Empfangene andern mittheilen zu können, das in andern auszugießen, von dem er ſelbſt erfüllet wurde.“ Du mußt daher die geiſtlichen Uebungen als dein wichtigſtes Geſchäft anſehen, dem alle andern Verrichtungen untergeordnet ſind; denn ſonſt würdeſt du nur mit Schaden deiner eigenen Seele am Seelenheile des Nächſten arbeiten. Bedenke dabei wohl die Worte des Heilandes:„Was nützete es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewänne,
an ſeiner Seele aber Schaden litte?“(Matth.
16, 26.)
Betrachte, wie uns Chriſtus auch in dies n ſer Beziehung zum Beiſpiel werden wollte. Er wollte ſein Predigtamt zum Heile der Seelen nicht eher beginnen, als nachdem Er ſich in die Wüſte begeben und dort vierzig Tage gebetet und gefaſtet hatte. Und wäh⸗ ih rend der drei letzten Jahre feines Lehramtes hr brachte Er, wie es die Evangeliſten erzählen, ganze Nächte im Gebete zu und zog ſich häufig vom Volke zurück, um an einſamen Orten ſich mit ſeinem himmliſchen Vater zu unterhalten. Trachte in die Fußſtapfen des gött— lichen Meiſters zu treten, befleiße dich der innerlichen Sammlung, übe dich eifrig im Gebete, welches das beſte Mittel iſt, Seelen für Gott zu gewinnen.„Je mehr Sorge und. Eifer du den geiſtlichen Uebungen zuwendeſt, deſto mehr werden alle deine Lehren und 4 Ermahnungen von den Gnaden und gött

