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„Ziemlich spät," dachte ich, „in Betracht, daß ich schon sechs Wochen in diesem Haus wohne" und es gingen mir verschiedene Berichte durch den Sinn, die mir über die Neigung meines dermaligen j B esuchs zur Galanterie schon zu Ohren gekommen waren. Jndeß, da ich sah, es war einmal über mich beschlossen, ergab ich mich mit der Geduld eines Märtyrers in das mir bevorstehende Schicksal. Ich stand auf, näherte mich ihrem Stuhl, ergriff ihre Hand (die dazu noch sehr hart und dürr war), und dankte ihr mit einem höchst zärtlichen Druck.
„Ich habe viele Engländer gekannt," sagte die Dame, nun erst unsrer Sprache sich bedienend.
„Ah!" sagte ich, mit einem zweiten Händedruck.
„Sie sind hübsch, sind Junggeselle," begann die Dame wieder.
„So ist es," erwiederte ich.
In diesem Augenblicke trat Bedos ein und flüsterte mir zu, Madame d'Anville sey im Vorzimmer.
„Gütiger Himmel!" sagte ich, denn ich kannte ihre eifersüchtige Gemüthsart, „was ist zu thun? Sie verbinden mich, Madame," und damit faßte ich die unglückselige Hausbesitzerin und öffnete die Thüre des hintern Eingangs. „Hier können Sie leicht entwischen, von ! jour!“
Kaum hatte ich die Thüre geschlossen und den Schlüssel in die ■: !<
Tasche gesteckt, als Madame d'Anville eintrar.
„Hat Ihre Dienerschaft überhaupt Befehl, mich in Ihrem Vorzimmer warten zu lassen?" fragte sie in hohem Tone.
„Ueberhaupt — nein!" erwiederte ich, und gab mir alle Mühe, \
mit ihr Frieden zu schließen, aber alle meine Artigkeit war umsonst. j Sie war eifersüchtig auf meinen vertrauten Umgang mit der Herzogin i von Perpignan und froh des Vorwands, ihre Bitterkeit auszulaffen.
Ich bin gerade der Mann, der die üble Laune eines Weibes wohl zu ertragen, aber nie zu vergeben weiß; das heißt, sie macht im Augenblick keinen Eindruck auf mich, aber sie läßt eine wunde Erinnerung j ,-3 an eine unangenehme Empfindung zurück, welche nie wieder zu er- >>

