22 Frankreich.

die Uebermacht des Adels, die Macht der Koͤnige ſtieg, und durch ſie wiederum die Freiheit der Staͤdte und des Volk. Viele Edle mußten, um die Koſten dieſer Unternehmungen zu beſtreiten, ihre Guͤter an die Könige oder an die Kirche verkaufen oder ver pfaͤnden: viele ihrer Leibeigenen die Freiheit verkau fen oder ſchenken, damit ſie nur nicht den Kreuzhee­ren zuliefen. Viele andere Familien ſtarben aus, oder verarmten. Von der andern Seite gewannen viele Staͤdte, beſonders in Italien Venedig, Genua, Piſa u. a., große Reichthuͤmer, indem fie die Kreuzheere zu Schiffe nach Palaͤſtina brachten, ihnen Lebensmittel nach: fuͤhrten, und einen eintraͤglichen Handel mit den Mor: genlaͤndern eroͤffneten. Die Könige, die anfänglich keinen perfönlichen Antheil an den Kreuzzuͤgen ges nommen, vermehrten ihre Beſitzungen durch die er kauften und ſonſt erledigten Lehne außerordentlich und unter ihrem Schutze entſtand wieder ein freier Mittelſtand und wohlhabende Staͤdte, die nur dem Uebermuthe des Adels trotzen konnten. Alle Voͤlker Europens, bisher ein jedes mit ſeinen eignen Ange­legenheiten beſchaͤftigt, kamen durch die Kreuzzuͤge in mannigfaltige Beruͤhrung, der Handel, und durch ihn Kenntniſſe mancherlei Art kamen immer mehr empor: ja ſelbſt auf die geiſtigen Angelegenheiten, welche bisher von den Paͤpſten unumſchraͤnkt waren ver waltet worden, fing der wieder erwachende Geiſt an ſich zu lenken, und die gegen den geiſtlichen Deſpo tismus der Kirche gerichteten Bewegungen der Al; bigen ſer und Walden ſer im ſuͤdlichen Frankreich, im 12. und 13. Jahrh., obwohl ſie damals mit