10

Krankheit: einer unerwiederten Leidenſchaft oder einer unglücklichen Caprice, bewirken.

Maltravers, gewohnt feine Jemüthsbewegungen ebenſo zu überwinden wie zu verhehlen, gab ſich wirk­lich die allerernſtlichſte Mühe, das Bild, welches von ſeinem Herzen Beſitz genommen hatte, zu entthronen. Noch immer eitel auf ſeine Selbſtbeherrſchung und noch immer ſeine Lieblingstugend: die Tapferkeit anbe­tend, und feine trägeriſche Philoſophie von der ruhigen goldenen Mittelſtraße wollte er nicht weichlich einer Leidenſchaft nachhängen, während er ſo mannhaft vor dem Gegenſtande derſelben geflohen war. Aber doch verfolgte ihn immer noch das Bild Evelinens es drängte ſich ihm auf Ges war unverſehens bei ihm

in der Einſamkeit und im dichteſten Gewühl. Dieß ſo heitere und doch ſo ſanfte Lächeln, das immer die Macht beſeſſen, den Schatten von ſeiner Seele zu ver­ſcheuchen; dieſe jugendliche und üppige Blüthe reiner (. und beredter Gedanken, welche war wie die Blüthe des Genius, ehe feine Frucht, bitter und ſüß zugleich, geboren iſt; Diefe foltene Vereinigung lebhafter Ge­fühle und heiterer, milder Gemüäthsſtimmung, welche das eigentlithe Ideal ausmacht deſſen, wovon wir bei der Geliebten träumen und was wir beim Weibe ver­langen das Alles, mehr, viel mehr ſogar als die herrliche Geſtalt und die zarte Anmuth der weniger beſtändigen Schönheit kehrte nach jedem Kampf mit ſich ſelbſt wieder vor ſeine Seele zurück; und die Zeit = ſchten den unauslöſchlichen Eindruck in nur noch tiefere,