3
Aufsätze
zur Belebung und Verfeinerung des Lesetons und des sittlichen Gefühls.
*>^err Richard hatte die'Freude, bcym Antritte seines SchulamteS wohl unterrichtete Kinder zu finden. In allen Stucken war er mit ihnen zufrieden; nur ihr Leseton mißfiel ihm ganz. Zwar setzten sie, nach Anleitung der Abtheilungs-Zeichen, richtig ab und sprachen auch die Wörter ziemlich rein und deutlich aus; aber alles ging in Einem Tact und Tone fort. Da war kein Steigen, kein Fallen der Stimme; die Frage klang wie die Antwort; der Ton der Freude wie der Ton dcS Kummers; der Ton der Schmeichelei) wie der Ton der Drohung, so daß man wirklich in Zweifel ge- rieth, ob die Kinder auch verstunden und fühlten waS sie lasen.
Herr Richard machte daher sogleich Anstalt, diesem Fehler abzuhelfen; aber eS hielt schwerer alS ec vermu- thete. Vergebens laS er mit dem gehörigen Wechsel der Stimme vor; vergebens ermahnte er zur Nachahmung. Keines der Kinder wagte den Versuch. > JedeS schämte sich, alberner Weise, vor dem Andern. So ein Wechsel des Lesetvns gehörte, nach ihrer Meinung,. bloS in die Kirche für den Pfarrer und Schulmeister.
* 2 DaS
