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aufnehmen wird, oder schon aufgenommen hat, zu lesen.

»Sehen Sie, mein Herr, das ist die Geschichte von dem Kreuze am Drüfselberg dort, und ich kann wahrlich nie diesen ungeheuren Steinblock mit dem Kreuze betrachten, ohne dabei ein leises Beben in den Gliedern zu fühlen, wenn ich der erzählten Be­gebenheit dabei gedenke. Ob Ihnen meine Er­zählung behagt haben wird, weiß ich zwar nicht; aber wahr ist sie; wenigstens lebt sie so im Munde der Obersteirer, und wenn sie auch nicht wahr wäre, so ist sie doch eine kleine Mahnung, daß wir das Gute nie, wo wir es thun können, vernachlässigen, und das Heil unserer Seele nie irdischen Vergnü­gungen nachsctzen sollen.«

Ich. »Da habt Ihr ganz recht, lieber Alter! und ich kann sagen, daß mich Eure Geschichte wun­dersam ergriffen hat, insonderheit, da ich einen ganz anderen AuSgang erwartet hatte.«

Schiffer. »Warum sollte die Sache einen an­deren AuSgang nehmen? Meinen Sie, Gott soll jederzeit ein Wunder wirken, wenn sich einer muth- willig selber in eine Gefahr begibt?

»Leo war wahrscheinlich einige Tage im Gebirge umhergeirrt, ohne den Ausweg aus dem Gcbirgö- Gcwälde zu fiuden, und so wie, weiß ich wohl selber nicht bis auf jene vcrhängnißvolle Kante gelangt, und da er, von Hunger und Durst er­schöpft, nimmer zurück konnte (denn von jener Jelseii-

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