Der Streit über die Universität von Basel.
Lichts von allen Verhandlungen deS Schiedsgerichts in Aarau
nimmt die Aufmerksamkeit der Eidgenossenschaft und auch sogar
des AuSlande- so sehr in Anspruch als der Prozeß über die
Universität von Basel! Auch wird dieser Gegenstand noch fort¬
während von Seite der Stadt so leidenschaftlich und einseitig
in den öffentlichen Blättern — namentlich den deutschen, wo
entgegengesetzte Meinungen entweder von den Redaktionen nicht
ausgeuvminen, oder aber von der Ccnsur völlig verstümmelt
oder gar gestrichen werden — behandelt, daß man sich des Ge¬
dankens nicht erwehren kann, cS suche diese Partei durch ihr
leidenschaftliches Toben über Vandalismus n. s. >v. auf die fer¬
ner» dcssallsigcn Verhandlungen deS Schiedsgerichts zu instuen-
zircn, und namentlich das gesunde Urthcil des Obmaunü zu
trübe» — da sich Vaselische Ausschüsse in Aarau unverhole» da¬
hin ausgesprochen haben sollen — »ichtS wirke so sehr auf die¬
sen Mann als deutsche ZeitnngS-Artikel, weil er als ein in der
deutschen juridischen Literatur bekannter Schriftsteller darauf halte,
auch dem Vorurthcile der dortigen Welt nicht allzusehr zu
stoßen.
Daß ein solcher Zweck durch lcidenschastliches Schreien, wo
man den Eigennutz hinter die schönsten Farben von Bildung,
Humanität u. s. w. verbirgt, erreicht werden könne, läßt sich bei
der bekannten Charakterfestigkeit und Unabhättgigkeit -Hrn. Lr.
Kellers nicht gedenken.
Indessen ist es nicht uninteressant die schwachen Gründe und
die Inkonsequenzen einigermaßen zu beleuchten, durch welche man
den erwünschten Zweck, — nämlich gänzlicher Ausschluß der
Landschaft von allen höhern Bildungsmitteln des Kantons — zu
erstreben sucht.
Zuerst wollte man die Universität als eine selbstständige,
vom Staat ganz unabhängige Corporation geltend
machen, nnd ihr daher zu Händen des Sradttheils alles daherige
Vermögen als Eigenthum zuerkennen lassen.
Dagegen wurde von der Landschaft nachgewiesen,
1. daß die Universität niemals — selbst vor der Refor¬
mation nicht — eine selbstständige Corporation gewesen, da
der Rath von Basel ihr die Gesetze und Statute», so wie -röß-
tentheilS die Geldmittel gegeben — und demnach jeweilcn befugt
war — diese Einrichtungen zu ändern;
2. daß jedenfalls bei der Reformation 1529 die Universität
förmlich aufgehoben, und ihr Vermögen so wie daS der
säkularisirten Klöster vom Staat zn Händen gezogen worden sei;
z. daß der Staat t5Z2 die Universität wieder hergestellt,
r^nno t5ZY sich aber deutlich Vorbehalten habe, ihre Ord¬
nungen jederzeit zn minder», zu mehren, zu än¬
dern, oder gar abzuthun und zu verbessern, und
baß cVnno i66g die Universität selbst erklärte, sie sei nicht der
Meinung, «als ob ein ehrsamer Rath nicht befugt gewesen wäre,
» das alte Privilegium, und sogar die Universität selbst
»abzuthun, und die Schulen selbst nach gut finden auzu-
« stellen; »
u. daß auch die Dotationsnrkunde dem Unioersitätsvermögcn
und demjenigen des Stiftes zu St. Peter keinen andern Zweck
gegeben, als Unterhalt der höhern Lehranstalten deS
KantonS, und daß die Regierung diesem nach und gestützt auf
den Vorbehalt von 15ZY im I. 181Z die alte Univecsität auf¬
hob — und sie durch die Gesetze vom 18. Juni i6i? und
17. Juni 1818 als höchste Lehranstalt des Kantons
aufstcllte, und mit den übrigen Lehranstalten, als den Gimeindc-
schulcn, Realschule, dem Gymnasium, dem Pädagogium in
Verbindung, und vollkommen gleiche Kategorie
setzte.
Es konnte nach diesen geschichtlichen und geschlichen Grund¬
lagen keinem Zweifel unterliegen, daß die Universität eine Staats-
a nstalt für den öffentlichen Unterricht sei, und daß die Land¬
schaft an den daherigen Mitteln, so wie an den übrigen Staats-
anstalte», z. B. Zeughaus, Kriegsmaterial u. s. w., eben so
vielen Anspruch hatte als die Stadt, da sie in Zukunft wie jene
für die Bildung ihrer Jugend selbstständig zu sorgen hat.
So fiel auch der wohlbegründete schiedsrichterliche Spruch
aus, und mußte so aussallen.
Indessen wird dieser Krieg zum gleichen Zweck — nur mit
andern Mitteln, wieder von neuem eröffnet. —
Oer Schiedsspruch vom 9. November I8ZZ sagt, das »Uni«
« versitätsvermögen gehöre zu dem in dieTheilung
»fallenden Staatsvermögen.»
Nun tritt Basel auf nnd sagt, das Eigenthum gehöre nach
Inhalt dieses Spruches zwar dem Staat, allein nach der Dota¬
tions-Urkunde von 160Z sei dieses Eigenthumsrecht dahin be¬
schränkt, daß das ganze dauials vorhandene Universitätsver¬
mögen nur zu Bildungsanstalten in der Stadt Basel
verwendet werden dürfe.
-Hiermit verhält es sich folgendermaßen - Im ersten Abschnitt«
der Dotations-Urkunde werden die Munizipalbedürfnisse der Stadt
Basel berechnet und auf Fr. 6o,000. angeschlagen; im zweiten
Abschnitte werden die hiezu nöthigen Mittel angewiesen; in, drit¬
ten Abschnitte die Ausstellung einer höhern Kantonspolizei in
Basel angeordnet nnd im vierten Abschnitte die Festungswerk«
als dxr KantonSregicrung zugehörend erklärt. Der fünfte Ab¬
schnitt sagt, durch die Bestimmungen der vier ersten Abschnitte
sei noch nicht für alle Bedürfnisse der Stadt Basel gesorgt,
deswegen sollen der Bürgerschaft unter der Verwaltung
des Stadtrathcs als Eigenthum noch Verschiedenes zu-
crkannt werden.
Unter Nr. 1. 2. Z. werden nun ungeheure Besitzungen in
Grundstücken, Waldungen und Stiftungen aufgcführt — und