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dann nochmals geschloffen, daß alle diese Stiftungen ausschlie߬
liches Eigenthum der Stadt sein sollen.
WaS hingegen, wird dann in Nr. q fortgefahren, fol-
gende Kirchen-, Schul- und wissenschaftliche Anstalten anbetrifft;
alö:
») die Universität mit allen Zubehörden,
I>) das Stift zu St. Peter, mit Zubeyörden,
»so sollen diese Stiftungen u»b FondS, sammt ihren Liegen-
»schäften, Capital,en und Einkünften, wie bis anhin zu Be-
»soldung der Geistlichkeit und für die hvhern Schulan-
«stalten bestimmt sein und bleiben, und nach bisheriger
«Uebung den Verordnungen der Kantvnsregierung
»gemäß und unter derselben Aufsicht verwaltet werden.»
Schon daS Wort hingegen zu Anfang dieser Nr. q zeigt,
daß man diese zwei Stiftungen, nicht wie in Nr. 1,2, und z
der Stadt zutheilen wollte, sondern im Ecgentheil dem Staate.
DaS Gleiche geht auch daraus hervor, daß die Dispositionsbe-
sugnisse und die Aussicht nicht wie eub 1, 2 und z dem Stadt -
rath, sondern der Krrntonsrcgierung zugethcilt, und nur
dadurch beschränkt -wurden, daß daS ganze Vermögen
nur zu hvhern Schulanstalten deS Kantons verwendet
werden dürfe.
Diese Bestimmung der Dotationsurkunde wurde auch seit
160Z immer selbst von der Regierung in Basel auf
diese buchstäbliche und einzig natürliche Weise
ausgelegt.
Anno ig >3 hob der Große Rath durch ein Gesetz die alte
Universität förmlich auf, und bestimmte, eS sollen die Lehran¬
stalten des Kantons von Neuem den Bedürfnissen der Zeit ge¬
mäß geordnet »v-rden. Anno 1817 und i»iü erfolgten diese
neuen Organisationsgesetze durch den Großen Rath, ohne daß
die Stadt gemein de von Basel sich je einfallen ließ, auf
die Dotationsurkunde gestützt irgend eine Ein¬
sprache zu machen.
Noch mehr, im Jahr I 8 t 6 hob die Regierung das
Stift zu St. Peter auf, und warf sein ganzes Ver¬
mögen in die allgemeine Kirchen- und Schulz uts-
verwaltnng deS KantonS, ohne daß die Stadtgemeinde
auf den lächerliche» Einfall gerielh, gestützt auf die Dotations-
Urkunde irgend eine Einsprache gegen diese Verfügung zu ma¬
chen. Ja sogar, die jetzt geRegierungvonBaselStadt-
theil brachte daS mit dem allgemeinen Kirchen- «nd Schulgut
vereinigte Vermögen deS Stifts zu St. Peter auf daS zum Be¬
huf der Theilung verfertigte Staatsinventar, ohne daß sie
oder die Stadtgemcinden besondere Ansprüche daran zu machen
gedachten. — Ist eS nun aber nicht die unbegreiflichste und lä¬
cherlichste Inkonsequenz, daß auf das Universitätsv erwö¬
ge n aus der Dotations urkunde Rechte angesprochen wer¬
den wollen, die man an das St. Petersgut gar nicht zu
erheben gedachte oder vielmehr getraute, während in der Dota-
tionsurkundr über beide Stiftungen die ganz gleichen Be¬
stimmungen ausgestellt sind.
Aus den Gesetzen geht mehr als deutlich genug hervor, daß
die von Seite Basels gemachten besonder» Ansprachen an daS
Universitätsvermögen aller rechtlichen Begründung ermangeln, was
noch vielseitig nachgewiesen werden könnte, wenn man nicht be¬
sorgen müßte, dadurch die Schranken zu überschreiten, welche für
solche Gegenstände in öffentlichen Blättern gesetzt sein müssen.
Was soll demnach daS leidenschaftliche Geschrei, welches von
Basel a»S in allen Zeitungen — namentlich den deutschen — er¬
hoben wird? Will vielleicht die legitime Stadt durch diesen
Preßunfug und auf diesem tumultuarischen Wege vor den Schran¬
ken des Gerichts dasjenige erstürmen, was sie auf dem Wege
des Rechtes nie n»d nimmermehr zu erlangen hoffen darf? —
Ein karakteristischer Zug bei diesem Handel ist, daß ma» den
gehässigsten Eigennutz mit den schönste» Farben von Bildung,
Humanität u. s. w. zu übertüuchen sucht. Man sagt, es sei
Vandalismus, Barbarei u. s. w. wenn die Universität — als
natürliche Folge der vo» Basel beschlossenen Trennung — ge-
theilt werde. Wir aber fragen, ob nicht viel mehr auf Sette
derjenigen eine inhumane und cioilisationswidrige Tendenz liege,
welche, entgegen allen Grundsätzen des Rechts und der Billig¬
keit, olle Vildungsmittel deS Gcsammtkantons einzig der Stadt,
die sich ihrer Kultur, ihres Reichthums und der daherigen Bil-
duugsmtttel rühmt, zusichern, hingegen die Landschaft, welche
in dieser Hinsicht wegen der bisherigen Vernachlässigung von
Seite der Negierung so Vieles uachzuhole» hat — von allen
Mitteln einer höhern Kultur und fortschreitenden Bildung aus-
schlieffen, und so gleichsam ihre politische Existenz der ersten
Grundlage, nämlich aller moralischen Haltung, berauben möchten?