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Mnbrttlgen. Der Wirth, schon lange ver Gäste eniwöhirk, kommt dem Gaste
freundlich entgegen, und läßt zuvorkommend die Sachen des Fremden auf ein
recht elegant möblirteö Gastzimmer tragen, und erkundigte sich sehr zuvorkvrm-
' mend, um die etwa ferneren Bedürfnisse desselben. Wer konnte unter dieser
schmeichlerischen Hülle den Sammelplatz schwarzen Verbrechens ahnen ? Wer
konnte vermuthen, daß unter dieser Freundlichkeit eine Mordthat lauerte.
. ' Da der von der Reise ermüdete Fremde nichts als Ruhe verlangte, so ver-
lreß-der Wirth mit BnEiingen diesen gute Nacht wünschend. Ein aufmerksamer
Beobachter hatte wohl den lauernden Blick bemerkt, den der Wirth ans eine
wohlgefullre Brieftasche warf, die der Viehhändler, nichtsahnend, noch in der
y Gegenwart des Wirthes unter das Kopfküssen legte. Der Fremde entkleidete jjtf),
verschloß die Thüre, löschte das Licht aus, und legte sich zu Bette. Aber trotz
seiner Müdigkeit konnte er nicht entschlafen, eine unbeschreibliche Angst, von der
or sich keine Rechenschaft geben konnte, bemeisterte sich seiner, und nachdem ek
auf diese Art mehrere Stunden znbrachte, so entschloß er sich Licht zu machen.
Es mochte ungefähr Mitternacht seyn; so eben wollte er ans dem Bette
steigen, um das Licht auzuzünden, da hörte er bei seinem Fenster, welches ans
die Straße führte, ein Geräusch, und sah so gleichzeitig den Schatten eines
Menschen, der durch das Fenster in das Zimmer zu kommen strebte. Ohne Waf¬
fen, sepn von aller Hülfe, sich, wie er glaubte, dem Angriffe vielleicht mehre¬
rer mordgewohnten Hände preisgegeben, machte wahrhaftig saine Lage zu einer
der schrecklichsten. Hier galt es schnelles Ueberlegen. SeirwGeistesgegenwart ließ
ihn ein Auskunftsmittel finden. Er versteckte sich nute r die Bettstelle, auf der
er'ohnedieß früher keine Ruhe gefunden hatte. Wenige Minuten nur, die aber
dem Geängfligten wie Ewigkeit dünkten, hatte er in seinem Verstecke zugebröcht,
als ein Mann mit einer Laterne richtig durch das Fenster in 'das Zimmer kam.
Der Sohn des Wirrhes, ein dem-Trünke ergebener Mensch, hatte in dieser
^acht wieder seinem Laster gefröhnt, und kam benebelt Hanse. Das Thor fand
er verschlossen, und deßlvegen suchte er den Weg durch das Fenster; halb sinnlos
von zu viel genossenem Weine, bemerkte er nicht, daß das Zimmer bereits'einen
Bewohner habe, sondern das Bett leer findend, löschte er die Laterne ans, warf
sich ans das Bert, und entschlief.
Unser armer Viehhändler verging indessen vor Angst, und war bemüht, selbst
den Athem znrückzuhalten, damit er seine Gegenwart nicht verrathe, als er aber
bemerkte, daß die eingctretene Person sich in das Bett gelegt, und wie ans dem
riefen Athemzügcn zu schließen war, schlafe, so wollte er schon feinen Schlupf-
verlassen, mn doch zu sehen, was denn eigentlich vorgehe; als ernenerdirtgS