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gm beunrnhigendes Geräusch an seiner Thüre nnd ein Herumtappeu an derselben
hörte. Schnell zog er seinen Kopf, den er schon etwas vorgeschoben hatte,
zurück, in ängstlicher Erwartung, was dieser nächtliche Besuch wieder zn bedew-
ten habe. Den höchsten Grad hatte seine Angst erreicht, als er leist seine Thürs
öffnen nnd behutsame Schritte sich seinem Bette nähern hörte.
. Der Wirth hatte bereits, als er Abends den Viehhändler verließ, die schwar¬
ze That beschlossen, da er bei demselben viel Geld vermuthete, und wählte znr
gräßlichen Ausführung seines Zweckes die, keiner guten That befreundete Mit-
ternachtstunde. Dieser schändliche Mensch nun war cs, der sich, mit einem Messer
bewaffnet, dem Bette des Fremden nähert, rmd glaubend, daß dieser sich dort
befände, durch einen Stoß seinen eigenen Sohn mordet. Der Vater
mordet seinen eigenen Sohn! Gräßliche aberwohlverdiente Strafe! Der
schändliche Mensch raffte in der Finsterniß alles, was er vorfindet, zusammen §
und verläßt das Zimmer. Aber die Vergeltung schreitet schnell.
Das Geräusch des geführten Stoßes, das kurzdauernde Sterbegeröchel des
armen Gemordeten, ließen den geängstigten Viehhändler den Zusammenhang
ahnen, und nach kurzer Zeit wagte er sich hervor, lief zum Fenster, riß dasselbe
auf, und rief aus allen Kräften: Mordio! Feuer! Hilfe! Eine vorüberziehende
Patrouille frug um die Ursache seines Lärmeus, und nachdem er dieser in größter
Kurze alles erzählte, klopfte sie an das Thor, und verlangte stürmisch Einlaß.
Der Wirth zögerte zwar, da ihm aber mit gewaltsamer Oeffliung des Thores nnd
gesetzlicher Strafe gedroht wurde, so mußte er endlich offnen. Augenblicklich ver¬
langte der Korporal auf das Fremdenzimmer geführt zu werden, und da die Aus¬
flucht des Wirthes, daß der Gast noch schlafe, und die Thüre versperrt habe, nicht
fruchtete, so ergab er sich endlich in sein Schicksal, nnd führte die Leute iu's Zim-
mer. Er öffnete die Thüre- wirft einen Blick auf das Opftr seiner Schandthat,
und — schrecklich! erkennt seinen eigenen Sohn! Dre Hände über das Gesicht hal-"
tend, sinkt der Verbrecher in die Knie; hierin ein Gottesnrtheil erkennend, ließ
er sich ruhig die Hände und Füße binden, nnd so gefesselt wurde er der Krimiab-
Behörde übergeben. Kurz waren die gerichtlichen Verhöre, danach französischer
' Art öffentlich verhandelt wurden. * . ,
Nicht die erste That dieser Art war eS, welche der Verbrecher beging. Seit
zwölf Jahren waren es z6 Gaste, die den Schutz, welchen ihnen das Wirthshaus
für eine Nacht gewähren sollte, mit dem Leben bezahle mußten. Die Leichen
wurden von dem Wirthe und derGehilfinwseiuer Schandchaten, seiner Fran, iu
den Keller gebracht, welcher durch eine, nur dem Wirthe bekannte Oeffuung mit
dem dichtvorbei'fließenden Rheinstromestand, und durch diest den Fluchen übergeben.