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Erholung für die getragene Tageslast zu verschaf¬
fen; d. h. durch angenehme Bilder den Ekel einer
allzu eintönigen Lebensart, und rviedrig schmeckender ^
Berufsgeschäfte, aus der Seele wegzubannen.
Sollte denn dieser jedermann vergönnte Labe-
trunk denen verwehrt seyn, die ihn am meisten
bedürfen? Ist es billig, daß diejenigen, welche
unter den größten Lasten seufzen, und beynahe
erliegen, allein jeder Erholung entbehren? Oder,
wenn sie durch Lesen sich erheitern wollen, nichts
lesen, das ihre oft zu sehr betrübte Einbildungs¬
kraft aus der Kummerhöhle hinaus in's Freye,
auf lachende Fluren und bevölkerte Triften führt?
Sollen sie am Mahle des Lebens nicht nur der
Würze, sondern auch der einfachsten Speisen ent¬
behren, und keine andere Geistesnahrung genießen,
als Medizin? Diese Fragen werden alle Menschen¬
kenner, alle Sittenlehrer, alle Philosophen, mit
einem lauten Neinl beantworten. Aber, was
werden sie dafür anrathen? Ich sorge sehr, einige
werden sich nicht scheuen, das Wort Zerstreu¬
ung auszusprechen