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IX
Zerstreuung — die allgemein geliebte Panacce
unscrS, durch Schwelgerei) iu den Freuden des
Lebens, bis auf die tiefste Stufe der Verweich¬
lichung herabgesunkencn Zeitalters; Panacce für
Erschlaffung, Langeweile und Ekel, welche jedem
unmäßigen Genüsse, jeder Verwöhnung des Ge¬
schmackes auf der Ferse folgen — aber in der
That nicht Panacce, nicht Heilmittel, vielmehr
Schlaftrunk, den man seinem Gewissen mischt;
Taumclkelch, durch welchen man die inner» Sin¬
nen stumpf macht, damit sie den äußern die Herr¬
schaft des Ganzen überlassen; Leben außer uuserm
Element; Existenz außer uuserm Wirkungskreise;
Ablehnung jeder Selbstbetrachtung und Selbster¬
kenntnis;; Flucht vor uns selbst, vor jedem Ge¬
danken, der sich zu der Höhe unserer Bestimmung
erhebt, vor jedem großen und edeln Gefühl, das
sich nicht anders, als bey ernster Ueberlcgung,
in stiller Einsamkeit, entwickeln kann, und daher
unmittelbare Quelle der Erschlaffung und Nervenlo¬
sigkeit der größer» Hälfte des Menschengeschlechts ist.
Doch was frommt's, Vorstellungen und War-