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[TEI]
Der Text ist der Partitur entnommen
TVWV 1:386
1. DictumDüncke dich nicht weise seyn, sondern fürchte den Herrn, und weiche von dem Bösen. 2. Aria (Tenore)Die Selbst-Erkänntnüß ist sehr schwer und läßt sich nicht in Fleisch und Blute finden. Der Mensch denckt, vor sich selber rein und überflüßig fromm zu seyn, obgleich vor Gott das Maß der Sünden bis oben angefüllet wär. Da capo 3. Recitativo (Basso)Der Mensch bemüht sich Tag und Nacht und sucht viel neue Künste. Was hat er zum Gewinste? Gar nichts! Was seine Weisheit solteseyn, ach, da gebrichts. Er sucht die Welt, und will mit Macht, was Himmel, Erd und Meer begreift ergründen, und kan sich selbst nicht finden. Sein Fleisch und Blut preist ihn als fromm und gut: Er dancket Gott, daß er nicht wie die andern sey. Da seine Heucheley des Nächsten Hertz verdammt und richtet, die Unschuld wie den Weitzen sichtet und Gift aus Rosen saugt. Da er doch selbst nicht das geringste taugt. 4. Aria (Canto)Immerfort sich selber schmeicheln und dem alten Adam heucheln, ist den Menschen gantz gemein, die nicht wahre Christen seyn. 5. Recitativo (Basso)Wiewohl die Schmincke gilt nur vor der Welt, die aber doch vor Gott nicht Farbe hält. Bey ihm ist alles klar und offenbahr. Drum prüfe die Gedancken, die hier und dar aus ihren Schrancken auf deines Nächsten Fehler gehn. O streiche deines Geistes Stärcke an das Gesetz, als den Probierstein an, und laß das Silber deiner Wercke im Feuer stehn; laß deine Frömmigkeit im Creutzes-Ofen brennen: So werden sie wie Staub und Dunst verstieben. Dein Heilig-Seyn, dein Lieben, und alles Thun ist nur ein falscher Schein, zu dem Gott Mene-Teckel schreibet. So lange noch dein Hertz ein Schlangen-Nest verbleibet, in dem der Hochmuth brüten kan, so bleibstugantz gewiß ein Kind der Finsternüß. Ach lerne dich doch kennen. 6. Aria (Alto)Mensch, dencke doch: O wie vieles fehlt mir/dir noch? Laß andre heut und morgen vor ihre Schwachheit sorgen, und greife selbsten fein in deinen Busen nein, da wirst du tausend Sünden und gnug zu richten finden. Da capo 7. ChoralAll unser Schuld vergib uns Herr, daß sie uns nicht betrüben mehr, [wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern, zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.] |
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| | Reference | Ms. Ff. Mus. 941 - IV. post Trinit. / da me, Telemann. [Frankfurt am Main], [circa 1720]. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, UB Frankfurt am Main: Ms. Ff. Mus. 941, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:30:2-346275 / Public Domain Mark 1.0 |
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