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Bibliographic Metadata

Title
Ms. Ff. Mus. 974 - Dom. II. Advent / del Sige Telemann
Undissociated Title
Erzittre, Welt, vor dem Gericht
ComposerTelemann, Georg Philipp
Published[Frankfurt am Main], [circa 1723]
Description1 Partitur (8 Blätter)
Annotation
Score: 8f., Manuscript copy: 1723 (1723c); 21 x 35 cm, Schreiber: Copyist [Ascertained]. - Besetzung: S, A, T, B, vl (2), vla, vlc, org. - Bemerkungen zu den Aufführungen: Performance date: 1723 Hamburg (Quelle: RISM)
Erzittre, Welt, vor dem Gericht
LanguageGerman
Keywords
URL
Electronic Edition
Frankfurt am Main : Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, 2019
URNurn:nbn:de:hebis:30:2-373083 
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Reference
Classification
Description

[TEI]

Der Text ist aus der Partitur genommen.
TVWV 1:485
1. Aria (Basso)
Erzittre Welt vor dem Gericht
das dir dein letztes Urtheil spricht.
Du, du hast Gottes Zorn erbittert.
Wenn nun die Rache blitzt und flammt,
und dich zum Schwefel Pfuhl verdammt,
ists möglich, daß dein Hertz nicht zittert.
Da capo
2. Recitativo (Alto)
Jerusalem, die kleine Welt,
läst mich an Sünd und Strafe
ein Bild der grosen sehen.
Ist dort ein strenger Spruch gefällt,
so wirds auch hier geschehen,
sie ward zur Bessrung angelockt,
und hier vermahnt Gott auch zur Busse,
sie hörte das, und blieb verstockt,
hier hört mans auch,
und fällt ihm nicht zu Fusse.
Ihr Straf-Gericht brach wie ein Blitz herein,
hier wird es wie ein Fallstrick seyn:
Sie sahe gleichsam düstres Grauen,
vor Sonne, Mond und Sternen Schein;
hier wird mans in der That,
nicht nur im Gleichniß schauen;
sie sah ihr Unglücks-Meer,
und ihre Jammer Fluth,
die Wellen aufeinander thürmen:
hier wird ein mahl, mit nie geschehner Wuth
das ausgerissne Welt Meer stürmen;
ihr Ende war zuletzt ein Untergang mit Schrecken,
sie fiel in Asche, Staub und Grauß:
Staub, Asch und Grauß wird auch die Welt bedecken,
so geht’s hier ebenfalß auf solch ein End hinaus,
nur eins wird hier nicht so wie dort geschehen,
sie fühlte nur des Richters Grimm;
hier hört man künftig seine Stimm.
Ihr blieb er unsichtbar: hier wird er einst gesehen,
du sprichst: wer dann und wo?
auß feur‘ger Wolcken Thron,
der oft verschmähte Menschen-Sohn.
Ach, Richter aller Welt, wer wird vor dir bestehen.
3. Aria (Canto)
Wenn die Welt muß ewig leyden,
was entgeht als dann der Pein?
Glaubensvoll gen Himmel sehen,
geistlich wachen, brünstig flehen,
Unrecht meiden, mäßig seyn,
das entgeht als dann der Pein
wenn die Welt muß ewig leiden.
4. Recitativo (Alto)
Du hast uns dieses selbst gelehrt,
mein Richter, aber auch mein Fürsprach
und mein Leben,
so Haupt als Hertz empor zu heben,
eh sich die Welt in nichts verkehrt.
Du sprichst, wenn uns die Furcht
will bange machen,
daß sich der Glaube hofnungs-voll
auf die Erlösung gründen soll,
du rufest uns zu, wir sollen wachen,
auf daß uns nicht so, als die sichere Welt,
ein Sünden Schlaf, der tödlich ist, befällt.
Dein Wort befiehlt, wir sollen bethen,
damit wir mögten würdig seyn,
erst sonder Furcht und Angst,
dann sonder Straff und Pein,
für deinen Richterstuhl zu treten,
so führt uns dein Vermahnen an,
ach gieb uns auch das Wollen und Vollbringen.
Hilf uns dabey nach stiller Unschuld ringen,
daß niemand über uns beängstigt seufzen kan,
laß uns die Hertzen nicht mit schnöder Lust beschweren,
auf daß sich stets der freye Geist,
loß von der Welt und nach dem Himmel reißt,
wird denn einmahl dein Blitz dis Rund verzehren,
fällt plötzlich dein Gerichts-Tag ein,
so kanns der Welt nur schrecklich seyn,
nicht aber uns, die wir dein Heil erwarten,
wir freuen uns vielmehr, wie sich ein Gärtner freut,
denn sein vorhin bereifter Garten
das Grün der ersten Blätter beut
[Arioso, Tenore]
Wenn sich des Winters Ende zeiget,
so ist der holde Frühling da,
wenn sich die Welt zum Ende neiget,
so ist uns die Erlösung nah.
5. Duetto (Canto, Basso)
1. Blitzet, ihr Wolcken, mit praßlenden Wettern,
Sonne, verdüstre die Strahlen mit Blut.
Die Erlößung nahet sich.
Lasset den Donner die Berge zerschmettern,
tobet ihr Wellen mit brausender Wuth.
Die Erlößung nahet sich.
Blitzen, Verdüstern, Zerschmettern und Toben,
locket mein Hertze, den Schöpfer zu loben.
Denn mein Heyland lehrt es mich,
die Erlößung nahet sich.
2. Stürzet, ihr Wercke der Erden, in Flammen,
Lüfte, vermischt euch mit Feuer und Fluth.
Die Erlößung nahet sich.
Kräfte der Himmel, bewegt euch zusammen,
brechet mit Krachen, zerschmelzet für Gluth.
Die Erlösung nahet sich.
Stürtzen, Vermischen, Bewegen und Krachen
reitzet mein Hertze, voll Hoffnung zu lachen.
Denn mein Heyland lehrt es mich,
die Erlößung nahet sich.
6. Choral
Zion hört die Wächter singen,
das Hertz thut ihr vor Freuden springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden starck, von Wahrheit mächtig,
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werthe Cron,
Herr Jesu, Gottes Sohn,
Hosianna,
wir folgen all
zum Freuden-Saal
und halten mit das Abendmahl.