dorwort.

cPeit dem in der Einleitung dieses Werkes gegebenen Bericht über die Literatur der Ethik finden wir folgende neue Werke zu verzeichnen:

1. Kaulich, System der Ethik. Prog 1877.

2. Theologische Ethik. Abdruck einer im Sommer 1874 von Prof. Dr. I. Ehr. v. Hofmann gehaltenen Vorlesung. Nördlingen 1878.

3. Kahler, Das Gewissen. Erster Theil. Die Entwicklung seiner Namen und seines Begriffs. Halle 1878.

4. Die christliche Idee des Guten und ihre modernen Gegensätze. Von Prof. H. Weiß in Tübingen. Gotha 1877.

2. Die Ethik Calvins in ihren Grundzügen entworfen von Lobstein. Straßburg 1877.

Die Schrift von Kaulich, obwohl katholisch bedingt, ist ein in­telligentes Werk. Die Ethik von Ehr. v. Hofmann wurde von Freunden nach seinem Tode herausgegeben. Nach der formellen Seite erinnert sie ebenso an Schleiermacher, wie sein Schriftbeweis: der Grundgedanke nämlich ist das christlich-sittliche Handeln; dem Stoffe nach ist das Werk wie die Schrift von Harleß vorwaltend kirchlich dogmatisch. Dem gelehrten Werke von Kühler wünschen wir einen glücklichen Fortgang. Es hat uns freilich der Satz Bedenken gemacht:Das alte Testament nennt das Ge­wissen noch nicht und folglich kennt es auch das Gewissen als solches noch nicht" (S. 19). Auf den Begriff der Religion angewendet würde das heißen: Das alte Testament hat den Namen der Religion noch nicht, folglich hat es auch noch nicht die Kenntniß der Sache. Doch wollen wir damit der weiteren Leistung des geschätzten Verfassers nicht vorgreifen. Die Monographie von Weiß bethätigt eine gediegene Auffassung des Gegenstandes. Die letztgenannte Schrift ist ein kritisches Referat über Calvins Ethik aus den Quellen.

Ueber die Rothe'sche Psychologie, welche durchweg das Geistesleben in der verkümmerten Fassung, Sebstbewußtsein und Selbstthätigkeit darstellt, habe ich mich bereits hin und wieder ausgesprochen. Der eigent­liche Ursprung dieser psychologischen Zweifaltigkeit des menschlichen Geistes ist die Kantische Psychologie. Das allgemeine Wiederaufleben dieser Psycho­logie in der Gegenwart aber wird nicht nur verhängnißvoll für die