GEMEINSCHAFTSVERPFLEGUNG
HERAUSGEBER:
Prof. Dr. W. BOCKHACKER
Leiter des Amtes Gesundheit und Volksschutj der DAF.
WILLY SIEBERT
Oberarbeitsführer (VW) Leiter d. Verpflegungsabteilung in der Reichsarbeifsdienstleitung
Dr.
A. HESSEL
Min.-Rat Hauptgeschäftsführer der Reichsgruppe Fremdenverkehr
FRANZ MENDE
Leiter des Amtes für Arbeitseinsatj der DAF.
{unter ständiger Mitarbeit und fachlicher Leitung)
RICHARD TUSCHLING GUSTAV LEITZ
Leiter der Fachgruppe Geschäftsführer^ Gemeinschaftsverpfieger in der der Reichsarbeitsgemeinschaft
Reichsgruppe Fremdenverkehr für Gemeinschaffsverpflegung-
Prof. Dr. F. W1RZ
Beauftragter des Reichsgesundheifsführers für Ernährungsfragen
HAUPTSCHRIFT LEITER:
ERICH GRÜNDGER
Dr. W. ZIEGELMAYER
Oberregierungsrat beim QKH. und Direktor des Insfifiis für Koch Wissenschaft
E. PIESZCZEK
Geh. Reg.-Rat Generalslabsintendant, Präsident des Instituts für Kochwissenschaft
R. M ENTBERG ER
Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststättengewerbe
FACH B E I RAT:
B. FRÜHAUF, Dir., Leiter der Abf. „Kochkunst im Institut für Kochwissenschaft, H. GALLUS, Leiter der Abf. Verpflegung der OT.-Zentra!e, W. GEISTHARDT, Ha iptgeschäftsführer d. Wirtschaftsgruppe Gaststättengewerbe, JOSEF LOS KILL, Oberbannführer und Leiter der Hauptabt. Ernährungswirtschaft in der Reichsjugendführung, Dr. A, RINGER, Vizepräsident d. Instituts f. Kochwissenschaft, Dr. H. SCHNEEKLOTH, Hauptgeschäftsführer der Fachgr. Gerfieinschaftsverpfleger
VERLAG UND SCHRIFTLEITUNG: BERLIN W 9, POTSDAMER PLATZ t(COLUMBUSHAUS) RUF 21 4261
JAHRGANG 1944
1. JANUARHEFT
Nr. 1
Der biologische Werf der Gemeinschaftsverpflegung
Von Prof. Dr. Werner Bockhacker, Berlin,
Leiter des Amtes Gesundheit und Volksschutz der DAF.
Es liegt in der Entwicklung des. Krieges, daß die Gemeinschaftsverpflegung sowohl für die Rüstungsbetriebe als auch für gewisse Teile der Zivilbevölkerung in einer Größenordnung verstärkt werden mußte, die in den Jahren vor dem Kriege, in denen die Gemeinschaftsverpflegung der Betriebe als Sözialleistung von der DAF. gefordert wurde, nicht vorauszusehen war, Im Rahmen meiner Ausführungen möchte ich nicht über die große organisatorische' Leistung, die vom Ernährungsministerium, vom Amt für Arbeitseinsatz der •Deutschen Arbeitsfront, der Fachgruppe Gemeinschaftsverpfieger in der Reichs-' gruppe „Fremdenverkehr" und vielen anderen Organisationen von Partei und Staat geleistet worden ist, sprechen. Meine Aufgabe als Arzt ist vielmehr, die Forderungen zu erheben, die an die Gemeinschaftsverpfleguna von der gesundheitlichen Seite her erhoben werden müssen.
Die erste Forderung, daß die Gemeinschaftsverpflegung quantitativ ausreichend sein muß, ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Wir Arzte sind heute gewohnt, uns dazu der Kalorienerrechnung zu bedienen. Es ist manches darüber gesagt und geschrieben worden, ob die Kalorienerrechnung eine ausreichende Bewertung des Mengenbedarfs gewährleistet oder ob wissenschaftlich bessere Methoden zur Anwendung kommen sollten. Praktisch ist heute eine wirklich gangbare und für Breitenwirkung ausreichende andere Errechnungsmethode nicht vorhanden. Bei den großen Mengen von Menschen, die ge- meinschaftsverpflegt werden mußten, war aber auch die Berücksichtigung der individuellen Ausnutzung* der .Nahrung 'durch den einzelnen Organismus nicht erfolgversprechend. Dahingegen war die Berücksichtigung der Arbeitsbelastung, wie sie durch die Ernährungszulagen praktisch zur Wirkung gekommen ist, der Weg, der sich bewährt hat, der
nicht nur eine' sozial gerechte, sondern vor allem auch eine gesundheitlich richtige Verteilung des Nahrungsgutes gewährleistete.
Schwieriger war schon die Frage der geschmacklich richtigen Zubereitung in der Gemeinschaftsverpflegung. Die Größenordnung, in der plötzlich Kräfte für die Zubereitung der Gemeinschaftsverpflegung erforderlich wurden, brachte es mit sich, daß erhebliche Mengen von Menschen, die vorher die Zubereitung von Speisen in großen Mengen nicht erlernt hatten, eingesetzt werden mußten. Dieses Küchenpersonal und seine Hilfskräfte mußten in zahllosen theoretischen und praktischen Kursen geschult werden, und es mußte ihnen, denen gerade auf dem Sektor des biologischen Denkens Vorkenntnisse weitgehend fehlten, in grundlegenden ■ Ausführungen der Wert der Nahrung in bezug auf Gesundheit und Leistungserhaltung klargemacht werden. Dem dienten die Unterrichtungen, die von der Ernährungsabteilung des Amtes Gesundheit und Volksschutz der DAF. durchgeführt wurden und auch weiterhin durchgeführt werden.
Das dritte und schwierigste Problem aber war, aus dem vorhandenen Nahrungsgut und auf Grund der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse Speisen zuzubereiten, die nicht nur die erste und zweite Forderung an die Menge und an den Geschmack befriedigten, sondern die vor allem die hochwertigen Stoffe, die zum Leben und zur Leistungserhaltung notwendig sind, bestens enthielten. In diesem Rahmen möchte ich mich hier nicht aussprechen über den biologischen Wert von Vitaminen, Mineralstoffen u a. m., sondern nur allgemein in allem Ernst darauf hinweisen, daß richtige Erzeugung, Konservierung. Lagerung und Zubereitung der Nahrung für die Erhaltung des Zellstaates von einer Wichtigkeit sind, die im %toaaau q ra u .'1 0A.< ^ ck t,-i4tfyeichend
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gewürdigt wird. Wieweit unsere heutigen Düngeverfahren, die industrielle Konservierung, die unzweckmäßige Lagerung und das falsche Kochen Nahrungsgut verderben können und damit zu Schädigungen des Menschen führen muß, mag hier unerörtert bleiben. In der Stunde aber, in der die volle optimale Nahrungsfreiheit in unserem Lebensraum wiederhergestellt worden ist. wird darüber mh F.llen beteiligten Kreisen ein sehr gewichtiges Wort gesprochen werden müssen Dieses Thema, . das unter den vom Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront immer wieder geforderten Begriff der verhütenden und vorbeugenden Vorsorge fällt, ist von einer biologisch nicht hoch genüg zu bewertenden Wichtigkeit, wobei ich hier — um nur eines herauszugreifen — auf die Möglichkeit von Generationen-- Schädigungen hinweisen möchte.
Ich möchte mich hier nicht mit dem mehr negativen Teil dieses Problems auseinandersetzen, sondern mehl aut die zeitbedingt möglichen, positiven Dinge eingehen. Dazu gehört erstens einmal die Verwendung hochwertiger, biologisch einwandfreier Produkte, wie z. B. das Vollkorn. Es ist keinesfalls gleichgültig, ob ich das Vollkorn als Ganzes der Nahrung zusetze und hier und da reine Vollkorngerichte anbiete oder das Korn nur gebacken und durch Mühlen aufbereitet, unter Umständen sogar chemisch konserviert zur Verwendung kommt. Alle die Stoffe, die der Körper zum Aufbau und zur Erhaltung des Zellstaatcs gebraucht, sind eben im Vollkorn vorhanden und in keinem anderen Nahrungsgut in gleichem Umfange und in gleicher Güte vorhanden. Vollkorn steht aber durchaus auch heute zur Verfügung und der Rezeptdienst, der in der Z. f. G. gebracht worden ist und weiter gebracht wird. bietet mannigfache Hinweise für seine Verwendung. Infolgedessen sollte die Verwendung von Fertigpräparatcn aus Mehl
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