118
Die GHa 1 sperr*.
Nr. 15
Bakteriologische Untersuchungen und Temperaturmessungen:
1. des in den Stauweiher fließenden Wassers aus dem Borner¬
und Lenneperthal 2—3 mal in der Woche;
2. des Wassers aus dem Stauweiher, an der Sohle und an
der Oberfläche täglich;
3. des gefilterten Wassers jeder im Betrieb sich befindenden'
Filterkammer täglich;
4. des Wassers im Reinwasserbehälter tägliche
In letzter Zeit wird auch wöchentlich 2 mal der Gehalt
an Plankton im Rohwasser und Reinwasser sestgestellt, jedoch
können Angaben hierüber erst im nächsten Betriebsjahre gemacht
werden, weil genaue Versuchszahten noch nicht vorliegen.
Seitens der Königlichen Prüsungsanstalt für Wasser¬
versorgung und Abwässerbefeitigung zu Berlin werden in den
nächsten zwei Jahren fortlaufend derartige Planktonuntersuchungen
des Wassers im Stauweiher, der Berieselungsanlage im Tenteral,
des filtrirten Wassers etc. ete. durch die Herren Dr. Kolkwitz
und Dr. Thiesing vorgenommen.
Außer den aufgeführten Untersuchungen werden durch den
vereidigten Chemiker der Stadt Remscheid, Herrn Dr. Hofsmann.
unabhängig von den Untersuchungen im Laboratorium des
Wasserwerks, täglich bakteriologische Untersuchungen des
Wasserleitungswassers in der Stadt, sowie monatlich einmal/
und zwar am 5ten eines jeden Monates chemische und bak¬
teriologische Untersuchungen des Rohwassers und des Rein¬
wassers vorgenommen, die am Schlüsse dieses Berichtes auf¬
geführt sind.
Um jederzeit erkennett zu können, wie hoch die Zahl und
die Arten der Bakterien in: Rohwnsser und im Reinwasser
tägli ch gewesen ist, werden von den betreffenden Gelatine¬
platten Photogramme gemacht, die in dem Betriebsbuch der
Reihe nach eingeheftet sind und ein übersichtliches Bild über
die Beschaffenheit des Wassers in bakteriologischer Hinsicht
jederzeit ergeben.
Man hat dann die absolute Gewißheit, daß die bakteri-
ologischen Untersuchungen auch thatsächlich ausgcführt sind, und
bei etwa eintretenden Epidemien ist man in der Lage, die jedes-
Beschaffenheit des Wassers nachzuweisen.
Aus den Untersuchungen des Reinwassers ist zu ersehen,
daß die Filteranlage das ganze Jahr hindurch durchaus zu¬
friedenstellend gearbeitet hat, keine Störungen vorgekommen
sind, und den an die Reinheit des Wassers gestellten Anforde¬
rungen nach jeder Richtung hin entsprochen worden ist.
Es muß noch bemerkt werden, daß das Wasser int Stau¬
weiher auch während der Sommermonate vollständig klar und
geruchlos war und eine gelbliche, trübe Färbung, die sich
früher in jedem Jabre regelmäßig einstellte, nicht mehr ausge¬
treten ist.
Damit ist der Beweis geliefert, daß das Wasser im
Remscheider Stauweiher sich in seiner Beschaffenheit von Jahr
zu Jahr gebessert hat, worüber auch die monatlich angestellten
chemischen und die täglich angestellten bakteriologischen Unter¬
suchungen Auskunft geben.
'Die Zahl der Bakterien im Rohwasser, bezw. im Wasser
an der Sohle des Stauweihers ist ziemlichen Schwankungen
tmterworfen, und scheint dieselbe mit den variabel:: Wasserzu¬
fluß in den Stauweiher in gewissem Zusammenhang stehen.
Aus den Aufzeichnungen ergibt sich, daß bei Anschwellungen
der Wasserzuflußmengen auch die Zahl der Bakterien eine
steigende ist, wenn auch von einer Gleichmäßigkeit das ganze
Jahr hindurch nicht die Rede sein kann.
So haben u. a. die Anschwellungen anfangs Januar,
Mitte Februar, Mitte Oktober und Mitte Dezember thatsächlich
die Zahl der Bakterien, wenn auch in geringerem Maße, erhöht.
Die außergewöhnlich hohe Zahl der Bakterien in den
Monaten .Januar und Februar, wird zum Th eil auf die stärken
Wasserzuflüsse in den Stauweihern, und zum Theil auf die,
während dieser Zeit noch im Bau begriffenen Rohrleitungen
zur Filteranlage und die dadurch bedingten Absperrungen, sowie
Arbeiten zur Einrichtung des Laboratoriums mtb allgemeine
Versuchsarbeiten zurückgeführt werden können, da von Ende
Februar ab eine gleichmäßige Beschaffenheit und eine niedrigere
Zahl der Bakterien des Rohwassers festgestellt werden konnte..
Dasselbe gilt auch von dem filtrirten Wasser, welches int.
Monat Januar nahezt: 100 Bakterien im ccm' enthielt, und-
von dieser ab die Zahl derselben sich allmählich verminderte
und zeitweise fast keimfreies Wasser erzielt wurde.
■ Der Wasserstau!) int Stanmeiher. selbst war, bis in beit
Sommer hinein, infolge der anhaltend nassen Witterung, ein
außergewöhnlich hoher, und konnte man infolgedessen sämmtliche
für das Wasserwerk erforderlichen Wassermengen den: Stau-'
weiher entnehmen. '
Es wurde demgemäß kein Wasser aus der alten Brunnen-
und Stollenanlage, und auch kein Wasser aus der Beriese¬
lungsanlage im Tentethal nach der Stadt gefördert.
Sehr interessant sind die täglichen Messungen der Tem-'
peraturen des Wassers an der Sohle des Stauweihers und-
des Wasserleilungswassns in der Stadt.
Die Temperatur des Wassers an der Sohle des Stau¬
weihers schwankt zwischen 2,5° C und 12° C, von denen die
letztere nur einige Tage anhielt, nnd zwar zu einer Zeit,.
(Ende September) wo eine erhöhte Temperatur des Wassers
nicht mehr nachtheilig empfunden wird und kann man mit
Rücksicht auf die wenigett Tage, an welchen die Maximal-
Temperatur des Wassers festgestellt wurde, die eine Folge des
verhältnismäßig niedrigen Wasserstandes im Stauweiher war,
eine Maximaltemperatur des Wassers an der Sohle des Stau¬
weihers von 110 q f{\ v Bekriebssahr 1902 annehmeu.
Diese niedrigen Temperaturen des Wassers an der Sohle
des Stauweihers haben, auch einen günstigen Einfluß auf die
Temperatur des Wasserleitungswassers in der Stadt zur Folge
gehabt, indem die Maximal-Temperatur des Wasserleitungs¬
wassers in der Stadt während der Monate Juli, August mtb
September zwischen 12 und 13° C schwankte und sogar int
Monat Juni bei einer maximalen Lufttemperatur von 27° C-
das Wasserleitungswasser in der Stadt nur eine Temperatur
von 1100 ergab.
Solch niedrige Wassertemperaturen sind sonst nur bei
Wasserwerken mit Grundwassergewinnung zu konstntiren und
selbst bei diesen sittd höhere Temperaturen zu verzeichnen.
Beispielsweise betrugen die maxitnalen Wassertempernturen
des Wasserleitungswassers in der Stadt während der letzten.
Jahre in
Elberfeld
16,50
C
Chemnitz
15,8
//
Et fitit
15,3
rr
Leipzig
15, i
rr
Hildesheim
15,0
rr
Osnabrück
15,0
Düsseldorf
15,0
rr
Cöln
13,0
rr
Die. während der letzten 10 Jahre gemachten Erfahrungen,,
daß bei hohem Wasserstand im Stauweiher bis in den Sommer
hinein die Ausnutzuttg der Wassertnengen eine, günstige uttd
die Qualität und Temperatur des Wassers allen hygienischen
Anforderungen entspricht, hat sich auch in diesem Jahre wiederum,
bestätigt und soll nach Möglichkeit für die Folge der Stau--
weiherbetrieb stets dementsprechend gehandhabt werden.
Die neue Kies- und Sandsilteranlage,. welche mit dem
Stauweiher in: Eschbachthal durch eine geschlossene 350 mm;
Rohrleitung verbunden ist, hat, wie bereits bemerkt, während
des ganzen Jahres nur Wasser ans dem Stüuweihergefiltert
und sind keinerlei Betriebsstörungen zu-verzeichnen gewesen..