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«tmefoamwrr 10 Pfenuig.
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Bafgtfertole ««» lat(i|(«na«|a(s
Rdmerftraße 88 (Ecke).
IbMftUii ■■» «efchüftsstel»:
Paniersirasie 4 (frort ii(oltl).
Erscheint täglich «tt Ansnahnw der Hon» und Feiettage. Veznglprril vierteljährlich (im voraus zahlbar) im Gebiete
der deutschen Poftverwoltung Mark L88; die ZustellungSgebÜhr durch den Postboten beträgt vierteljährlich 42 Pfg. mehr.
Mr. 280.
Metz, Dienslaci den l. Dezember 1914
uiitciticii:
die elniache Ittm.eile 20 Psg
Sfflduini:
die PeiNzeile in Imt.stite .,<» I'i.i
X \ i > I V. .ii li 'iiiii'i.
kkiitschlniiüs wirtschaftliche Maß-
nichiur» während des Krieges.
In einer lehr umfangreichen Denkschrift hat der Stell¬
vertreter des Reichskanzlers, 'Dr. Delbrück, dt« «irftchaftlichen
Maßnahmen während des Kriege» zusomme «gefaßt und er¬
läutert. Reden der militärischen Mobilmachung ist «ft eben«
derselben Genauigkeit dt« «irftchaftlich« elnhe^egangen. Im
Vordergrund stand hier vor alle« di« finanzielle Kriegsbereit¬
schaft. und während fast all« and«»« Staaten et» Moratottmn
eingerichtet, ist bei uns dt«f« Maßnahme nicht Atta gewesen,
daher di« Möglichkeit der Weiterarbeit unsere» Wirtschaft»»
lobens durch Auftechthaltung von Zahlangslefttung und
Zahkungsoerpfichtung gefichert. einige gesetzlich, Vorschrift«,
Aber „Gerichtliche Bewillig»»- von Zahlvugsftifien" vorb«»-
«ende Maßregeln zur Abwendung von Konkursen haben sich al,
fthr ber.chiigr erwiesen. Daneben find Regelungen für Zwang»«
oersteigerungen.- für das Scheck- und Wechselrecht, für Potentin-
' Haber, für Hypotheken, Rechtsschutz von KrlegstrilnHinern teil¬
weise sosott durchgesühtt, teilweise noch vorgeßch«. Durchgrei¬
fende Maßnahmen waren erforderlich auf dem Gebiete der Kre-
dithilfe. Besonders ist dabei der gewerbliche Mittelstand in
Schutz genommen worden, und die Einrichtung der Preußischen
Jentral-Genoffenschastskasse hat sich auf das Beste bewährt..
Um der in ernster Zeit mistretenden Arbeitsnot und Stei¬
gerung der Arbeitslosen entgegenzuarbrften, hat dt« Regierung
vor allem in ihren öffentlichen Betrieben eine rege Tätigkeit
entsaftet. Reichspvstvenoaltung. Eisenbahn- und Heeresverwal¬
tung haben durch Einstellung von Hilfskräften, durch Vertei¬
lung großer Aufträge der Rot wesentlich abgehoften. vorüber¬
gehend: Einfuhrerleichterunge», Zollbefreiungen und Susnah-
metarls: haben dem Handel größtmöglichste Erleichterung zu-
Icil werden lassen. Als durchaus leistungsfähig und berechtigt
hat sich die nach Vereinbarung der Zentralbehörden gegründete
„Reich-zentrale für Arbeitornachweise" erwiesen, die an de«
Heimtranspott italienischer Arbeiter, an der Unterbringung
der aus Festungen entfernten Bevölkerung «inen wesentlichen
Anteil hat. Große Bedeutung und ein» dementsprechende Be¬
achtung haben auch die Gebiet« der Berstcheruagen (Kranken-,
Unfall-, Renten-, Arbeiter- u|ro.) und der DollsernÜrung ge¬
sunden. Dir besonders aus drm letzten Gebiet angewandt«»
Maßnahmen haben nicht restlos dar erreicht, was «an stch viel¬
leicht davon versprochen, doch es liegt in der Natur der Gesetz¬
gebung, daß der auf der «inen Leite erzielte vorteil aus d«
anderen gewisse Nachteil« mit sich bringt. Immerhin können wir
den bisher crgrisscnen Maßnahmen, di« zum ersten Mal in der
Praxis erprobt werden, durchaus zufritt»«» fein. Gerade der Ge-
vrs „Aushungerns" Deutschland» ist, trotz aller Abiper,
ruugsmaßregeln unserer Feinde, dank der umsichtigen Fürsorge
»nserer Regierung in das Reich der Utopien zu varwetfen.
Ein völlig neues Gebiet berühren auch die von unserer Ro-
gietung angesichts der schamlosen Behandlung unserer Staat»-
Ungehörigen in feindlichen Ländern erlassenen vergeltungs¬
maßregeln. Sie haben durchaus de« Empfinden de»
ganzen deutsche« Volke» entsprochen. Die lieber-
wachung ausländischer Unteruehmnnge«. da» Zahlungsverbet
K t» England. und Frankreich, bk Behandlung feindlicher
llgüter und der Patentschutz waren Rotwendlgteiten ge¬
worden.
Da» glänzendste Zeugnis für die ganze wirtschaftliche und
finanzielle Bereitschaft unsere» Volke» und für die Gesundheit
«Niere» Wlrtschastkebcns gibt uns die von un» aufgebracht«
Rrtegsanieih«. Die Tatsache, fe-ß 4400701400 ^ gqrichmt
worden find, enthebt un» allen Kommentar». “
Alles in allem betrachtet ist die dem Reichstag überreichte
Denkschrift, eine Denkschrift deutscher Kraft und
deutscher Energie. Kein Land außer Deutichland, das.
geographisch betrachtet, mit die ungünstigste Lag« in Europa
Hot. das den wirtschaftlich» Stockungen und schweren inneren
Krisen am m-Isten ausge'etzt schien, bat so krostvoll und unbe-
«inklußt seinWirtskchasileben fortgesetzt. Einen weseatiickM An¬
teil an diesem lröftigen und wirtschaftlich wcbrba'ten Druftch-
land bat sich unsere Regierung durch ihr tatkräftiges Eingrei¬
fen. um di« Rückwirkungen de» Krieges auf das geringste abzu-
schwöchen. erworben. Wir dürfen daher getrost da» B<itrau«n
haben, daß lie neue geforderte Kriegvanleth« von S Milliarden
einmütig und festentlchloffen genehmigt wird.
Die englische Mroßliamplschiff-Kotle.
Durch den Vertust der Linienschiff« „Aufeaciou »" und
„Buiwark" ist die Zahl der britische» Großkamps.
schiss, von 83 auf St gchunken. wenn »an die Einbehaltung
de» türkischen „Reschafeieh", feer feei Rrlegsansbruch von den Eng-
Ulich«n unter ReUtralitLtebruch «infach k»nftszieri wurde, mit
hinzu rechnet. In dieser Zahl befinden stch auch di« vier Schifte
der Iron-Duk«.Klasse, di» 1» Oktoher 1812 dezw. 18,8
na» Stapel liefen MB im Frühjahr Mck» Jahre» seesertig §«-
worden sein solle», wa» wohl euch bestimmt angenommen wer-
den kann. Dies« neueste Klaff« enthält Schifte, die 281100 Ton¬
nen fassen, also tMll Tonnen größer find al» die Schwester«
schiffe der „Audacious". Di« schwere Armierung ist übrigen»
die gleiche (10 V4L-Em.-Geschütz«). während die mittlere Ar¬
mierung 12 tSL'Lm.-Kanonen beträgt, «a» «inen Fortschritt
gegenüber der schwächer« Armierung der Uudacious-Klasfe be¬
deutet, die 18 1V2-E« -Geschütz, anfweist. Auch in der Tor-
pedoarmierung find dies« neueste« Großkampstchiffe wesentlich
fortgeschritten, indem sie vier Doppelrohr» unter Wasser zeigen.
Rächst den genannten Heiden SchlftsNassen ist die stärkste Linien-
schifsrilasse der Orion-Typ, dessen Schiffe dieselbe Armie¬
rung wie di« Audaciou»- oder King-George-Klasfe führen, im
übrigen aber nur 2S 000 Tonnen groß sind. Dl« vordem ge-
bauten Großllninifchlsse führen al» schwer» Artillerie noch da»
S0d Lm.- und al» Mittelartillerie da» 102 Em.-Kaliber. Es
find die» sämtliche Schiffe der Herkules-, Ei. Vincent- und Bel-
lerophon-Klaffe, alle« Panzer von 20000 Tonnen bis 23 »00
Tonnen, die wenig Unterschiede von einander aufm eisen und in
den Jahren 1807 bi» 1810 vom Stapel liefen. Eie alle find
aber infolge der starken schweren und Mittlern Armierung
durchaus neuzeitliche Linienschiffe. Au, dem Jahre 1000 stammt
endlich das Etammlchtft Dreadnought, die gleichsalls 10 30,5-
Cm.-G.'!chütze, im übrige» nur ein« (eichte Armierung von
24 7L>Cm.'Kanon«n führt. Außer diesen Droßlinienschisfen
»erlügt die englische Flott« über 10 Schlachtkreuzer,
von denen die Invtcibke-Klasse (4 Schisse von 18- di» 20000
Tonnen) die älteste« find, di« mit 8 30ch-Em.« und 18 102-
Geschutzen bestückt find. Die beiden Schifte der Australia-Klasse,
die 191! vom Stapel liefen, gleichen den genannten, wahrend
dann mit dem „Lion" ein« wesentliche Steigerung des Ber-
drnnn— «ml» k»r «nr-itr^Rg -ksts-tzt. Di» „ftnwn Mary", „Prin¬
zeß Royal" und „Lion" fassen etwa 30000 Tonnen und find mit
8 84.3. und 16 10L«Em..Kanonen bewehrt. Der zuletzt vom
Stapel gelaufene Panzerkreuzer „Tiger", der tm Mai d. I.
fertlggcstrllt fein lallte und 90 Seemeilen laufen soll, zeigt eine
Steigerung der Mittekartilleeie. nämlich 12 152>Cm.-Kanonen.
neue Erfoiae über die Russen
II «»schätz» «rintet nl «de» IM Ge fan gene.
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B» ki ofigeentzlsch,, «»»»>» ■llilllii
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Befestig,«-« Istlich Daikeh««» «nie, sch»«««»
Beelnstem De, Rest de« >»»»«ife», einig« Vf»
filiere and ggüManownefeenoonunsgefange»
genommen.
eidlich »er Weichsel HW« fei« gestern mitgeteilten
Gegenongrjsfr zu »ennensmerte, Ettotgen. 18 Geschütz«
»nfe «ehr al» 4588 Gesa ege ne morea »nfere Beute.
In Südpol«« ist nicht» bef»nfeere» vorgejalle».
vbeest« Heeeesleitnng.
vie neuen russischen Uerluste.
Berlin, 29. Rov. Der Kriegsberichterstatter der „Sera"
meldet, der',.Post* zufolge, daß die Verluste der Russen in
den letzten, seit Ende voriger Woche andauernden kämpf, in
Polen nahezu 120 0OG Monn an Toten, Verwunde¬
ten und Gefangenen bettagea. Die fin«ländischen Re¬
gimenter haben fast die Holste ihre» gesamten Bestandes «in.
gebüßt. Es fei. so erklärt der Berichterstatter, zwecklos, zu
leugnen, daß 65008 Mann Unverwundei« dem Feinde
in die Hände gefallen feien.
Di« Schlacht in de» Karpathen.
Berlin. SO. Rov. Der Sonderberichterstatter des „Berk.
Tagebl." in den Karpathen meldet unterm 28. Rov.
seinem Blatt:
Die Kämpfe um Hamonna im Gebiet de» Barkapasfes
find zu Ende gefachten. Die Russen sind mit schweren
Verlusten über Szinno geworfen worden. Drei Tag»
bin ich in unmittelbarer Nähe Zeuge der Schlacht geweien,
davon einen Tag in der Fenierzone dicht hinter unfern Bat¬
terien. di« drei Kilometer vor Hamonna standen. Vorgestern
Abend wurden die russischen Schanzgroben im Sturm
genommen und im Lauf der Rächt drangen unsere Trup¬
pen in die Stadt «in. Gestern Mittag habe ich folgendes
gesehen: In den Schützengraben lagen noch tot« Rüsten, obschon
viele Fuhren Rustenleichen weggeführt worden waren. Etwa
25 Häuser find niedergebrannt, alle noch übrig gebliebenen
find in unbeschreiblicher Weise ausgeplündert und avsgeräumt
worden. Hier und da lagen getötete Zivilisten. Ich habe eine
Mutter mit sechs Kindern tot liegen sehen. In einem Kel¬
ler saßen noch Russen versteckt: einige lagen tie¬
risch besoffen zwischen den ousgeleerten Weintonnen. Ge.
haust haben sie. wie zügellose Krieger de» Mitlclallers in er¬
oberten Städten zu hausen pflegten. Bergrwaftigt wurde,
was von Frauen in der Stadt geblieben war. Seltsam ist der
Anblick da. wo der Feind soeben gegessen, getrunken und stch in
den Betten gewalzt hotte. Man könnte glauben, daß er nur
vom Bett oder Tisch aiifgestanden sei. um «inen Augenblick
auf die Straße hinauszusehen. Sie sind aber eiligst davon»
gelauftn. von den ungarische» Truppen vertrieben. Viel«
Russen stnd gefallen. Rach oorlöuflgcr Schätzung wurden etwa
1500 Gefangene zurückgelalsen. Die Verfolgung geht
vhneRoft und Ruh« weiter und wird hosfentlich mit der
völligen Vernichtung der ln die Karpathen eingedrungonen
Russen enden.
Oesterreldilsdwr Kriegsbericht.
w Wien, SO. Rov. Amtlich wird »crkantbatt, 30. Rov.:
Im Norden Hat steh gestern an unserer Front nichts
Wesentliches ereignet.
Oesterreich» Gefangene.
Wir,. 90. Rov. Die Zahl der russischen Gefange¬
nen au» der Schlacht ln Polen erhöht sich in Oesterreich-Un¬
garn auf 35 000. In dem belagerten P, z«m y, l erscheint
Meder ein« Tageszeitung unter dem Titel Kri«g»«ach»
richten. In Galizien ist firenge KaUe eingetrele«; t« Ser¬
bien herrscht zeitweUig 8tun»weiter.
vie nied«rl«ae der Rassen.
w Budapest. 30. Rov. Rach Berichten, die hier an amt¬
lichen Stellen eingetroffen find, ist die Rtederkage der
Russen in dem Gefecht bei Hamonna noch viel größer
gewesen, als anfangs angenommen wurde. Unsere Truppe«
batten die russische Stellung auf beiden Flügeln umfaßt. Das
Feuer unserer Attillerie brachte den Russen schreckliche
Verluste bei. Während des Rückzuges wurden di« Russen
von unseren Geschützen mit einem Hagel von Schraovnel-
schüssen verfolgt. Rebe» 1500 Gesängen«» haben die Russen
Tausende von Toten und Verwundeten in diesem
Kampfe verloren. Im komltat Ung find die Russen nur wenig
über die Grenze gedrungen. Die Verfolgung des Feindes jen-
leits der Landesgrcnzc ist im Zug«. Von der Fimit laugen
unausgesetzt russische Gesangcnentransporte ein.
1254 Serben gelangen, u Maschinen¬
gewehre erbeutet.
W Wie«. SO. Roo. Dom südlichen Kriegsschauplatz wird
amtlich unterm 30. Roo. gemeldet: Auf dem südlichen
Kriegsschauplatz andauernde Kämpfe. Gestern wurde
der hattnöckig verteidigte Suocbor, Sattelpunlt der Straße
Beljevo-Cacak, nach heftigen Kämpfen erstürmt. Bataillon 70
hat stch hierbei besonders ausgezeichnet. Auch die Regimenter
18 und Landwehrreglment !? > haben stch in den letzten Tagen
neueMng« hervorgetan. Gestern wurden insgesamt >2 54
Man» gefangen und 14 Maschinengewehre er¬
beutet. In Uzicr wurden viel Waiirn und Munition vor¬
gefunden.
Zur Cace im (Uesten.
w Großes Hauptquartier. 30. Roo.. vorm. fAmtllch.) Bon
de« Westfront ist nichts zu melden.
Ober ft e Heeresleitung.
Jirmenti&res und Raz brouck.
w Pari», 30. Rov. Die englischen Militörbehördl'n. wel¬
chen Armeutiöres unterstellt ist, hoben durch ?stauera''-ichlog
ln ArmentiSre» und Hazebrouck bekannt gegeben, daß
jeder Einwohner von Armenttöres, welcher die Stadt verließ,
bufc vom 27. November ab bis aus Widerruf nicht mehr bc
treten könne. Diese Maßregel ist angesichts des Mange's
a>. Lebensmitteln getroffen worden, welcher trotz : s
Abzuges van fünf Sechsteln der Cinwohnerschast bemertb». .u
werden beginnt.
feindliche flieget.
W Berlin. SO. Roo. (Privattelgramm.) Der
Lolalanzeiger" berichtet aus Amsterdam: Aus Saaz van le. nt
wird gemeldet: Zwei Flieger, die über Gent slo.,en,
warfen zehn Bomben in das Ctadtoicrte! Molcstceos
und verwundeten drei Personen. Wahrjche nNch
brabsichtigten ste, ein im Drugzekanal verankcrles b-.ullches
Schiff zu vernichten, auf dein sich höhere deutsche Ossizicrc be¬
fanden. Ei« erreichten diesen Zweck aber nicht.
englische furcht.
w Amsterdam, St. Rov. Da» »Hanfeclsblad" meldet an»
Sonfeon naterm 28. Roo.: Die »Times" lass;« stch »ns Soo.
Imm« berichte», es fcheine, feaß fei« Deutsche» einen «rno
st»a Angriff i, fe«r Umgegenfe »ouArravnnternetz»
m»n wall«». Bi« soll«» feort 781108 Man» zusammeng«»
zog«« habe» nnfe »all«« «fteabar elaea «eaea starken vrrsnch
mache», ans fee« Linie Arraa-Lill« fei« küft« za ««reichen.
Bi»« «tut Schlacht im Weste».
Rape ah ag e », 26. Rov. Der Mitarbeiter des „Daily Ehro»
atrle" ferahte» au» Rordfronkrrich: Auf der Linie
Pvern-La Lasst« habe sich «ine Rielenschlacht entwickelt. Dis
feeukfchen Truppen hatten das vereinigte französssch-euglilck«
Heer angvgriften. Der Kampf daure schon 48 Stunden. Di«
Deuftchen hatten neue Artillerie «rhaiten, Kanonen noch
ni« dagewesenen Kalibers würden angewandt.
Ein neue» Geschütz.
London, 23. Roo. Wie nun auch die „Times" bestätigen,
fallen die Deuftchen rin g a n z n e u a r t i g e s G e f ch ü tz für
kurze Enfternungen verwenden. Die „Times" wollen wissen,
wie die „Deutsche Tagesztg." mii1c-.it, daß das Ge>chütz nach
der Art der römischen Katapulte gebaut sc- und
9K
88
l Nachdruck verboten.)
Die Kcrnd.
Roman von Reinhoid Ortmann.
Der Laudgerichtsrat schüttelte kaum' merklich den Kopf.
„Seltsam! — Und Eie haben trotzdem eine ErMrung
gefunden?"
Traute nickte.
„Ich kam auf eine Vermutung, die mir allerdings an¬
fänglich selbst sehr unwahrscheinlich Vorkommen wollte —,
daß nämlich eine andere meine Sachen angezogen haben
Ifennte. Erinnerte ich mich doch, daß ich gerade an senem
Abend sehr frühzeitig schlasen gegangen war. Da die Gegen¬
stände sich in meinem Ankleidezimmer besanden, da» eigent¬
lich nur meiner Zofe zugänglich war, riet ich zuerst aus ste
and fragte ste eindringlich aus. Sie war gleich sehr er¬
schrocken. aber sic gestand die Wahrheit erst, al» ich ihr mft
feer Polizei drohte. Danach hatte nicht ste. sondern die Hau»,
feame meines Vaters an jenem Abend mein Kleid heimlich
angezogen und auch den Sä,muck angelegt. Sie hatte ihr
feabci behilflich fein müssen und war von ihr zum Schweigen
nerpflichtet worden."
„Wir heißt diese Dame?"
.Fräulein LIssy Deloendak. Papa hat ste »einer kranken
Mnttcr als SefeNschafterln engagiert, ste ist schon seit zwei
Jahre« bei nno im Hanse."
Die letzten Erklätungen waren ihr oftenfichtlich nur sehr
schwer über di« Lippen gekommen. Der Landgerichtsrat aber,
feer nun sehr ernst und verschlossen dreinfah. machte stch einig«
Notizen.
„Die Dame also, wenn ich Sie recht verstanden habe, ist
a« jenem Abend in Ihrem Kleide ausgegangen?"
„Ja. Das Mädchen hat auf ste warten müssen, um fic
stet» Heimkommen unbemerkt hereinzulassen. Gegen Miller-
«acht ist ste dann nach Haufe gckommru, aber durch die Hinter¬
tür noch einmal fortgegangen. Auch hier hat die Zofe ste er-
»arten müssen, weil immer ein« Kette vor dies« Tür gelegt
»ird. und Fräulein Delvendal auch leinen Schlüssel halte."
„U«b wann ist ste von diesem zweiten Ausflug zurück-
»Aach zwanzig Minute« oder einer halbe. Stunde. Ge-
«ra wußte es das Mädche« nicht, ste Ist anterdessen in der
Rüche elngeschlafea."
„Und iu diefer Zeit, »eine» Sie. tp ste „ Beiersdorf
HM*»Keiangen?"
Trante senfte de« Kopf und hob ein wenig die Schulter».
^ .-2ch »ettz es nicht." fet« p« teil« nfe mit einem Klang
*fn Xtnn ta fect 6tt»M. Jl«fe ich «ächte es auch nicht
ßm» Pf*-*
Der Untersuchungsrichter räusperte stch. Und er bestand
nicht auf einer klareren Antwort.
..Etwa» Weiteres wissen Sie nicht zu sagen?"
„Nein. Ich habe alles gesagt, wa, ich weiß."
„Co werden wir zunächst das Dienstmädchen vernehmen
müssen. Ei« befindet sich doch wohl »och in Ihren Diensten?"
„Ja. Und ich habe ste gleich mit hierher gebracht, well
ich mir denken mußte, daß man ste brauchen würde."
«Ich bin Ihnen dafür zu Dank verpftichtet. — Wenn Cie
also vielleicht in jenem Zimmer dort." er wie» auf eine Tür.
„rin wenig matten wollen, es könnte doch fein, daß ich Ei«
nach der Vernehmung des Mädchens «och einiges zu fragen
habe."
Traute ging hinaus, und gleich darauf stand da» gänzlich
oerfchüchtrtt« und verängstigte klein, Dienstmädchen vor dem
Unterschungsrichter. Der alte Herr redete ihr freundlich zu.
und unter reichlich fließenden Tränen bestätigte ste olles, was
ihre Herrin gesagt hatte. Eie glaubte sich offenbar selbst von
allem Mögliche» bedroht, anfe der Untersuchungsrichter hatte
Mühe, ste einigermaßen zu beruhigen.
„SBenn Eie jetzt die voll« Wahrheit sagen, wird Ihnen
nichts geschehen," erklärt« er ihr in seinem mildesten Tone.
„Eie haben stch ja vor dem Gesetz ln keiner Weise strafbar ge¬
macht. — Sie waren also Fräulein Delvendal behilflich, sich
onzuklriden. Hat die Dam« Ihr« Dienste vielleicht schon früher
einmal für derartige Sachen in Anspr»ch genommen?"
„Ach ja. Ei« ist ja fchoa ein paarmok in den besten Klei¬
dern des gnädigen Fräulein, ausgegangen."
„So! — Und vermutkich immer in de» Abendstunden?"
„Ja. Es war manchmal recht spät, wenn ste nach Hause
kam. II,ib ich habe immer austlribe« müssen, damit niomano
etwa» mcrlt."
„Ein recht unbequemer Dienst, wie mir scheint, den Eie
da gehabt haben. — Wissen Sie vielleicht auch, et Fräulein
Delvendal irgu» jemanden in dem Gartenhaus« zu besuchen
pflegte?"
Das Mädchen dacht« angestrengt nach.
^Ob ste jemanden besucht hat. weiß ich nicht; er wohnen ja
da binlen auch nur Lrmere-Leute, mit denen unser Fräulein
gewiß nicht gern etwa» zu tnn braucht. Aber daß ste einmal
hinten hlnclngegangr« ist, »«Iß ich ganz bestimmt."
„Wann soll den« da» gewesen fein?"
„Auf den Tag kann ich e» nicht mehr sagen. And ich er-
innere «ich auch nur. weil da» Fräulein so aufgeregt war.
Ich «ar-gerade im Schlafzimmer von Fräulein Traute, als fi«
hereinkaA und sich eine Mediziuslsfche vom Tollettentifch holt«.
Ich war neugierig, wo sie damit hinwollte, und bi» ihr heim¬
lich nachgegangen. Da habe ich oo« Fenster au» gesehen, daß
ste in d»» «artenhan» hinelngin»"
«ft einer eigentünUiche, Vn n igun, zog feer Lanfegericht»-
rat fite Brauen hoch.
„Eine Medizinflasche — sagen Sie? — Was war denn
das für eine Medizin?"
„Das weiß ich nicht. Ich Hab« es einmal für Fräulein
Traute holen müssen."
Der Untersuchungsrichter hielt den Kops schon wieder über
die Akten gebeugt.
„War es auch am Abend, als Sie das bemerlt haben?"
„Nein, das war am Vormittag. Abends hat sich das
Fraulein ja nur mit-"
Sie stockte, als bereute sie es. sich verplappert zu haben.
Der Beamte aber ernulntert« ste freundlich:
„Nun? Was haben Cie sagen wollen?"
„Ach — ich sollte cs wohl eigentlich nicht sagen. Und es
hat mit dieser Geschichte ja auch gewiß nichts zu tun. Ich
meinte nur, daß sich das Fräulein immer mit dem Doktor
Römhild getroffen hat. wenn ste abends ausging."
„Hat ste Ihnen das gesagt?"
Das Gesicht der ticinen Zofe war wie mit Blut über«
gossen.
..Nein, gesagt hat ste es nicht," stammelte fie. ..Aber man
«ettt doch so allerlei. Der Doktor ist fa viel zu un» ins
Hau» gekommen, schon als die gnädige Frau noch krank war.
Und damals habe ich einmal gesehen, wie er Fräulein Deloen-
dal küßte. Sie haben sich auch heimlich geschrieben — ja. und
gesehen habe ich einen Abend auch, daß Fräulein Delvendal
den Herrn Doktor ttaf. Ei« find gleich in «in« Droschke ge¬
stiegen."
Mit nachdenklicher Miene wandte der Landgericht»»! sich
an d "-m fitzenden Protokollführer.
„Römhild?" wiederholte er halblaut. „War da» nicht der
Arzt, der Beiersdorf behandelt hat?"
Der Beamte bestätigte feine Vermutung. Cllwanger
stellte noch einige Fragen an das Mädchen, die nichts wette«»
ergaben, und er schickte sic hinaus, nachdem «in Protokoll aus.
genommen worden war. Dann ließ er Traute Falkenhayn durch
den Eerichlsdiener noch einmal herrlnbtttcn.
„Ihr Dienstmädchen hat da eine Aussage gemacht, die noch
der Aufklärung bedarf." begann er. „Erinnern Sie sich viel¬
leicht daran, ob vor einigen Wochen von Urem Toilettentisch
«iu Medizinfläschchen verschwunden ist?"
Ziemlich verständnielo» sah ihn Traut« an. Aber st« gab
sosott Austunft.
„Allerdings", sagt« fl« ruhig. ,Da» Fläschchen steckte in
einer silbnnen Hülse, die mir al» Geschenk «eine» Vater» sehr
teuer ist.. Aber verschwunden ist doch wohl nicht da» ttchttg«
Wort. Fräulein Delvendal sagte mir ans ein« entsprechenfee
Frage, daß fie die Medizin für sich gebraucht habe; mfe fie
hat mir fea» Fläschchen mit der fHUf* auch wieder zogchellt."
^kach der Rächt, in »er Beiersdorf «chorfee» ist?"
Trant« schien jetzt fee» Sftm feer Froge a errsten. Un
fie entgeiRKe mit großer Entschiedenheit;.
„Es mag allerdings um einige Tage später gewesen sein.
Aber «s handelte sich um ein ganz harmloses Nervenberuhig¬
ungsmittel. das mir von unserem Hausarzt verordnet wurde.
Ich litt damals häufig an Kopsschmerzen."
Der Untersuchungsrichter schien damit die Angelegenheit
auch seinerseits für erledigt anzufehen.
„Dürft« ich Eie dann vielleicht noch um einige Ausliinjte
über di« Person des Fräulein Delvendal ersuchen! — Es scheint
nach den Aussagen Ihres Dienstmädchens allerdings unzweifel¬
haft festzustehen, daß die Dame Leiersdorf uiehrfoch Lesuche
obgestattet hat. Aber das bleibt doch feili>nn genug. La»
irgendwelchen Beziehungen zwischen den beide» ist Ilmelt
nichts bekannt?"
^kein."
„Eie wissen also nichts Näheres über ihre <7nmilicnver»
HSftnisse?"
„Rein. Darüber hat sich Fräulein Delvendal mir gegen¬
über niemals ausgefprochen. Sic sagte mir nur. daß fie längere
Zelt in Rußland gelebt hätte. Sie hat dort ähulichc Etellungeu
bekleidet wie bei uns, und mein Later teilte mir mit, daß ihr«
Zeugnisse ganz vorzüglich waren."
„Ein Diebstahl ist ihr doch wohl jedenfalls also lanm zu¬
zutrauen?"
Wieder schüttelte Traute den Kops; aber sic antwortet«
nicht. Und der Untersuchungsrichter ging fogleich zu eine»
anderen Thema über.
„Herr Doktor Roggenbach hat bei feiner gestrigen Berneh»
mung selbst erklärt, daß er sicherlich einer Täuschung zum
Ovfer gefallen fei. als er eine Damp bei Beiersdorf zu sehen
glaubte. Wie erklären Cie sich den Widerspruch zwischen den
Tatsachen und dieser Angabe? — Und wie soll ich es ver-
stehen, daß er mir Ihren Namen nicht genannt hat. obwohl er
doch Sie für die betreffend« Dame gehalten hat?"
Ein tiefer Atemzug hob Trautes Brust, und ein ganz
eigene» Leuchten kam in ihre Auge». Aber nach einem ge¬
raume« Zögern antwortete sie doch seltsam beklommen:
„Ich weiß e» nicht — darüber kann ich keine Auskunft
geben."
Der Blick des Untersuchungsrichters heftete stch noch ein¬
mal forschend auf ihr erglühtes Antlitz, und wie ein lrife»
Lächeln zuckte es um fein« Mundwinkel. Er erhob rufe, nachdem
da» Protokoll ausgenommen war, und gelehrte das i»nge
Mädchen selbst bi» an die Tür. Und mit einer so ehrerbie-
tigen Verneigung verabschiedete er stch dort van ihr, al» wäre
e» statt einer einfachen Zeugin fein höchster Vorgesetzter g«
mesen. der ihn da besucht htüt«.
Van» aber wandte er stch an leine» Untergebene».
„Wir werfe«, fofott »in« Borführnngsbefehl ge^a fefcfe»
Frbulei» Deloendak erlaßen." sagt« n. ja afe ich gianbe. «
wird «,» endlich Licht in fetrfe fennkl, Sache kommen."
lFottsetzung fallt.)