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Einzelnummer 10 Pfennig.
3/WV
«■HlMMt Kl l(|||dt(MMM«tMCt
Romerstrahe 28 (Ecke).
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Pariserllrasi« 4 (Fort Mosel).
Erscheint täglich mit Ausnahme der Soim- und Feiertage. Bezugspreis vierteljährlich (im Voraus zahlbar) im Gebiete
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■ J
Rr. 293.
Krsprechnng der Haltung Italiens
im Senat.
w Rom, 15. Dezember.
2« italienischen Sonnt wurden gestern die Mit¬
teilungen der Regierung besprochen. Elle Redner sprachen dem
Kabinett Salandra da« vertrauen zu seinem Lor-
aehen aus, das den Interessen des italienischen Volkes ent»
spreche, und würdigten zustlmmend die Neutralität»«:,
klärung. Professor Barzeloti erklärte im Besonderen:
Or billige die RegierungserNänrng, die gleich weit entfernt
Mn einer absoluten ^Neutralität wie von einem Kriege um
I4dea Preis sei, und wünsche, daß Italien in einem günstigen
Augenblick intervenieren möge, ab« nicht mit den Waffen,
ianbern durch eia« Anregung zum Frieden. Er fügte hinzu,
daß. wenn einerseits der siegreiche Vormarsch Ocherreich-lln-
Garns auf dem vallan die Interessen Italiens schädigen würde,
«ndererfeit» es bestloimt fei. daß bei der Vernichtung der Zen¬
tralmacht« das Adriattfche Meer ein slawisches und das Mit-
tAmeer ein englisch-französische» werden würde. (Beifall.) Das
»and erwarte, daß es von d« Negierung, zu der es Vertrauen
habe. Geführt werde. Am die Gefahren des Heraustretens au»
der ReatrolitSt zu kennzeichnen, genügt es, auf die Anhänger
£»« Jnftrventionspolitik einzugehen. Mit Ausnahme eine»
Teile» der liboralen Pgzftt. die sich durch falsche Borausfttzun-
Mn leiten lasse, sind die Anhänger des Kriege» nur antikon-
mtuttonelle Leute. E» find die Antimilitaristen von gestern,
dl« tn eineni Kriege «ine Gelegenheit sehen und suchen, um die
MNvre Lage zu verändern (Beifall) und einem «evolutionären
»d anarchistischen Dährungsstoff Luft machen wollen. Redner
Dies auf die schweren Gefahren hin, die insbesondere den Ko»
tariest Italiens durch die Türkei drohen würden, fall» Zta»
lten an der Seit« der Tripleentent« an dom
Kri«g teilnehmen würde. Die von Einigen erhoffte Riadcrwer-
stmg Deutschlands wird nicht «intreten. Da» kann
»»an aus dem Heldenmut schließen. mit dem die Deutschen den
Krieg führen. Grundlegende Erwägungen sprechen gegen eine
Intervention, die di« Macht der auf dem Meore rivalisieren¬
den Staaten vermohren könnte: Gründe der Moral und des
politischen internationalen Anstandes widerraten, dem Der-
bünd:te„ de» Gnadenstoß zu geben. (Beikall.)
Carofalos erklärte: Wir können kein« Feind-
f«ligk«it gegen Nation«» unternehmen, mit denen wir so
lange verbündet gewesen fI»»b, und auch nicht we¬
gen anderer Nationen, mit >cnn un Bande der Rasse nver-
wondtschast vereinen. E- tst daher nicht Mn. wenn von Eini¬
gen der Gekauft «^rttctcn wird, daß Italien sich Vorbehalt«,
«i den K---'pf einzuireteii. um dem Belegten den Gnadenstoß
»> «coen. E» ist nicht schon, wenn wir unsere Hilse v e r.
schachern und nicht vor schändlichem verrat zurück-
icheuen. In der Regierungserklärung hatten di« Worte, die
ßch auf unsere. Aspirationen bezogen, nicht weniger den Orient
«l« den Okzident im Auge. Trotzdem haben einige Redner
«n, nach einer Richtung geblickt. Man darf hoffen, daß einige
LtSdte, wo man italienisch spricht, nicht tmmer von uns ge»
Dennt bleiben: aber das ist «lne Erwägung, die wir mit an-
besrn Nationen gemein haben. Heute ist es wünschenswert,
baß die Völker national gesinnt ftien„ aber der Wunsch, eine
«»che p besitzen, rechtfertigt noch nicht «ine gewaltsam« Aktion,
»m sich thuer zu bemächtigen.
Ehimerr« drückte sein vertrauen zu der Regierung
»»» und billigte di« Erklärung der Neutralität. Sr schloß: Das
Diedererftandene Italien wird sein Blut nur für die Bertel-
Hflnug seiner Unverletzlichkeit, Unabhängigkeit und Ehre oor-
gftßen.
Morandi brachte ein« Tagesordnung «in, welche den
Wunsch ausspricht. daß Italien bei der Lösung der gegonwar-
«gen Kris« seinen Grundsatz der Dorminderung der Rüstun-
>en zur Wirksamkeit bringen werde.
Metz, Mittwoch dc» 16. Dezember UN 4
XXX. XIV. ^afiniiutti.
31000 Wessen gefangen.
Mokmentr betont«, man müsse wachsam und stark lein ,
und seine Zuflucht zu den Waskcn nehm«n, wenn verhandlun'
gen nicht ausrcichten. Je stärker man sei. umso größer sei die
Wahrscheinlichkeit, mit Verhandlungen zum Ziele zu kommen.
Pedottt legt« folgende Tagesordnung vor: Der
Genant hat die Erllärungrn der Regierung zun Kenntnis ge¬
nommen Jirtb billigt sie. Der Redner erklärte sttne Zustimmung
zu der Erklärung der Neutralität: abor für den Fall, daß die
Neutralität ihrem Zwecke nicht genügen sollt«, wäre e» das
Recht der Regierung, für di« vollständige vorderer,
tung von Arme« und Marin« vorzusorgen. Heute
können wir versichern, daß Armee und Marine bereit sind, mit
entschlossenem Mute und fester Irett« für all« Opfer. (Bei-
fall.) Wenn «• nötig ist. wird da» Vaterland alle» bk» zum
letzten Groschen und zum letzt«» Mann -»geben.
Pr tPiftriwHiKtNi i» Mtrzikßstr» Snut.
v Londe», IS. Dez. Das Reutrrfch« Barem» meldet «m
L issabon: Ei, RuitUHiMtni stir die Regierung ist i»
»er «dgeerdarteukaw»« mit « tun » Ctfratt, »*•*•«■
rt, Mißt«»»»» 1»« i» Srvat mit 27 gegr» U
Stimmen «», »»»»«» worden
Vf Lissabon. 18. Dez." 2« der Regirrungsettlärung führte
de, Ministerpräsident Eo, tinho an», »aß. «« dft Abweftn-
heit aller Parteiabflchten hervorzuheben, die Regierung jeder¬
zeit bereit sei, jede Aenderung in ihrer Organisation anzu-
nehmen, deren Einführung.unter den obwaltenden Umständen
mit dem Zusammenwirken der anderen Parteien für gut be¬
furchen werden sollte. Da» nationale Programm schließe die
Ausführung der Maßregeln ein. die durch die Abstimmungen
de» Parlaments am 23. Nov. beschlossen worden seien, nämlich
die Verteidigung des Lande» und möglichst bald statlstndende
Wahlen. Ohne die vrrtewigung der Kolonien außer Acht zu
lassen, sei die Regierung entschlossen, zu kämpfen, um dem
Vaterland die Garantie der Unabhängigkeit zu erwerben, wenn
sie überzeugt sei, daß die Zukunft des Vaterlandes auf dem
Spiele stehe.
Aus der türlufchen Kammer.
w Koustanttaopel. 14. Dez. In der Kammer teilte der
Präsident unter lebhaftem Beifall, die mit dem deutschen
Reichstag und dem ungarische« Abgcordnetcnhause
ausgetauschten Telegramme mit. Di« Kammer beschloß
sodann, den Präsidenten zu ermächtigen, den beiden Volks¬
vertretungen den Dank und die Wunsche der türkischen Kam¬
mer telegraphisch auszusprcchen. — Unter den Gesetzentwürfen,
welche von der Regierung rtngebracht wurden, ist derjenige beson¬
ders wichtig, der eine Abänderung der Art. 1 u. 43 der Verfassung
vorsteht. Artikel 1 betnflt die gegrnwlintgs Zusammen-
setzung des Reiches, von dem kein Teil abgetrennt
«erden könne. Artikel 42 betrifft den Sturz desjenigen Mint-
steriums. dessen Antwort auf «ine Interpellation von der Kam¬
mer als ungenügend angesehen wird.
Eine KSnigs?usamme»lnmft.
W Stockholm. 15. Dez. Sveneka Telegram-Buran meldet:
«af Einladu», »es Kövig» von Schwede« fl«W 1«.
De^mber eft» Snsawwenknnft Mische« »o» *>■<•«■
ms Schweden *•«■*•«• «» *•■«■•«! «
««km» statt, Dl, Kd»l»e »erde» »o» ihr«» »tatst««» de»
»«»der» begleitet fei». Dies« Zuft«««ku»st ist «i» «—
druck für »a, gut« vmhilftft de» »ml ftHitf*i«c uu» ff« die
putsche» ihn«, bestehe»»« völlig, Einigkeit. ihre bis-
herkge bewährt. »enlrulität-polltik aufrecht zu er-
hülle». Di« Jufummeutuuft hezmeckt Insbesondere, Selegew
heit ,u gebe», sich über die Mittel,» derate», die i» Frage
kommen fiaiit«, am die wirtschaftliche» Schwierig-
keite», »i, der Kri« fit die drei Länder mit sich bringt, |»
b^rg»ze» »■» i» beheben.
W Men, 15. Dez. Amtlick wird verlautbart, 15. Dez.:
Die Ol'rrsive unserer Armee inWestgalizienhaj hier de»
Feind zum Rückzug gezwungen «nd auch die rns-
lisch« Front 1, Südpol«» ,»m «auke» gebracht.
Unsere de» Feia» i» Weftgalizie» »en Süden her „er-
üblich verfolge»»«» Trupp»» gel„,ke» gestern ti, t, die
-int« ArwlmRajbrot. »ei dieser V«rsolgn»g „» ln de, letzte,
Schlacht «»«de» »ach de» hi^erige. Meid»,»»
ei»»,hdreiblgta»se^ «»sie» gefangen genommen.
Hente liege» Ruchrlchte» litt rückgängige vewegnngeu des
Sega«» „ der gefawte» Freut Rojbrot-Rirpolomiee-Molbrom-
Rmvo-Rodomok-Piotiko» »*r.
In den, Korpath«,-»oldgibirge ward»» gegen
V VIen. 15. Dez. Vom südliche» Kriegsschonplatz
wir» amtlich gemeldet. 15. Dez.: Die durch da» notwendig
gemerden« Znrücknehmeu des eigene» rechte» Flügel« geschaf¬
fene «peretive Loge lieh es ratsam «scheinen, auch Belgrad
dos Vordringen Kindlicher Kräste in das Latorcze-Tal entd
fpreckrr.se Aie'^ahmea getroffen.
Der stellvertretende Chef drs CeuerolstaLesr
v. HSfer, Generalmajor.
w Kita, IS. Dez. Der Herausgeber des „Mattfthr di
Napoli", Scarfoglio, der soeben von einem mehrtägigen Auf¬
enthalt an der vordersten Front zurückgekehrt ist, äußerte sich
gegenüber einem Kriegsbörichtersiatter des .Plenen Wiener
Tagblatts" geradezu begeistert über die Llterreichiich-ungarischf
Armee in P o l e n. Er lobt« die überall prächtige Stimmung,
die Frische und die bcwunderswerte Disziplin der österreichisch-
ungarischen Truppen, die gerade im schwersten Feuer glänzend,
zum Ausdruck komme.
znnächft «nszngeben. Die Stadt ward« kamps»
losgeränmt. Sie Truppe» habe» durch di« Sb«fta,den«>
Strapazen »nd Kämpf« wohl gelitten, stutz «der m» best«,
«eiste beseelt.
Hesgrad kampftos gevänmt.
«an
leiefw
J&MStäl
I )SrauAj.
EKKLÄKvJtC.
1 Matsftrum /iu>u.A.
2 SuJiut Muiietemm*
3 JutlmminMenun?
-- SkupCrcfttna
i Sautm XinLtfmum
S 6r.J*fanUntAjumvu .
7 tSfaa/jrvtu.OberrecixAX •'
y/Crlet/smiAisimurn
I JljMABffvuMjnitn,
I KtoruUmt k'ttstrt i/
tMiiieur Ssuüit
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1 ? Otflff.Cng CtsmUscA,
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Ifi rürkiscfic Cesam^Hflk
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MJfaUmal Theater -
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T **T*e
MM
MM
12
»r.
(Unb«ech1tg1er Nachdruck verboten.)
Das gvofte Mecken!
Kriegsroman von Guid» Kreutzer.
»An Ofstzteren?-.... stieß Hanna Uttenricd erschoch
»Leid«, gnädige Frau."
»And wie geht e » Herrn von Trcagg?"
„Ausgezeichnet, gnädige Frau. Er will uns sc!,v.
ß \ verlassen und wieder zu seinem Truppenteil zurüälel
m» der ihm nicht ans halbem Wege entgegenkommt"
Da atmet« die schöne blonde Frau tief auf. als fei
Owere Sorg« von ihr genommen: und in einer Freude, di
flcht verstand, die st« aber in malige« Strom durch die I
« riefeln fühlte, sagte sie mit ihrem hinreißendsten Lack
» bi» Mt zwei Jahren ring, um den »lsterpavillon berü
Zar:
^ -Ich M»ß ackrlltch vielmals »» Eatfchnldigung bitte»
M «in« nnenfmrrksame Mrtia gewesen: kehren Sie i»
Dinen Salm» zmück -and Sie solle» bin»«» einer viertelst,
L? «i« Ihre verwnndeten, ein Ciegnabendbrot ha
Mk»E sich die Ferm« „von repor" nicht z» schämen brau
Dagegen hatte de, dicke Oberstabrarst Dr. »ruck ai
Mgu we ndea. Er «Wirt« peremptorisch:
^ -ArstdiM Frau — ich hi» i, das Haus eines Engel»
Beat"
2* »« Msrgenfrsth« des nächsten Tage, hie« Hanna ,
Mied «in«, «rief i» der Haad. Er war »an ihrem Satt,
Ach «st^ b-fonderea reitende» «atrn ^schickt.
bl» «twekfemr oder irgendwo t, .etaem vauernhai
Mig dingchanen. Aber fprikhend vor Temperament u
»tdeaschaft »nd verhaltenem Grimm.
Sasto» Vttenried schreit:
-»4. «d komm nicht wieder! - hast du «i, §tj«
w«e letzten Worte waren es. Me «ln fressender Feuerstn
Hahr, ste sich mir in» Herz »nd Gehirn eiagegraben.
«eh und komm nicht wieder! — Die letzten Worte «1t
*««i, die einst alle» «id«st„d t«»ch. ,m dem M«»ne ih,
W«hl di« Hand reichen r» dürft».
Hairna - unser« Eh« war bisher nur kurz^ Und d>
»^en es pari Jahre — zwei Jahre, die, wenn ich heute an
Mrückdenke, wie ein.wundersamer Trau« hinter »ft lieg.
m *3®** 3«$« hast Du mir zur Sette gestanden — p
Fahr« habe ich die wunderbarste h«rlichste Frau besess
an» habe tn ihrem Vesttz erst den tiefste- Sinn de» Lebe
«rkannt.
Eherie — Du hast nicht Deinesgleichen auf der Welt —
Du stehst hoch und einsam Über allen. Ich bete Dich an —
Du bist die Frau meines Herzen» — ein Leben ohne Dich
wäre eine teufliche Qual.
Geh und lomm nicht wieder! — Und Üh bin gegangen
«nd liege hier zwischen rohem Kriegsvolt. Und über mir
leuchten Frankreich» ewig« Sterne. Und wenn ich in die
Rächt hineinträume, die wie ein berückend dunkles Frauen-
lächeln vor mir steht — dann ist es, als leuchtete irgendwo
da« trennende Blond Deine« Haares »nd als lächelten Dein«
Lippen und als sprächst Du zu mir leis« süße Worte —
Worte, die Du einst sprachst und wohl langst vergessen hast.
Und wieder lockt die rätselhafte nrewigc Sphinx, die
»ich gebannt und verzaubert und sinnlos toll gemacht hat.
ChLrie — denk nicht an das versprechen, das ich Dir und
Deinem Vater gab und jetzt habe brechen müssen... es
war ja nur ein Wort.
Ein leer«» armselige« Wort, das nimmermehr zwei
Menschen binden oder trennen kann.
Du ater vermeinst — es fti ein« riesenhaft« Mauer, die
««» beiden sortan den Weg zueinand« swrrt.
Hanna Uttenried — das ist ein Wahn, «tn gekäbrlicher
«ngeheuttlicher Wahn, de« Deine Nerven erlegen sind.
Ich hofft — nein, ich weiß es ... die Stunde der
Klarheit ist nicht «ehr fern. Di« Stunde, da Du einsiehst
«nd «kennst, daß die Gemeinschaft zweier Menschen de» Le¬
be« tiefste« Weishettsschlnß sei. Daß ein leere» armselige»
wort nie und nimmer Menschen, dft der gleiche Schlag ihre»
Herzen» zueinanderftieb. trennen darf.
Eherft — Hanna — Herrlichste von alle« .... um «ich
grUen sie wüste rahe Soldaten l ieder ....»« «ich steht die
Rächt »U ihrem- du allen rätftlschwere» Lächeln .... über
«ft leuchten Frankreich» ewtge Sftrne. Ich aber denke an
Dich. Ich bin Det» König and Del» Sklave. Ich beft Dich
a« — Da aller Frauen Königin.
Gasts»."
Die einsame Frau Netz den Vrief r '-r..
wa» ihr au» diesen Zeilen enl.ic äderte — et» Auf¬
schrei war e», der halbersttckte Aufswrei eine» Ertrinkende«,
eines Mannes, der den Bode« nnter seine, Füße» wegsplitten»
steht «nd haMo» mtt dr» Fäuste« in die Lust krampst.
Uud ste ftagt« sich mit Khler Urbrrlegung:
worauf spekuttert e, «U diesem Brief? Aas «eia Mit-
leid oder aus »eine Jugend, die mich ihm in die Arm« getrie¬
ben hat? Kann überhaupt «in Mann ernsthaft so etwa» schrei¬
ben «nd von der Wahrheit seiner Watte überzeugt ftin?
Und wie sie da» dachte, da glitten ihre Augen »nwilllürlich
in tastendem Forschen wieder Über die Zeile«, bi» ste die
Stell« gesunden hatte, wo vorhin flüchths ihr Herzschlag au»-
fttzte. Die Steve, da er geschrieben hatte: Warft find j« so
leer und armfeligs
Sie hatte plötzlich da» Empfinden, als brenn« ihr das Pa¬
pier zwischen den Fingern.
Hastig warf ste e» briseite aus einen kleinen Tisch, erhob
sich und trat aus di« Terrasse hinaus. Und eine Erinnerung
schwang in ihr: — wie et« anderer Rann vor ihr gestaudea
hatte — ein Mann in lichtblauem schrnutzüberlrusteten preußi¬
schen Drogonerrock — im soldatisch straffen Gesicht flackriges
Fieber mühsam gebändigter Erregung ... und hatte sich lies
ki ihre Hand geneigt und richtete fich schwer atmend hoch
rd sprach dasselbe, was ste auch aus dem Brief ihres Satten
ft eine höhnend« Fratze anftierte: — Warft sind ft so leer
,d armselig! „ ,
Rur — daß jener, der st- gestern gesprochen, ste im andern
inne meinte. Daß er aus «ine Gelegenheit warte, um ihr
irch Taten seinen Dank zu beweisen.
Seinen Dank? Wofür? Lasur, daß sie ihm da» Leben
«stet und ihn der Verfolgung der stanzöfischeu Chasseur»
itzoaen habe? „
Nur dafür? Nur für das bißchen armselige Leben? War
nn das überhaupt so wettooll, und vor allen Nagen — war
für diesen Mann so wertvoll, der sein Leben erst kaU-
ütig und ohne Feilschen in die Schanze geschlagen hatte ...
nzig. weil er des Vaterlandes Wohl galt?!
So stand sie und traamte in den stillen Augvstmorgrn bin-
it und fühlte sich hin- und hergerissen von Gedanken und Pro.
emeu. deren Wesenheit ste nicht begriff, vor deren ketztea
ckschrideadea Ergebnissen ste »-willkürlich entsetzt zurück-
uwberte.
St« wußte nur das «in« In dieser Minute — daß sie einen
rston llttentted nicht lieben konnte, daß ste ihn vielleicht «ft
liebt hatte ... daß sie in diese Ehe blindNngs hinein-
laufen war wie ein Kind, das gelaugweilt »Wh «ine« neuen
pielzeu, greift, «eil es noch kein ernste» Geschehe» gibt,
» lh« de» Tag und da» Lebe» «lsstille» könnte.
Und ste stapft sich mtt bange» Her^chlag: — wenn ich
eine« Gatten nicht liebe und für Lftte hielt, •üMt»
iftr Phanta»»,, war... »in ich dann dafür verantwStt-
H z» mache«? Gibt e» auf der Erde «nd im Himmel eine
nvaü. die da» Recht bcsitzf. «ich dafür per Recheaschast pl
che«? Soll ich «sth a„ an diesem Irrt»« wehrlos »ad
lfl cis oerblAftn?
Und wem» mm ein Man« käme, «i, hilfreich sei« statte
u»d enigegeastreckft und mich wieder zur «eaesuag führen
ttlft ... Hab ich dann nicht tausend- »ad ta»ftnd«al da»
echt, freudigen Herzen» feine Hand za greift« «nd ihn meinen
etter z» nennen?
* • •
In Ratlosigkeit und Herzensnot glitftn ihr die aächstrn
hin. Rar schwer fand ste sich ftweit zurück, «m ihren
llchft» nachzukommen. Aber als der Gong za Tisch ttes
»ttb sie da» Speisezimmer bettat, da zeigten ihre kühlen Züge
wieder dft alft selbstsichere Gelassenheit.
Jßc ist Friulel» de Galguard, Johann?" fragte st« den
aütt» Diener.
^Da» Fräulein ist im Kranlensaal. gnädige Frau. Sie
läßt fich noch «in paar Mnaft« «atscholdigc«. wird aber sosott
erscheinen."
Hanna. Uttenried nickte.
„Gs ist gut. Johann. Ich watte dann natürlich auch so¬
lange mit dem Essen. Und sag« mal — wie findet sie sich denn
im Hause zurecht?"
»Ausgezeichnet, gnädige Frau. Und nicht nur im Hauftr
sondern auch bei der Pflege unserer Berwundtten. Sie ist uu»
ermüdlich tätig und hat für jeden ein herzliche» Wott übrig.
Eie ist gerade zur rechten Zeit zu uns gekommen. Ich glaub«,
gnädige Frau, wir können über unser» Gast sehr froh sein."
^ch bin es auch, Johann. Ich fürchte nur. Fräulein de-
Guignard wird nach ihrem Onkel sehr Sehnsucht haben. Ab«
ich kan« schließlich auch nicht mehr tun, als eine bricslich»-
Verblndung mit Sftaßburg suchen, wenngleich ich mir davon'
nicht viel verspreche."
„Der Brief ist schon sott, gnädige Frau, wenn alles gut
geht, können wir übermorgen Antwott haben. Aber ich fürchte,
wir werden noch langer« Zeit «atten müssen."
Der Eintritt Hortenfe de Cuignard unftrbrach das Ge¬
spräch. Sie eilte auf Hanna Uttenried zu und entschuldigte sich
«egen der Verzögerung.
„Aber dessen bedarf es wittllch nicht. Hortenfe. Im Gegen¬
teil. ich fteue mich zu hören, wft eifrig Sie sich unserer Pfleg¬
linge annehmen. Muten Sie sich nur nicht zuviel zu; den»
Sie wissen, dft lange Irrfahrt hat Eie körperlich sehr mitge¬
nommen und Eie bedürfen selbst der Schonung."
Da» junge Rädchen sah ihre Vönnerin mit strnhlrnde»
Augen an.
„0 nicht im mindesten, Madame: ich fühle mich schon wie¬
der so ftisch, «l» hatft ich die letzten vierzehn Tage überhaupt
nicht dnrch-emacht. Sie glanben garnicht. wie froh ich darüber
bin, daß Sie mir in Ihre« Häuft ftsott ein« Tatigkest zn»
weisen lonnftn. Und ganz besonders unsere armen vcraun-
deftn" ... in ihre eben noch ft lustigen Auge» ftat der A»w»
druck herzliche» Mitgefühl» ... j Madame — wen» wft
auch fein« Arrzft sind, ich glaube, wir könne» auch mtt Skt*
viel httftn."
Die schäne -lande Fran mußft unwilllürluh lächeln.
^aben Sie sich ft bedingungslo» auf diese neue TMU
«ln-eschworea. Horftnse?"
Brennende» Rot flog über die Longen de» jungen Mäd¬
chen».
„SU verstehen mich falsch. Madame. Ich meine nur, wft.
müssen unsere Kranlen fühlen lassen, daß wir anch persönliche»'
AnftU an ihre« Geschick nehmen."
„Und da» tun Sie selbstverständlich nach K rüsten, »ich-
wahr, -orftnft?"
Da wurde da» kleine Franlein sehr ernst nnd bejahte mft
eiftigc» Kopfnicken.
„Wirklich. Madam«. Nämlich — ich habe wohl ganz ver¬
gessen, Ihnen davon z, sprechen ... nävttich nnftt unftre«
Verwundtftn bcsindtt fich doch anch ein Turkokapitän. Sein«
Verwundung scheint ziemlich schwer zu sein. Denn er liegt ftft
tmmer i« fieberhaften Halbschlaf «nd phantasiert vor sich -irr.
Und denken Eie. Madame — er erwohitte schon ein paar Mai¬
den Namen meine» Onlel», al» spräche er mit ihm. Ich habe
«ich nicht geirrt — wi»t>erholt sagte er „man e&Ural" und
»Etraßburg" und daun, al» berichte rr etwa» einem Dritte^
sprach rr wieder von dem „General Uhrich".
Hanna Uttenried hatte interessiert zueehört.