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Sir. *80.
Metr, Dienstag den 1 Dezember
Mclchrrcbterr $um K^rsg.
D» Äoiltt bei de» wLrttembergijchen Plouieren.
D-m Stailgarter „Neuen Tagdlatt" wird aus dem FAd.'
von einem Besuch des Kaistrs bei den wütttenibergtichen Piv-
ni«rcn"und Grenadieren geichrieben: Um 1 Ubr versammelten
wir uns im Waldlager. Wir erfuhren dann, das, deine Mast-
stät der Kaiser kommen werde. Kegen Ubr lamcrr fre
Autos. Ter Kaiser und d«: Kronprinz mir nur wenig Gefolge.
Er schritt die Front ab. Dem Hauptmann B. gab der Kaiser die
Hand, gratulierte ihm zu der Auszeichnung und sprach seine
Anerkennung über unser« Leistungen aus. Dann fam an uns
Pioniere di« Reihe. - Narl-dem der Kaiser dem Chef die Hand
gedrückt hatte, hielt er an ihn folgende Ansprache:
..Ick; gratuliere Ihnen zu Ihren Auszeichnungen und
freue mich, das, Li« so reich geschmückt sind. Lie haben schöne
Erfolge gehabt, fahren Li« so sort. Nicht nur hier, sondern
bei allen andern Armeen haben L!« Pioniere Grosses
geleistet. Ich habe schon im Frieden scdr viel von Ihrer
Warfe gehalten und für sie getan. Ohne di« Pioniere
g « h l e s ü d r r h a u p t n i ch i mehr vorwärts. Ich
gratuliere Ihnen.
T-ann drückte or dem Cbef nochmals die Hand und ließ sich
rrklären. wie wir vorwärts kamen. Mit kurzem Grus; schrill er
weiter, jeden einzelnen scharf ansehend. Noch lange sahen ilmr
unsere Leut« nach. Auch der Kronprinz drückte dem Chef die
Hand und grüßt« uns sehr sreundlich. Beide sahen sehr frisch
aus. Im Lager fr-r G r e nadie rc hielt der Kaiser eine lurzc
Ansprache. Cr sührte folgendes aus:
Ich freue mich, euch Schwaben gesehen zu haben. Ich
kenne euch als tapsern Bolkssiamm. Ihr habt euch eurer Väter
würdig gezeigt und schone Erfolge erreicht. Es geht jetzt lang'
fam voran. ob?r sicher. Bor kurzem babe ich die Freude ge
habt, euer» Landesherrn. Leine Majestät den König, zu
sprechen. -einer wollen wir heute gedenken und rufen:
Leine Majestät König Wilhelm II. hurra
Zwangroerwaltung französischer Unternehmungen.
Berlin. 2K Nov. (Sitte Verordnung des Reichskanzlers vom
M. November dehnt die Erniächtigung an die Landeszentral'
dehörden, fremde Unternehmungen unter Z w a n g s v e r w a U
tung zu siellcii, auf französische Unternehmungen aus.
Stuttgart. 2b. Nov. Fürst Ernst zu Hohenlohe
L a n g e n b u rg isr zum Generaldelegierten der sr e t-
willigen Krankenpflege auf dem östlichen Kriegs¬
schauplatz criiaunt morden. Er begibt sich als oberster Leiter
ver freiwilligen Krankenpilczr tut Osten in das Hauptquartier
res Oberbefchlsbabers.
Sven Hedins Antwort.
In einem offenen Brief, welckxn Dr. H«din dem krähe
reu Präsidenten der Kcographischen Kesellschaft in Paris, Le
SJforc de Dilers, zustelll als Antwort auf dessen schwer« An¬
klage gegen ihn. mid worin er der französischen Negierung sein
Konrmandeurlreuz dor Ehrenlegion zur Verfügung stellt, sagt
er u. a. wörtlich:
Sie sagen, daß ich in Deutschland unter der Proiellion des
Kaisers und in dessen Lold eine lrästigc Agitation betrieben,
um Frankreich anzmchwärzcn. und das alles, obwohl ich einem
neutralen Staat« anaolwr«. Iu Wirklichkeit habe ich di«
wärmst« und aufrichtigste Sympathie für Frankreich
und dessen tapfere Soldaten ausgesprochen. Ich fit: meinen
Teil habe die Politik tief beklagt, welche Frankreich in den
Wirbel des Unglücks hineiitgezogen. das jetzt dessen nordöstliche
Provinzen verheert. Aber als Ke r man« und steigebore
n c r S ch w e d c h a b c Ich das Recht, mit Leibnnd
E r l e a u f D eu t; ch l a n d s S «i l e z u st « h e n . wo dieses
Reich an allen Ecken von seinen Nachbarn angegriffen wird. Es
ist wahr, daß mein Vaterland vollkommen neutral ist. aber ich
selbst bin nichts weniger als neutral. Eine natür¬
liche Folge von Deutschlands Vernichtung wäre
Schwedens Untergang, und ich kann nicht mit unwirk¬
samer Gleichgültigkeit «in solches SchilÖat abwarten einzig des¬
halb. weil ich zum Kommandeur der Ehrenlegion ornannl bin.
Die ^Säkularmifsio» der Zivilisation".
Poris, 27. Rov. Der Präsident Poincarä stattete
gestern in Bcglettung des Präsidenten des Senates und der
Kammer dem General Quartier «inen Besuch ab und über¬
reichte dem General Ioffre die Militär-Medaille.
Er hielt dabei eine längere Ansprache, worin er die Vcrdstnsle
des Generalissimus, keine Methode und seine Bcsouurnheit
feiert«. Nachdem er schliesslich der Kesollenen gedacht hotte,
.nachte er folgende Bemerkung: ..Wir haben nicht das Reckt,
unsere S ä k u l a r m i s s i o n der Z i v i l i s a t l o „ und der
Befreiung abzulehncn. Ein »inenlfchiedener Sieg, ein unsicherer
Friede würde» Frankreich bald neuen Angrissen von Leiten
jener vereinigten Barbarei aussehen, welche die
Maske der Mssenschafl benäht, um ihre Machtgelüstc besser
tilien. zu können. Frankreich werde unter dem beharrlichen
Beistände seiner Verbündeten das von ihm unternommen«
Werk der Vesreiung Europas durchführen, um endlich unter
den Aufplzirn feiner Toten in einem gefestigteren Leben in
Ruhm, in Wohlfahrt und in Sicherheit sich wicderzufindenl"
von der Technik der „Nullet!»»»".
(2(us dem Feldpostbrief eines Koburger Offiziers.!
. Wie die französisch« Regierung ihr Volk täuscht
und wie sie aus Bagatellen grosze Erfolge herausklägelt, zeigt
ein Beispiel, da» ick s«tt>st mUttUM ijutiu. Ja, tu» volgrstcut
die Ucbcrsetzuvg des französischen CommuniquSs
von, 11. er., das ich im Auszug folgen lassen:
. Auster einigen Fortschritten unserer Kräfte nörd¬
lich Soissons und in der Kegend westlich von Dailly auf dem
rechten Äisne-User Hetzen die atmosphärischen Verhältnisse nur
einige glückliche Teilerfolge zu. Wir brachten namentlich in
Coincourt,3 Kilom. nördlich des Waldes von Paroy ein
feindliches Detachement in Unordnung."
In Wirklichkeit liegt die Sache so, datz wir die Franzosen
am 11. cr. ohne grohe Anstrengung und ohne auch nur einen
Mann zu verlieren aus dem von ihnen besetzten Coincourt hin-
«lsgeworfen haben, während auf dem Schlachtfeld allein an
Toten 1 Major und 40 Mann zuräckblieben. Coincourt liegt
etwa 1200 Meter von hier entfernt; wir brauchten cs. weil
unfere Patrouillen hindurchgehen müssen. Es mutz wahrlich
schon schlimm mit den vermeintlichen Erfolgen stehen, wenn
solche kleine Gefechte überhaupt in einen Bericht kommen. Na.
und ..in Unordnung bringen" ist auch gut, wir haben Wirk¬
lich darüber lachen müssen.
Dir Notlage ver frenzöfische» Künstler.
Genf. 28. Nov. Das Elend unter den französischen
Künstlern ist derart groh. datz der Präsident des neuen
Eefamtbundes Lion Bonnat den Rat erteilt, die private
Wohltätigkeit Amerika» in Anspruch zu nehmen.
Dieser Schritt beleuchtet grell den sonstigen Stolz Frankreichs.
Der Amerikaner Lloyd Warren bildete in Boston, Washing¬
ton und Philadelphia Ausschüsse, und versprach, allwöchentlich
«inen Beitrag zu senden.
W Stttos. 29. Nov. Die „Times" melden aus Kapstadt
vom 26. Rov: Die Staatseinkünst« weisen ei« Verminderung
von ungefähr 500000 Pfund Sterling monatlich auf. Di« Ab-
nähme , ist haupsächlich auf den unvermeidlichen Rückgang der
Jolleinnahmen und die Lahmlegung der Dimnanttnduflrie zu-
rückzuführen. Die Verminderung der SlaatseinKlnst« wird
voraussichtlich am Ende des Finanzjahr«» S bis 3J4 Millionen
Kund Sterling betragen.
Bon der „Emden".
Aus der Schwei,, 28. Rov. Aus Tokio wird gemeldet:
Nachträglich wird bekannt, dass die ..Emden" noch die java¬
nischen Dampfer „Luwaruara" und ..fiifntto 'Plant"
mit englischen Soldaten, mit der „Kawata Man>" also drei
japanisch« Dampfer v c r f e n l t hat.
Eine rusiifche Stimme über die „Emden".
Berlin. 28. Rov. Die Taten der „Eniden" haben überall
in der Vielt Bewunderung erregt, und selbst die englische
Presse konnte nicht »wtbiit, fccu Erfolgen dieses kleinen Kreu¬
zers sowie der Tattrat't und der Unternehmungslust, gleichzeitig
aber auch der ritterlichen (Besinnung seines Kommandanten
rolle Anerkennung zu zollen. Ein Mistton klingt uns nun ans
de: russischen Presse entgegen. Horen wir was der
von früher her berüchtigte ..Cwjct" über den Untergang der
..Emden" zu sagen hat:
Der Untergang dieses Feindes ruft nicht die Gefühle der
Achtung und Verehrung hervor, die man einem tapferen Geg-
ner cntgcgcnbnngt. Das ist nicht möglich. Diese Gefühle ver¬
dient nur ein würdiger und chilichci Feind, der offen und
gerade seine kriegerische Pflicht erfüllt. Der deutsche Pirat
bat sich an dieselbe Räubertaktik gehalten, welche auch die
Verachtung und den Hast gegen die deutschen Landtruppen er¬
weckt. Voll« Vernachlässigung des Völkerrechts und der Kriegs-
regeln, der Wechsel der Flaggen, Maskierungen — das alles
sind Handgrijfc. die vor Hunderten von Jahren nur von See¬
räubern angewandt wurdctt.
Für die neu« „Emden".
Halle o. §., 28. Rov. Der Bankier Ernst Haffenttcr
hat an dos Neichsmariueamt 20 (»Kl ,« als Beitrag zum Bau
einer neuen stärkeren „Emden" gesandt.
Die Besatzung des „U 18".
Bon der holländischen (Srrnze, 28. Rov. i-- . . ict
Meldung des Amsterdamer ..Tclcgraaf" ist zu entnehmen, datz
die Besatzung von ..U 18" am Dienstag in Leih an Land
und vo» da in die Gefangenschaft nackt Edinburg
gebracht wurde.
Schweizerische Ausfuhrverbote.
Bern, 27. Rov. Der Bunderral bc-chloi, 5 ; c
Erweiterung des Ausfuhrverbotes auf zahl¬
reiche Artikel, namentlich Sfr-llabfälle. Kunftwolle, un-
gereinigten Salvrlcr. Kupfer. Blei. Zink, Zinn. Nickel. Alumi¬
nium sowie Legierungen dieser Metalle. Salpettrsäure. Salz¬
säure und AittomobübcstanLicile.
Italienische Massnahme» in Lidn«n.
Zürich, 29. Rov. Der italienische Kolonialminister
verdi'entliibt eine Reihe von Mahn ah men, dir zur
Sicherung der libyschen Kolonie gctioisen werden.
Einige Truppcnteilc werden weiter zurückgezogen, damit sie der
Gefahr eines Angrusts weniger auegesetzt sind. Der Minister
vcrsick»ert. das, die Kolonie keineswegs geiedrdet fei.
Zürich» 2>>. Rov. Italienischen Meldungen zufolge werden
die i t a li eu isch e n R ck r u t e n dev Jahrgangs 19tr> schon
im Januar eiagcrciht werden. Ein Erlast vcrsiigt die Einbe¬
rufung einer Anzahl höherer Offiziere, die bisher zur Ver-
kiIa«Nfl t-jcH.n. 8,’m der' Marine sind dir Unteroffi¬
ziere der Iahrcsklasse 1^75 bis l88! in den Dienst ciitbcrufen
worden. Der ..Avanti" erbebt entschieden Einspruch
gegen den unwürdigen Ton. mit dem di« russischen Zei¬
tungen seit einige» Tagen Italien beeinflussen wollen.
Di: Genueser Kaufmannschaft gegen England.
Mailand, 20. Rov. Gegenüber namentlich von eng¬
lischer Seite erliottenen An'lagcn protestiert die Kenue.
scr Kaufmannschaft gegen die Behauptung. das, der Haken von
Genua der Kricgskontcrbande diene. Sie weist dar-
auf bin, datz die diesjährige Kenuescr Durchfuhr trotz der
Schltestung anderer Häfen keineswegs den Durchschnitt der
letzten Jahre übersteige, beklagt, dass die übertriebenen An¬
sprüche Kricqfübrcnder (lies: Englands) die freie Ent¬
wickelung des Verkehrs nnterbänden und fordert fchliestlick di»
ttalienische Negierung auf. den Handel Kenuas mit seinem
natürlichen Hinterland zu schützen, damit er nicht künstlich zu
Künsten anderer Häsen abgclcntt werde.
Englisch« Bemühungen um Bulgarien.
Köln. 28. Noo. Die ..Köln. Ztg." meldet aus Sofia:
Die hiesige englische Gesandlschasr bemüht sich, zu Knu¬
sten des Dreiverbandes in Bulgarien zu werben, indem
sie einzelne. Deutschland ungünstige Darstellungen in die
Presse bringt, so das; ein deutscher Missionar den verfehlten
Versuch gemacht habe, das englische Kanonenboot „Dwars" in
die Luft zu sprengen, scrncr. das, ein deutsches Torpedoboot im
Sund durch «in dänisches Kriegsschiff vrrnickittt und di« Be¬
satzung gefangen genommen worden sei. Die bulgarisch« Presse
druckt nur teilweise diese Meldungen ob. Auch sonst werden
die Bemühungen des Dreiverbandes um Bulgarstn
immer weiter fortgesetzt. Das nächste Ziel ist jetzt di« Er¬
langung einer förmlichen Erklärung, dag Bulgarien auch dann
neutral bleiben werde, wenn Ru in ätzten in Siebenbürgen
cinrücken werde. Er strebt ferner einen förmlichen Anschluss
Bulgariens an Serbien gegen die Abtretung eines Teiles von
Mazedonien an. Die öffentliche Meinung aber hat ander«
Wünsche, die vom Dreiverband überhaupt nicht erfüllt werden
können.
Schisssunsällr an der Küste Norwegen».
Chrifttauia. 29. Noo. Die Stürm« an der norwegischen
Nordseeküste fordern Opfer über Opfer. Gestern lief
südlich vor Bergen der norwegische Dampfer „Farmand" auf
Grund. Alle Versuche, das Schiff abzubringen. waren bisher
erfolglos. Zwischen Motz nnd Larkollen strandete im Orkan die
norwegische Eisenbark „Carl". Im Feiefsord nördlich von Ber¬
gen ging der Aalesunddampfer „Tourist" gestern morgen auf
rätselhafte Weife unter. Dar Schiff hielt mitten im Fjord,
das Wetter war ziemlich stürmisch. Plötzlich raucht« der Bug
des Schiffes und diese» sank so schnell, das, nur mit grösster Not
die Mannschaft sich rettete. Nicht ausgeschlossen ist es, datz
eine abgettiebeae Mine an dem Unglück schuld tragt, da das
Fahrwasser in der Mitte des Fjords ausserordentlich tief ist.
Christlanta. 27. Nov. Das „Berl.Tgbl." tneldet: Aus
Valparaiso wird hierher berichtet, dass Chile drei
Torpcdojäger mit versiegelter Order nach den Juan
Fernandez-Jnseln«ntsandt hat, um fein« Neutrali¬
tät streng durchhalten zu können.
Ge»f. 29. Rov. Dem „T«mps" wird gemeldet, datz «ln in
Singapore tagender Kriegsrat einen in dieser Stadt seit
langem ansässigen Deutschen zu zwanzig Jahren
Zwangsarbeit verurteilt habe. Der Mann fei beschul¬
digt gewesen, sich durch drahtlose Telegraphie mit der „Em¬
den" verständigt zu haben, der er Nachrichten über die Be¬
wegungen der französischen, englischen und russischen Handels-
und Kriegsschiffe gegeben haben soll.
W Kauftaotiuipcl, L8. Nov. Der „Osnuruifchc Lloyd" ver-
öffentllcht einen bemerkenswerten Artikel, in dom es heisst:
Der Einflutz des italienischen Handels und der
italienisch «».Sprache war einst sehr gross und fast
ausschliesslich beherrschend. Diese wurde erst seit Napo¬
leon III. durch dl« französtscheSprache verdrängt.
Die zahlreichen italienischen sowie deutschen und österreichisch-
ungarischen Fahnen, mit denen wir dir Häuser und Geschäfte
geschmückt sehen, beweisen uns, dass die küitfrlich geförderte
französische Flut, welche aber nunmehr zurückweicht, di« alte
Schicht italienischer Kultur verdeckt hat, die hinter der Fronl-
reichs nicht zurück,'tel,t. dieser gegenüber aber den Vorteil Hai,
inemals an gierige 2liicb«rlttmg und dtplomatisck>« Intriguc»
gedacht zu habe», da sie sich loyal und klug an die Drrrräge
tiielr. Die Türkei tilgte soeben di« Erinnerung oa den durch
die kolonialen Ziele Frankreichs entfachten Streit in Tripolis
und kann in nutzbringender Weise die Erinnerung an die
riirk!>ch--itali«tusche Interessengemeinschaft w-odererrvecken. die
durch das Frankreich Napoleons UI. mit aur-gelö'-bt ist.
Ein Protest Wilsons.
Von der Schweizer Grenze, 29. Nov. Aus Washing¬
ton. 29. Nov., kommt folgende Havasmeldung: Präsident
Wilfon bat den Botschaftern der Vereinigten Staaten bei
den kiiegsührenden eöropätsmen Aköchtcn in osiiziöfer Form
mitgctrill. er missbillige es. dass auf offene Städte, die
nicht von Kombattanten besetzt sind. Bomben geworfen
werden. Er versichert, dass die Rköchte von diesem Protest
Kenntnis nehnien werden. ^Präsident Wilson wird wobl —
vorausgrsetzt, dass man ibm grund>ätziich die Bcrc^tioung zu
dcrariigcn Protesten zucrkcnnt — von allen kriegführenden
Bkachten daraus hingewicscn werden, dass Fliegerosfiziere auf
offene Städte berechtigt sind, wenn sie sich gegen Bestandteil»
der scindlichcn Wehrkraft richten oder die Bekämpkung gegne¬
rischer Operationen zum Ziel haben. T. R«d.s
Ans vtnsst »nii fruit».
Metz, den 1. Dezember 1914.
Ernste Worte für eine ernste Zeit!
Keine Selbstüberhebung.
Wrr sich nicht zu viel dünkt, ist viel mehr al4 er glaubt.
Hinter dein Prablban- steckt nicht?. /'ioe:hr>.
Ein alter Kapitän sagte :..-oba!d ich einen meiner Leute
tagen höre: ,R.i. last mich eine» solchen fort nur zu Besicht
bekommen ich will ibn '.hon nntcrkricgc»!", so erwane ich von
dem Lprccker eben nicht viel Hilfe un <"c'echt. Die ruhigen
friedlichen Leute sind-, die Männer von Grundsätzen, die
die teneil Lkldatrn an-'machen.
»
Ich glaube, das, der Prüfstein eines wirklich grohen
Manne- — Demut ist. Damit verstehe ich nickt: Zweifel an
der eignen Kran oder Uufciilüi'ngkeir, seine stst'einung ou-zu-
ivrechen, sondent: rin ci,ci!ii>mItchcZ Unkrr.nnpsinden von
Ohnmacht und Fühlen, dass die tröste nicht in ihnen, sondern
durch sie ist; daß sic nicht- anderes um oder sein können, al-
was Gott sie tun lasst. Carlylr.
»
Welch merkwürdige Umraiigicrung wird bri der grossen
' tlsicnmg vor sich gehen! Wissen wtr doch selbst nicht, waS
wir uns, anderem und einem höheren Willen zuzufchriiben
haben. ÜS »virü gut sein, in unserer Beziehung nicht zu
viel in Rechnung zu stellen.
>'sta, Molrk«, nach seinem 80. GrburtStoz.
*
Daö Haupt halt hoch in der feindlichen Welt!
Der Freie senkt nie aus die ürde den Blick —
daS lut der Knecht.
Doch diese- b-kcnk: hoch über der Well
wo!mi Einer im Licht,
des Mein in stärker, der« Haupt ragt höher,
tes i'ei cn vergclik nicht — wie deine-, mein Loi!».
August 2perl.
Hohe Aur-zeichnniig.
* Das König!, tue:. Leiokdnuiigs-Blalt giot bekannt!
Sclii« Majestät b«r König haben Sich mir Allerhöchst« Ent-
ichtt-essuiig vom 2l. Noo. bewogen gefunden, den Major
August Roser beim Srabe des 4. I n fa n l e r i« - Regi¬
ments, zur Belohnung seiner mutigen Entschlossenheit bet
Wegnahme einer stündlich«!» feuernden Balteri« bei Ehaum« de
Lage am 24. August 1014 von dteicm Tage an zum Ritter de,
Acilitür-Max-Ioseph-Orden« Allergnädigsr zu er-
nennen. F rh r. o. K r ctz.
Metz, den 27. Noo. 1014.
Laut Mitteilung des Oberkommandos dar Armee-Abtei¬
lung Falkenhausen bleibt das Lauten der Kirchcnglocken irn
Operationsgebiet« nach wie vor verboten. Iin Etappeng«-
bi ete ist es dagegen wieder gestattet. Etappenge¬
biet der Armee-Abteilung Falkenhausen ist das Gebier östlich
und nördlich der Bahnlinie Metz, Saarburz. Zabern, Riols«
beim nnd Echlettstadt. Operationsgebirt ist das Gebiet west¬
lich und südlich dieser Linie.
Ferner ist in allen Gemeinden des Kreises Diedenhofen-
Wejl und in den Gemeinden des Kreises Dtcdenbofcii-Lst link«
dcr Mosel das Läuten noch verboten. In dm» Gemeinden de»
.Kr.iles Diedenheten Ost -rechts der Mosel ist das Läuten wieder
.«stattet, aii-'genommen in den Gemeinden Rettet, Rieder- und
Oberjeutz, .ederbam, Kün,zig, Ew:ing«n, Königsmachern,
Ma!k:!'p'!t —) Härtii-gen.
Der Bczirkspräsident: F r h r. v. K e m m i n g e n.
Amtliche Bckauntmachuug.
Brschlutz.
D.c Kemcinderar der S! »dt Metz l»at in seiner Sitzung
vom 21. Lltodcr 1914 brznglich der Erhebung von Kanalgebüh-
aen i» dem eingemeindclen Vorort Sablon nachstehenden Be¬
schluss gefasst:
Die Kanalgebühren in Sablon sind nach dem für Metz
geltenden Satze zu erheben.
Do»ft»h«nd<, Veschlnh des Demcinderats wird mit dam
Bemerken zur öffenHidjen Kenntnis gebracht, dass er durch Ver-
fügnng des Kaiserlichen Bczirkspräsidiums von Lothringen vom
6. November 1914 Ua 1721 genehmigt worden ist.
Metz, den 28. Nov. 1914.
Der Bürgermeister. I. A.: W a h a.
Städtischer Fleischvrrkauf.
Vctta^f von Speck und gepökeltem Schweina- und H<u»-
melfleisch in der Markthalle.
I. Erossverkans über 100 Ktlogr.
Magerer Speck per Psund ....... 1.1b ’JL
Fetter .1.05 4
Schweinefleisch sBug-, Schulter- und Echin-
kenstucke per Pfund .0.90 ÜK
Gepökeltes Hammelfleisch in Fässern von
etwa 100 und 200 Kilogr. per Pfund . . 0.80 'M
II. KLinvrrkauf seitenweise bi» zu 100 Kilogr.
Magerer Speck per Pfund ....... 1.25 Jl
Fetter . .1.15 M
Metz, den 30. Nov. 1914.
Der Bürgermeister: Dr. Forel.
Zo» Beste» de« «ote» Kreuz«
fand am Samstag abend im Lllg. Militär-Kasino
ein WohltStigkeitskonzert statt, für dessen rein künstlerischen
Charakter von vornherein die Namen der veranstaltenden
Persönlichkeiten bürgten. E» waren:' Frl. Olga Kar«
p i n s k i. Konzertsangerin und Gesanglehrertn an der städti¬
schen Musikschule in Metz, eine Dame, die ihre Hobe musikali¬
sche und sttmnlliche Begabung bei den besten Meistern, erst
de» Sttassburger Konservatorium», dann der König!. Hoch¬
schule für Zkkufik in Berlin entwickeln und zu einer selbst von
einem Joachim rückhaltlos anerkannten Reife bringen durste.
Sodann Herr Kaiserl. Musikdirektor Theodor Biester,
den wir hier wieder einmal auf seinem eigentlichen Kunstge.
biet, dem solistischen Pianospiel, hören und als e»nen ersten
Meister bewundern durften. Einen Meister, der, wenn er sich
je zu Kvnztttreifen, wie fein auch hier seiner Zeit mit Le.
wunderung gehörter Lehrer, Professor Reisenauer. würde e»ü,
schlossen hoben. Kiini»!-.l«hrcn in Fülle geerntet härte, donck
allerdings wohl kaum auch ..unser" Biester geworden und ge-
l'ticben wäre, lind als drille: im Bunde Herr Obermusik^
Meister Arthur B<ck-:r mit iciner Kgl. Sachs. Irriegslapelle,
in der er nicht nur »iickrige L'tilitärmusikrr aus den Neferven
des mulikliebcndci! Sachienlaitdcs. sondern ehemalige Kapell»
mcck:<r, 2'titgiicdcr des deriilinnen Leipziger Gewandhaus«
Orchester-: u. a in. zu einem >lt'rrs von 3N Musikern und bk<
wunderne-wert «iiihcirlichcr Leisiungssähigkeil aus fymphonis
schein Konzkttgrl'ict vereinigen und zusammenichwei««»
durfre.
Bei selchen Träg.rn einer musilalijchcn Veranstaltung
konnte nickt dass jede Vokal- »nd Insiru-.
ntcuralnummcr ihren ve' •; liinitlcriühctt 2l»ctt Halle, der dcnrl
auch von der innnktteh ern Härertchair im Kriegs- und Bür^
gerlle.i « Sn :d) dnnlpur. n Beifall nach jrdeick
Vortrag anerkannt n nrde. So gleich die Anfangsnummer,!
Beethovens drirte . lkconerrn Ouvcrttirc" fFidclioi. die in
dem ganzrü Fii.„:-u >'.'.'rk ihrer he.unonischeit und symphoni»s
scheu Struliur, wie in den iolinischei» Ein^Iausgabcn so ein¬
heitlich schön grspiekr wurde, »vir wohl noch fetten in Metz.
Und noch lü'wirr.g.: und .»nrrkcnnensvcrwter vielleicht u>ar die
Bewiu'riguug des Orch«n>.n:'.^ .- tzci Franz Liszt» ..Ungarilcher
Phantasie", die >>rr Biesi.r als crfi« Klavicrnuiumcr spieltel-
Hicr l'rivährtr »cd w-«>.r einmal, die Feincmpiindung unL
Umsicht, das richtige Erfassen und das sireng« Veranrworluvg«
gerühl des Herrn Becker als Tirigertten eines beseelten un«
disziplinierten Orchesters. , .
Liszts „llngariicho Phunlasie" jür Klavier und Lrckestel
ist ein« vom Ko:nponistenE>n reinrcr Zeit vorgenommene un»
zum Höchstnioss technischer sckwirrigke»!«n, auch rbytmricher an»
dynamischer Natur, enir'vrgciührte Umdichlung der l4. ungari¬
schen Klavier-RbapsiSic des Meisters, di« in ihrer allge¬
mein dekanntrn Form iür Milirärmusik als ..erste" bezeichn«»
zu wetdcn pflegt. Wie Herr Biester dicie gewaltig« Kompo¬
sition spielte, wie er tief und erschöpfend eindrang in ihr«
ielbstcmpsundcncii Rarionalcharaktcr. wie er sie meisterte ick
den kühnen Formen ihres Ausdrucks, in den mächrig«ck
O-ktavengängeir und in den zart naiven Motiven, welchck
Krar: und Fülle er d-:tn prächtigen Feurich.Flügel lFeuchtil»
ger) verlieh. - das alles liegt eben in Herrn Diesters vo«
eniwickelrrr kunstl>.rischer Arr... In seiner zweiten Solo/
nummer, den» Allegro San aus R. Schumann» herrlich«^'
Klaoicrkonzcrt in .. - '«lgte sich die gleich« Höhe musikaln
stben A^inehmens und Wied.igebcns an einer ganz anders g«
arteten, aber nicht weniger den ganzen Künstler sordernde»
.Komposition.
Rach der roupcremcnroollen „Ungarischen Phantasie" ian»
Fräulcin Olga Karvinski di« Elisabclh-Arie ..Dich, teure Halles
gniss' ick wieder" aus Wagners „Tannhäuler" mit Orchesters
degleitung. Die wenigsten der fremden Hörer dürften der de«
zarten Figur der Sängerin gerade dieser Arie, einen Prüsilet»^
für h^ramatlschen Bühnengesang, in solcher Vollendung «ia
rvartit haden. und die Rketzer Musikivell uxiss es ja. dar
eigentlich di« Koloratur idr« künstlerische Domän« ist. Um s»
.-.rösser «nd verdienter aber war die Bewunderung, di« Frau-
'.< ; n Karpinski durch den in allen Registern restlos ausgeglich»
rcn Unifaug ihrer überall metallisch klangvollen, überall gleichs
grossen und gstich rragkästigeir Sopranstimme, wie durch edl<
Tonbildung und 'Aussprache auslöste. Auch bet der spätere»
Reih« ihrer lyriiä>rit Lieder am Klavier hatte di« svmpalhi'che
Sängerin di« Sondcrart des Kolorarurgesange» io gut wt»
ganz ausgeichallet, wahrscheinlich weil ernst« Gelänge, wir st»
»n den Radmen eine.- solchen Konzerte gehören, wohl selten mL
Trillern, Läusen und Ziorirurei» kolorien sind. D-a» an Beet»
Hoven» särönste Lieder gemahnende ..An «in« Aeolsdarf«" vor
Brahms. Hugo Wolfs „Heimweh" mir dem packenden Äurcklanck
„Mein Deurfchlaad, sei gegrüßt", dann zwei Gelänge lSchifiew
l!cd und Trutziiedl von dem hier fast nur als Oratorient.
komponist bekannten H. o. Herzog«nberg. — da» waren die herr^
liehen Gaben, fr« Fräulein Karpinski hier bor. Rauschendes,
langer Beifall erzwang noch eine Zugabe, für rvelch« die Sam
gerin v. d. Stukkens reizvolles ..Komm' mit mir in die FrW
lingsnachr" wählte. t
Das Orchester, das dieses letzte Lied begleitete» harre ine
zwrschen noch als köstliche Nummern für Streichinstruments
Schumann» sinnig« „Träumerei" und ein reizende» „Schlump
merliedchen" von O. Kockert. dann wieder im Rahmen de»
Symphonie-Orchcslers Edward Eriegr echt nordische Musik -ck)
Ib'en, Schauspiel ..Peer Eynt" (Tutte I) in ihren vier tan«
malerisch stimmungsvollen Sätzen: „Morgenstimmung", ,.A^e»
Tod". ..Anilras Tanz" und „In der Hall« de» Bergkönigs" mit)
prächtigem Gelingen gespielt. Al» Schlussnununer harte Hertz
Obcrmusikmeister Becker ein« grosse Phantasie über Meiste«'
sivger-Motiv« gewählt, die den bleibenden Eindruck des ganze»'
Konzerls nur vertiefen konnte.
* E1 ad l l h e a l e r. füllt» dem Thealcrbüreau.) In de»
heutigen Vorstellung „Dare rlöirdisch e r Abend" sind l»*
1. und 3. Teil beschäftig! die Damen: Labadn, Wodrrch, dich.
Herren: Denninlprr, Haas«. Krebs. Laatz. Redlich, Sarnr^'
Schubert, dor Akännergefangverein Rietz und der Kirchenchor»
kr. Stephan Montigny. Die Hauptrollen in dem Lebensdilh/
„Das Eiserne K»uz" spielen Emma Voll, Flori Heine. Han».
Denninger. Martin Sarneck, Rudolf Krebs. Walter Redlich»)
Die Intendanz macht nochmals darauf aufmergam. dass in
Geschäftsstelle des Derkehrsvoreins am Kaisti-Wilbelmplatz'
«Ine Nebenstelle für den Vorverkauf des Theaters und zwar
für die link« Seit« des Zuschauerraums «vrrchtet ist. !
* Wiirttrmberger-Lerein M«tz. Dir Liebesga^
bensammlung für unser« braven, tapferen Soldaten im 18. Ar¬
meekorps hatte einen unerwarteten Erfolg. Es sind so reich¬
liche Geschenke und Geldspenden eingegangen, dass der Berei»,
sieden giotzr Kisten mir Wolsiachen. Taschentüchern, Obrer^
ickützern. Zigarren und Zigaretten. Tabak. Chokolade und so»».,
fragen Lebensmitteln nebst andern nützlichen Gegenständen ich'
Werte von über 1000 Ji an die lieben Landsleute im 13. Aw,
meekorps absenden konnte. Allen ireundlichen Gebern und G».'
bermnen nochmal» ein herzliches „Vergelts Gott!" — Am Don-,
nerstag, den S. Dezember, abends Uhr. fickdet eine Zukun»)
nwnfunft der MitgliS« im Ver«inslokal. Hofbräubaus, zweck»,
einer wichtigen Besprechung, statt. Um zabtrmche» Erscheine» \
wird gebeten. Der Vorstand.
Kirchklnrtlrl.
Trinitariettirche (Heiltgkreuzplatz). Mittwoch, d«n 2. Dez»'
abend» 8 Uhr: Kriegsbetstunde (Dochengottesdienstf. Pfar«»'
Ribstein. .
Evang.-luth. Gemeinde. Mittwoch, Si.4 Uhr: Abendgotte»,
dienst.
Ochsen
Bullen
Kühe
KtüdUfchrs Kchlachthavs.
. Kur» vom 30. November.
ES waren augrtrieben:
50 Kilo
88 Mk. 05-100
4 , SO
5 . 88-95
Jungrinder —
Kälber 58
SO Kit,
Schlverne* 187 Mk. 80-34^
I, . -O-N
Ziegen — . — '
pro Stück.
100—110
Schafe S 80-100
* 22 */• Lebendgewicht; j- 25 •/, Lebendgewicht. ^
Der Markt war langsam.
Sämtliche Gebühren (Schlacht-. Fleischbeschau«, Lru!
chincnichanaebübreitt zahlt der Verkäufer.
gntsiueodt ebiM Pi«« io mraur ImiM
»owi, LLtch M»L
A. ft M. Schiff.
isltestss Corseltea'Spozlalbau. LadoacittestrafiL \
Aoprobier-Stloni. AuawahliemJungan fraoVo za Pienatw!
Corsetfs