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AUS ALLER WELT
Frankreich
Di« StieikapUmJa.
Paris. 29. Sept. — Cie KünstVr und <Ds
Theatcrpersnnni der Th»'«!»??, Konzorte und M u*
sic-Halls haben eine Tagesordnung angcnotn-
aien, in der die Fortsetzung des Streiks gefur-
derl wird.
* * •
Paris. 29. Sept. — Djr Streik der Pfvrdr.-
pfleger dauert an. Hie morgigen Re:: n in SL
doud finden nicht statt.
• • •
Paris, 29. Sept. — Pie Theater n angen-
alicklich Nnc!i!:i:l1.ic-Vorstellungen, ausgeno. \
men das Theater der Porte St. Martin, des Am¬
bigu und der Theater Sarah Bernhardt
CaÜfr.nx-Lenoir.
Pari.«. 29. Sept. — Herr CaiJîou.r wurde heij!«
narhmillsg, um 3V5 l T hr, dem IVefhTten des
l'rà^idintiMi des Ausnahmegericlilshofcs. H irn
Ferc*, vorgeföhrt, um sich zu den Krfcfftmnjr'-n
Pierre I.rnotn zu hussern. Herr Cailianx, der
lieh itn Krankenhaus zu Nnuiüy befand, wird
ron einem seiner Advokaten, dem Deputierten
Mout«t, heglciM. Herr GaiUaux hat von J -i
Erklärungen Pierre Lenoirs und seiner Müller
rasch Kenntnis genommen und liât ringewil-
iigt, sich sofort zu Aussern. Er hat fc erst ’.t.
dass Lvnotr Ir« in* Erkffinm«* gemacht ho' die
dem, was er immer behauptet hat, widersprAch«.
dass er mit Herrn Alphonse I.enoîr suit !DK
weder direkt noch indirekt in Verbindung ?«:
standen hat, dars er Pierre I.enoir nur ein ein¬
ziges Mal in Oegcnwarî von A Prr-on n gesehen .
hat, welches diese inzwischen bestätigt haben,
und diese Untorndurig sei übrigen«» nur sehr
jbrrfl&ehüch gewesen. I'crr Caillaux hat noch
rrklArt, dass kein Auftrag finanzieller Natur
durch ihn Herrn A'phonse I.enoir im Jul.re
HHJ hätte gegeben werden fcönn««n. Vjn einer
Konfrontierung mit Pierre T enoir war nicht di«*
Hede.
Eine BanknotenfÄlscher-Afiäie.
Paris, 29. Sept. — Informationen zufolg«', die
dar P-lizoi zugegangen sind, schätzt man die
Summe der von der Rande Gandon in l’mlauf
gcstlzfen Mischen .Voten auf etwa eine Million:
für 200.000 Franken 20-Franki>n Noten, fiir
700.000 Kranken Bons de la Défense.
England
Die Wirkungen des Eisenbahnentreiks.
Mmdon, 29. Sept. — Tie industrielle Lage im
Süden von Wales ist durch den Eiscnbabner-
fltreik sehr kritisch gestaltet. Die meisten
Kohlenzechen werden feiern müssen. Vom 29.
September ah werden ebenfalls die Stahlin¬
dustrie, die Weissbicch-,, Kupfer-, Telephon- und
Mssrliinenindustrie und auch n« <-h andere f««iern
müssen.
Deutschland
Eine deutsch? Zeihugsstimnte znm Pall
von der Golli.
Berlin. 29. Sept. — ln seinem Kommentar des
Briefwechsels, der zwischen von der Goltz und
dem englischen General slatlgofunden hat,
schreibt der «Vorwärts » : Das Verfangen des
englischen Generals ist eine Beleidigung dir
deutschen Gesinnung, der deutsche General be¬
gibt si'-h jedoch in eine schwierige Lage, wenn
rr auf hohe Itosse steigt, jetzt wo er keine Mit¬
tel hat, seiner Regierung Respekt zu verschaffen.
Deutschland wird eich in keinen neuen Kon¬
flikt, wegen der Soldaten, die anderen Befehlen
/offen, stürzen.
Die «Freiheit» srbreibt: Die nationale Fh-o
verlni.pl, dass das deutsche Volk endlich von
If-n militärischen Abenteurern befreit wird.
Der kommende Eintritt von D«mokraton in
das Kabinett ist durch d"n Ktnz'er iri der
lludf.'tkoniinbrion bestätigt worden.
Luxembourg-
Die Volksabstimmung.
J. •••■ fr.Jmrg, l’fl.Scpt. Die politische u. Wirtschaft-
üi hc Volksabstimmung Luxemburgs hat heute
;<i(t StiinmcnmajoriUlt für die üro9sherzogin
Charlotte und die Zollunion mit Frankreich
sich ausgesprochen.
Russland
< Endgültig ».
i'.ir» 5 . 29. Fept. — Aus Stockholm wird ge¬
meldet: Per Korrcspondant des < Swcnska Dag-
bladet » in Helaingfors meldet, dass die franzö¬
sischen und englischen Kriegsschiffe, die die
Rloekade im finnischen Meerhusen au'recht er-
balb'n, im Dezember endgültig zurückgezogen
Werden.
Amerika
Das Schicksal des Vtmilltr Vertragt.
lardon, 29, Sept. — Man meldet dem « Daily
Telegraph » unter dem 28., nus New-York: Die
allgemeine Ansicht in New-York ist, dass dor
Friedensvertrag und der Garantievertrag doch
loch durch den Senat, und zwar mit 74 Stim¬
men ratifiziert werden.
Herr Wilsen erkrankt.
Washington. 29. S«pL — Herr Wilson ist
heute, im Aussehen wenig verändert, ange-
kr mmen. Ein Journalist, der ihn auf seiner
Reise begleitet hat, lässt indessen durchblicken,
lass sich der Präsident genötigt sehen könnte,
tu seiner Erholung aufs Land zu gehen und
•eine offizielle Tätigkeit während vieler Wochen
»inzus teilen.
. Um den Frieden
DeatacUami u4 die atatnls* St. ta.
Paria, 29. Sept — Der Oberste Rai der AI*
Werten vereinigte sich heute vormittag unter dem
Vorsitz Pichons. Er prüfte die Frage dea Ver¬
kaufs von F!ugzeugm*!«riai seitens Deutsch¬
lands an geiriaae neutrale Staaten; entgegen des
K »uselri des FrU-densverirages und diskutierte
Mittel um Ähnliche Vorkommnisse tu verbin*
lern. Der Rat genehmigte den durch ein* Spe-
zia'k-rrmiwion vorg.legten Rapport über die
»rrteEnrg des deutschen Flogzeugnuterialu
t: ’.T C§ Aiïi'-trtf.a
! Zum ßergarbeiterstreik voriger
Woche.
(Schluss.)
Beaendne Bestiminnag.
Keine Entlassung wegen des Streikes, mit
Ausnahme d> r Fälle, <Üe*cventu«*fl zu gericht
lieben Strafen Anlass u< gvben hätten.
Allgemeine Beatimmunpea.
1 Die gegenwärtige Vereinbarung wird vom
1. Oktober 1919 ab fur eine Guiunaiige Dauer
in Kraft treten.
Wenn dieselbe nicht einen M«>n.it vor ihrem
Außerkrafttreten, d. h. bis zum 29. Februar
1920 von einer der beiden kontrahierend,«n P.ir
leien «furch eingeschriebenen Brief gekündigt
wird, so ble ; bi sie in Kraft unter denselben Be¬
dingungen für eine neue Gmonatigc Dauer.
2 . Es wird vereinbart, dass im Palle eines
Streik* 1 * t^Ivr einer Arboilseinsldlnug während
d«r Dauer dieser Vereinbarung das Syndikat
der Bergarbeiter sich verpflichtet, sich weder di¬
rekt ri'x-D imhnkl den;«'»:*«» .Mn.isn.-ih.'nen zu
widersetzon. welche die Wnsserha'luiig oder
sonstige Unterhaltung b- zw.cken und zur Er-
Ji.iftnng der Grube rrofw»*n«Bg sit*].
3. Kx wird vereinbart, d.i?s die vnr l i' , z i, n'l''n
Vor«ehIage unt r («»'gemfen Rr.lingrngen erfol¬
gen :
a 1 A"« sich auf die früheren Verhältnisse ho-
z'rhenden Fragen w<«r<lon und bleiben «iun-li die
vorliegende Vcrwiibnrnnir ««n<fgfll<îi» geregelt;
hl Die Arbeit wird in al'en unter Zwanssver-
waüunz stehenden Eisent-rzgruben am Freitag,
den 20. September 1919. wieder aufgenommen.
2. TeU.
1. Anerkennung des Verbandes. Die Anerken
nung des Verfemtes 'nt.I*! sieh dim h die l'n-
tcrsi hr.fl «1er Dntern«’hmer selbst und Jmvh d' ft
[■tnstand, dass sie mit dem Verbände verhandelt
haben: der Verhntvi ist anerkannt \n-in «rfcitng
der Regierung: Das Koalitmnsr'-cht. wclrlies in
Frankreich h stellt, ist sofort na«*h dem Wnffen-
sUFslnn'l in Elsiw Lothringen in Kraft getre¬
ten und die fianzüsische Regierung hat diese3
Giuelz in die Tat unignset/.t und mit den Syn
dikalsvcrlretern m wohlwollender Weise ver¬
handelt
2 Organisationszwang, \nmcrkung <l>.r H'-
gi«:rung: In ein-.m demokratischen St:ii’- vv:-‘
Frankreich sieht es jc-d« r Organisation, speziell
den Arl .-i!*rvcrbii!id*n. je«lerzeii zu. nu-s": 'br
\rb‘'ü-/ it diese l’mpapanda zu machen. \v.''«l:e
itir ai'ïcbravbt ers«'hciiil, um .luo Mitglieder zu
werben, und die Freiheit jwl.j einzelnen Bär
•eus btstiht darin, irgendeinem Virein anzu
geliören :>d«:r nicht.
3. Verstaatlicbnng der Crobeu. Anmrrkung
der ReyuTung: Die Verstaatlichung der Gruben
nt Ss«*hn der D«’putierlenk.imm-*r und liegt nicht
im Machtbereich des nnro/nteßirr». Hern» Mir
man. Iminrrlun ist zu Imncrkcn. dass in Krank
reich die Konzession! >1 der Minen v on Staats
wegen gerege't werden unter finanzieller Dclei
ligung.
4. Entgegenkommen dvr Reamlen Arbeitern
gegenüber. Die vcrsainm«'!len Dir«»kH«>n*-n er¬
klären, dass sie gänzlich einv«?r>tanden sin«! mit
den Arbeitern, dass die Beamten «\ n n letzteren
anständig i-ntgegenkommen; sie verhangen aber
das gleiche Entgegenkommen seitens «der Arbei
terschaft
6. »Venwahl «1er AtbeiU-rntiiKohùSf'o : Sicher-
heitsmfinner : Kiankviikassenvor.-tämlc, Knapp
ichnltsiiltrV.e, Reorganisation «1t Kraukenkas
sen urul Knapps'bafl'kassvn. Wall! der Arbci
terichiedsg*;richt«: erk‘ärt «lie Rigli-nmß, ausser
d-sn ersten Punkt, welch'-r innerhalb 20 Tagen
geregelt wenfen soll, nach (Verrechnung d ; -’
s«’s Vertrnge-i, dies in aller Kürze zu regeln
durch fit--' tz.
I)io Punkto fi und 7 j1:i« 1 damit erhdigt.
8. Die Arbtilerspc-rre belr. erklärt die Regle
rung, in Anb«:iracht, dass der Arbeiter das Ih'-ii 1
hat. in a'ler Freiheit sein«'n Gnlernehmer zu
wäh'cn. und in Anbetraeht, dass der Unterneh¬
mer die Freiheit hat. seine Arbeiter zu wählen,
ist es anerkannt, dass ein Arbeiter, welcher die
Grube statutengemäß un«l ordnungsmäßig vor-
'Asst. um in einer andern Grube aufgenommen
zu werden, seitens se.irs früheren Untern* !i
rners keine Schwiengk« :ten bekommt.
Dor Verband anerkennt demgegenüber di«-
Freiheit d*«r Arlxi'
9. Rezugnebmen«! auT «lie Anfrage «les Ver
bandf.-i, eine Kommission zu bilden, um den
Streik zu Ende zu führen, ist geregelt durch die
Arbeitsaufnahme.
IVr vorliegend«: Tarif ist unterzeichnet, diu
goactzmäs.N.gcn Fragen butr. durdi «Jen Gun
missaire de la Rôpul>li<juc. Herrn Mirman, für
die lechniscln-n und administrativen Fragen das
Service «Iris minei; unterzeichnet in M"tz, 'hm
2 j September 1919.
Für die Sfepiesk-rccrwalhiriß: Hollge, Laurent.
H’anc.
Für das Service des mines: Wei 1 !.
Für den Loihringi.-chun nergarheitorverband:
Charles Offerte! Jäqin-min.
D- r Commissa.re di r Republ.k . Mir m a n.
. .1 -- - ---
Der Abstieg der Sozialdemokratie
Aus Wien wird gemeldet, dass infolge der Miss¬
erfolge. welche die österreichischen Eisenbahner
bei ihrem Streik erzielten, innerh all» weniger Tage
nicht weniger als 12000 Bedienstete aus den so
zialistischen Gewerkschaften ausgetreten sind.
Auch in Deutschland ist die sozialdemokratische
Bewegung auf dem Krebsgang begriffen. Wo
Wahlen vorgenommen werden, geht die sozialisti¬
sche Stimmenzab! seit Monaten beharrlich zurflek,
uml ebenso gteichmässig wachsen die Anhänger
derjenigen Parteien, die der Sozialdemokratie dia¬
metral gegenßberstehen. So haben bei den Pro-
vinzialwalilcn in Oberhessen soeben wieder die
rechtsstehenden Parteien mehr als die Hälfte aller
Sitze errungen, während sie bei «Jen Volkskam¬
merwahlen noch bedeutend hinter der Hälfte zu¬
rückgeblieben waren. Das gleiche Ergebnis zei¬
tigten fast alle anderen Wahlen landauf, landab
ic Deutschland.
Die erste und vorzüglichste Ursache dieser Er¬
scheinung ist die furchtbare Enttäuschung, die
weite Kreise erfasst hat, die in der Revolution
und noch bei Reichs- und Landtagswahleu ihr
Heil bet der Sozialdemokratie gesucht haben. Was
haben sich diese Mitläufer der Sozialdemokratie
aiies von ihr erbofftl Und wie wenig ist von die¬
sen öberscUumeudeo Hoffnungen seither in Er¬
füllung gegangen. Anstatt ein neues Zeitalter von
Qläck und Ehrlichkeit und Wohlstand einzaleiten,
ist die Revolution mir der Anfang von vermehrten
Missständen, vos Unordnung, Wacher, Teurung,
Arbeitslosigkeit and noch Schlimmerem geworden.
Alle guten Seiten des *Hen Ordoaagsstaates —
so berichtet die «Aagsb. Postztg » — sind in ver¬
ringertem, alle schlechten ln vermehrtem Masse
anzsl/effen, ftud es ist bereits soweit gekommen,
dass ein sozialistischer Führer, August Winnig,
sich der Revolution schämt und erklärt, niemand
{3 seiner Psrtd (der mehrheitssoziafistlscbcn)
habe s'e gewrdit.
CM« HMEHE MMl
Sitzung vom 20. September.
Wegen Vergehens gegen das Gesetz vom 4.
April 191f*. das den Handel mit dem Feinde
verbietet, sowie wogen Y«'rf;ilscInnig eines IWse-
Paigede Ihnamarlm Ernst Jostph aus Nancy zu
l'eigc de I)«>mmarlin Ernst Joseph aus Nancy zu
verantworten. Der Sachverhalt ist kurz folgen
der: per Angeklagte hatte fn Fraufantor» bei
Saarloui* Email- und Gl.isvv.ir««» s*kaiitl und
war am 21. Mai 1919 im Begriffe, dieselben auf
einem Lastauto über die Gr««nze zu bringen, atg
er von den ZoHb<«,-unten i)nu<*li:i!h-n und unter
«b in Verdarb*. «1er 7*o1!«lefr:iudo zu dem näch¬
sten Z«jlitmr«i gebracht wurde. D««i seiner Durch-
t*i'« iiung wurde ein in Nancy »usgesle'lter Heiae-
|»:hs vorgefunden, dor nlfensichtlich durch den
/'H.ilz «Bassin de 1a Sarrc» verfälscht vvnrd<‘n
war. Das Lastauto wurde beschlagnahmt, später
jefovh «tuf Grund einer Einigung von der Zoll¬
behörde wieder freigegeben. Der Angi-k'agl« 1
wend« t gegen die Anklage ei», er sei in gutem
Glauben gi-vvesi’n, des« die Einfuhr «1er in Frage
komim'tidcn Waren auf Grund der vun der fran-
zösi>'hi«n Regierung nach d««m Waffen«iili«land
er]j"fju;i BesUmmunge» ohne besondere vor
hörig.' Gonohmigung erlaubt sei. Tnlsäfli’ivh sei
durch den nacli d««tn Waff«'nsti:lstan«l zwi-dien
•hn aüiierlen Ländern einerseits und dom Naar-
gi-biot andererseits regen Hon«lelsverkelir «lie
streng« 1 Handhabung des zur Kricgszeil erlass«-
m*n Gesotz«'» vom April 1916 vollständig ge*
1-x'kfTl ivor-l««». Was die Vorfäls- hiiDg des Reise-
j asso. anlang:, so habe «r m <'••€ Eile ohne Ue-
berlegung den Zusatz auf J«ati Reisepass ße-
tnacM, nach<J<-Tn dio Erledigung eines von ihm
«•ingereiclilen Passinlrapes g« raume 7.«'il auf
sich werten Hess. Das Gericht war der An
si«*ht, dass «Jie Voraus-'‘zung.'n d«‘s Ge*> ,, zes
nui h heute noch g«‘gcbt*n «.uuf, billig'.e aber «1« tn
Ang« k’ iglen mit lUick- : « iil auf Jie ganzen A'er
b.lUuiise miidcriHb« l'mslé.nde >n v/eilgcliend-
su-ni Masse zu. Das Urteil lautete divugcntfiss
wtgen des ersten Vergehens auf eine Geldstrafe
von 190 Fr. wegen des zweiten vif eine solche
von 160 Fr.
Der Fuhrmann Max Bwinarsky «sus Met? f'.it
« inen G'«l«lhe!rag von 120 Alk. gehrh't. Urteil
9 Monate Gefängnis.
Die gleiche Strafe erhalt der Bergmann Karl
Vassia aus Mnntois-Ia-Monlagne. weit er sich
mne Zuge, die von fini-ni • Drittf n g.-bdiVn
vvor«I«-n wir, rechtswidrig angecignel hatte.
nt wm
Vor dem Krieg abgeschlnsseae Uefentaesverfrüge.
Durch Vcritigung des Commissaire Oömlral de
la Rtipubliquc vom 15. September 1919 wurden
ln Etsass Lothringen die Bestimmungen des Ge¬
setzes vom 21. Januar I9H (sog. l e Pailliotl ein
geführt, laut welchen unter gewissen Umstünden
die Rückgängigmachung der vor dem Kriege ab
l.cschlossencn Licfcriiiigsvcrträgc stauhaft ist.
Diese Bcst’inmuiigen blieben nur während einer
dreimonatlichen Frist, von der Ratifizierung des
Friedensvertrages an gerechnet, in Kraft.
Das Amtsblatt für Eisass und Lothringen. Samm¬
lung der m Jen zurückgcwonncncn Gebieten gtil
tigeit Verfügungen und Verordnungen, erscheint
im Verlage der Strassburger Druckerei, Juden¬
gasse 15, in Strasshurg.
Die Schulden Deutschen gegenüber.
Itn Amtsblatt für Etsass Lothringen erschien
eine Verfügung Inlr. die Verpflichtung der llisass-
l.nlliringer, die Schuldner in Deutschland ans.'issi
ger Deutscher sind, ihre Schulden arrzunteWcn.
Die Anmeldungen haben beim Office Jcs Ré¬
clamations de Guerre (section des Dettes', Slcru-
wartstrassc 12, zu erfolgen.
Diese Verpflichtung erstreckt sich auch auf
solche Elsass-Lothringcr. die etwa an deutsche
«iffcut'fchc Kassen Geldbeträge schulden.
Gesuch um militärische Iliillskräile fiir die Winzer
und die Landwirte.
Im Veriolg eines tJesuchs um militärische Ar¬
beitskräfte hat der Minister unterm 19. September
(919 Nr. t.JJtftj K. fofgcttdc» Dcschluss gefasst:
Die Soldaten müssen unter den durch die In¬
struktion vom 2J. August 1910 fB. O. E. M. Vol.
.<1 >, ahgeärtdert durch das Eirku.’ar 57.(''< K. vorn
18. Juni 1919 (B. 0, S. 2300) vorgesehenen Bedin¬
gungen zur Verfügung der Landwirte gestc-lt v. er¬
den. «Mit Rücksicht auf den Mangel der Bestände
>t Grund vorh:iiidL<n, die Vcrfügungstcliung der
militärischen ArhLiiskruftc auf besonders drin¬
gende FSffc zu beschränken. Die Landwirte und
Winzer, welche inh/gedessen nülitärtsche \rl*eits-
kr.'iilç nnvvcndcn Wullen, werden gel>ct*cn, ihre Qc-
-•uchc durch Vermittelung des Bürgermeisters, der
Ge hegutuchtcn wird, dem Administrator von
Metz-Land oder — für di« Gemeinden von Metz
^tadt — der Präfektur einzureichen, welche sfc
notieren und sie an den General Commandant
wcilerreichen werden.
Die Burenoxatunden auf dem BtrgermeiileramL
Vom 1. Okt«»i*i'f 1919 ab sind die Bureaux-
?!itn*J'-n auf dem Börgtr/nrisirrmnt für «lio
Nachmittage von 11 bis 18 l lir festgesetzt.
Samrinz na«'hmillags und Sonntags b’ciben
dir» Bureaux wie früher g<«scbh>5«on.
Nur naclistelu-ndö Bureaux bleiben Samstags
von 15 bis 18 Uhr und Sonntags von U bis 12
Uhr gi'öffoet:
1. Zivilstand. Büro der Anme’dung der Slor-
bcJällc ;
2. Sektion IV Grâliorkonzessionen;
3. Büro der Armenvcrwaltung;
4 Zimmer 4 (Autorisation zu Bällen, Verkehr).
Der Bürg"nneistcr : Frevel.
Die Maul- und Klauenseuche
wurde in der Gemeinde «des Etangs» konstatiert.
D'ese Gemeinde ist konslgniert; die durch die Ar¬
tikel 186 bis 192 der Verordnung vom 10. Septem¬
ber 1912 vorgesehenen Polizcimassnahmen lind in
Kraft getreten. Die Henbachtungsznnc umfasst die
ganze Gemeinde Glatigny (§ 193, 194).
.Metz, den 26. September 1919.
Der Administrator: gez. Geay.
- — ■ ■ — ■ »
Kurze Nachrichten
Paris. — Dem «Journal» zufolge wird der Flie¬
ger Poulet am I. Oktober seinen Flug Paris—Mel¬
bourne unternehmen.
Paris. — Dem «Echo de Paris» zulolg« bat das
Verhör von Pierre Lenoir keine neuen Enthüllun¬
gen gebracht, sodass Peres eine Gegenüberstel¬
lung Lenoir—Calllaux als unnötig zu erachten
scheint.
Nancy. — Deschanel wird hier erwartet, um
heute die Schlusssitzung des «Congrès de la Na-
taliU» zu prlsitieren.
Tarbes. — MarschaH Poch und Frau Poch sind
hier angekommen und von der Bevölkerung herz¬
lich empfangen worden.
l«ondon. — Die Schauspielerin Patty Ist gestern
Abend in ihrer Wohnung zu Sadgahe verstorben.
METZ ONO
DIE KRANKENVERSICHERUNG IN ELSASS UND
LOTHRINGEN.
Anlässlich der zurzeit in Strassbnrg stattfimlen-
den Exposition nationale ist eine von der Caisse
locale gfuöral« de maladie de Strabourg-Vtlle und
der Utton des Caisses loc. des tuo’.id. «VMsace-Lor-
raine hcrausgcKehcnc Rroscbiirc: «Die obligato¬
rische Krankenversicherung in Eisass und Loth¬
ringen» (Auszug in deutscher Ucbcrsctzung aus
der vom Office général des Assurances sociales
d'Alsace et de btrrain« hermtsgegehenen ' Bro¬
schüre: Les Assurances sncialcsi in Druck erchie
neu und zum Preise vint l Fr. im Palais du Par¬
lement (Lgndtugsgebätlde) sowie im Gebäude der
Or{skrankenkasse Strassburg (Schalter 7) erhält¬
lich. Ferner ist eine von Herrn Dr. Kleffcr. Di¬
rektor der Zahnklinik der Ortskrankenkasse
Ptrasshurg, verfssstü Schrift: «L'Importance sn-
cia’e de la Carie dentaire» erschienen und gleich¬
falls hei den genannten Stc'lcn crhf'tHcli. In An¬
betracht der grossen Wichtigkeit der Entwick
lung dieser sozialen FUrsorgezwcigc und deren
Weilergestaltung, die zurzeit wohl für Jedermann
von besonderem Interesse ist, kann die Beschaf¬
fung dieser Broschüren aufs wärmste einpfoh'en
werden.
«■»snaHMaàÉaMUBMi
Plauderpotpurri
Drei Sonntagserlebnisse.
Schön ist die «Tugend ...
Die Jugend von heute!...
Am Sonntag Abend gegen halb 10 Uhr wotmtg
Ich in der Nähe des Botanischen Gartens in M«»u.
tigny einer widerlichen Szene bet. Zwei Mädchen
im Alter von 16 bis 18 Jahren, welche noch Knie
röckvhcn trugen, verüessen betrunken ein T.m*.
lokal. Obgleich die Jüngste beinahe bis zur lit-
wustlosigkeit dem Alkohol zugenprnchen hatte und
kaum noch stcheu konnte, wollte sie weiter tan¬
zen. Nachdem ihre Begleitet in ihr davon ubiict
und ihr über das allzu viele Trinken VorwIiiR
machte, fiel, sic wie ein Sack auf den Boden.
A's ;hrc Freundin sic aufgehoben und wi. Jet
zurecht gemacht hatte, glne-t Beide wie¬
der hinein ins Vergnügen.
Künftige Militer .. -, deren unglückliche Kinder
sich dereinst fiir Ihr elendes Dasein nicht zum
wenigsten bei den gewissenlosen Wirten zu b,-.
danken haben, die in schändlicher Weise nur d.x
rjuf ausgehen, ihren Geldbeutel zu füllen um]
nicht danach fragen, oh sie ganze Familien zu¬
grunde richten, indem sie immer wieder, bis die
«Durstigen» bewusstlos sind, ihnen «noch ein*.,
zu trinken geben.
ZUR WEIHE DES BISCHOFS DR. PELT.
Das Verzeichnis der Metzer Beschfife in der letz
teil Nummer der Mosel- und Saarztg.» ist his auf
den 23. etwas kühn und beruht nur auf Vermutun¬
gen, wenigstens was die Jahreszahlen anbetnift
Das erste sichere Datum beginnt erst mit dem
Jahre 5.15; alle anderen Halen beruhen auf einer
durchschnittlichen Berechnung von 17 oder 18
Jahren fiir die Dauer eines jeden Episkopats, d. 1t.
eines Jeden Bischofsamtes. Zwischen St. Felix und
St. Paticns, dem 3. und 4. des Verzeichnisses, hat
es wahrsclicin'.icti eine Zwischenrcgierung ge¬
geben.
S. t. DER KARDINAL ANETTE
hat heule Morgen um 7,30 Uhr die heilige Messe
in der Anstalt «Les Récollets» gelesen.
SECTION LORRAINE DE L'ŒUVRE GRANCHER
ZUR VERHÜTUNG DER JUGEND VOR
TUBERKULOSE.
Der Ausschuss der Section Lorraine do l'Œuvre
Grancitcr hält heute Dienstag, den 30. September,
im grossen Saale des Stadthauses eine Konferenz
alt, auf welcher Herr Dr. Oranlux, Vizepräsident
der Oeuvre üraudier, einen Vortrag halten wird
atier Zweck, Ziel und Organisation des Werkes. 1
Es besteht eine sehr interessante Karte von Ei¬
sass Lothringen, welche genaue Auskunft erteilt
über die durch die Tuberkulose verursachten
Sterhcfäüe. Im Jahre 1912 betrug der Durch-
senitt ftir die drei Bezirke 25 pro I00O0. In Metz
überschritt der Durchschnitt 26, ganz wie die Kan¬
tone Plialsbouig und Lorquin; er hält sich zwi¬
schen 23 und 26 in den Kantonen Sarreguemincs,
Satrchnurg und Fendtrange. Das war eme Sta-
t.stik aus Jer Zeit vor dem Kriege. Dieser Pro¬
zentsatz liât sich infolge der Entbehrungen wäh¬
rend des Krieges mich erhöht; der Kampf gegen
die Tuberkulose wird ernst; er macht die Anspan¬
nung aller freiwilligen Kräfte zur Pflicht, Zur Be
Käinpfung dieser verheerenden Plag« hat Im Jahre
190.3 Professor Oranchcr in Paris eine Gesell¬
schaft gegründet, welche durch Dekret vom 9.
August FMI als allgcmcinnQtz.ikh anerkannt
wurde und die den besonderen Zweck hat, der
Tuberkuuisc der Kindheit cntgcgeu’iilfc’en. Zahl
reiche Filialen der Gesellschaft sind in Frank¬
reich vorhanden. Ein Ausschuss hat sich auch in
Metz gebildet. Lothringen verfügt über eine ge¬
wisse Anzahl von gut organisierten Dispensato¬
rien uuJ Sanatorien, welche eine neue Waffe ab-
geben werden gegen die Bekämpfung dieser
schrecklichen Plage. Mögen die durch den Aus¬
schuss und den Dr. Grandjux gegebenen Anregun¬
gen aul fruchtbaren Boden fallen!
STRA8SENWESEN.
Der k'eine Platz an der Coisfinkiiscrne zwi
sehen der KarDtrasso un«I der Camlvmlstmsse
i-t in einem rMit vhWhten /«Island und be
«farf einer grund.iclien Auflieferung. An der
Kadern«* v’ii:»! sind oin«» gewixso Anzahl von
Fensterscheiben zerbrochen und ein Fcnstergil-
t«:r geht seiner gänzlichen Zerstörung entgegen.
Ein nettes Slrassenbild!
Aufd«m Bahnh'jfsplaiz. zwischen den beiden
Sirasseiibahnlinien, ist der Ueborgung beim ge-
ringden Hegen sofort mit Wasserlachen l>o
tli««*kt- \V««Jut «]«•» Damonstiefülohen, die hier¬
durch mtisaetil Mit einigen Schaufeln Sand wäre
d«m Ucb-«1 nbgeholfen ; aber wer kümmert sich
um diesen Bahnhofsplatz?
DIE ABGEREISTEN.
fier praktische Arzt Dr. Luxcnburger Max Jo¬
sef, der Birnbaumstrassc 1 2 14 wohnte, und unter
dem ielzlgcn Regime nicht weiter hier praktizie¬
ren durfte, hat sich als Arzt in Crefcld uiederge
fassen. Sein Bruder, zuletzt Postsckret.tr in Metz,
ist nach Trier versetzt worden. Sic sind Söhne
des in Metz verstorbenen Maupllchrcrs Luxcn-
hurger der Paixhansschttle, der als Volkachullch-
icr und VolksschriftstcBcr hochgeachtet war.
POLIZEI BERICHT.
Am 11. September hat der SJälirige Marcel Iss-
!cr, rue du Vivier, 7, wohnhaft, eine ziemlich be¬
trächtliche Geldsumme gefunden, welche er sofort
aii[ dem Polizeibiireau, ruc des Trois-Boulangers,
ahgati.
■ - ■— ■ ■ 1 - ■«
SPORT
FuisbaU.
Am Sonntag Nachmittag um 2,30 Uhr fand das
bereits am Samstag angesagte Wettspiel der 2.
.Mannschaft Hagondange gegen die 3. Mannschaft
der Sportive Thionvilloisc statt. Das Spiel, das
nach 20 Minuten 2:1 zu Gunsten Sportive Thioa-
viliolse stand, musste leider wegen des anhalten¬
den Regens abgebrochen werden. Die leiden
Mannschaften einigten sich, das Wettspiel fQr
nächsten Sonntag, den 3. Oktober, liier in Dieden-
hofen auszutragen. — Die 4. Mannschaft Sp. Tb.
spielte gegen die FussbaUmannschaft des Jüog-
linzsvereins Bassc-Yutz und gewann das Spiel mit
2:0 Toren.
Hayange. Am Sonntag Und auf dem Ocl&ndc
von Ersange ein Fussbailwettspiei statt zwischen
der I. Mannschaft der U. S. H. und der 1. Mann¬
schaft des F. C. Forbach. Letztere siegte mit
3; l. — Die zweite Mannschaft der U Si, JL
schlug die 2. Mannschaft des F. C. Forbach mit 4:0.
STRASBOURG, — l ywtfw t — Zu dem am
12. Oktober ln Straseburg staüflndanden Kon-
gross der « Union vélocfpédlque de France »
veranstaltet die • Fédération dea société« cy¬
clistes alsaciennes • am Samstag, den IS- Okto¬
ber 1910. abends 8 Uhr, in den SAlen des Stn-
gerhaujes, ein GaJa-SporWest, bestehend aus
Heigenfahren, Einzel- souda Duelt-Konstfahreo
und Hadballspiel.
LioderwertsgfeL
Das am Sonntag in Luxemburg stattgefandeftO
Underwettspkl Lothringen-Loxemburg «ädate ■
Ounstea letztem Mennachaft mit 3:0. ,
Der geheimnlssvolle llrlefkaston.
Am gleichen Abend fiihitc mich mein Weg iltiuli
die St. Martellenliriickeii'.trassc. Dort Stand um
Briefkasten ein alter Bekannter-gfeichfar»
ein Opfer des Suffes. Mein Gott! —- des Suifexll
— Bis zur Bewusstlosigkeit hat er's bei Betncin
Suff noch rrfe gebrecht, a.'Je Sonntage mal trank
er ein paar über den Durst und auch am verg.v«
gcren hatte er wieder einiges zu viel hinter iD-
fl'/ide gegossen. Wie ein Schilfrohr Jih Wim'-
schwankte er vor item Briefkasten hin und her -
-- auch ein Bi'd des Jammci>! aber mau sah',
gleich, zu tragischen Szenen würde ex Wer nicht
kommen.
«Ich kann ihn niclit finden Hruppl — ich
kann Herr nicht finden — Mrupjri», so rief er nie
wrzwciielt entgegen.
«Ach! Haben Sie denn etwas verloren?» fragt-
ich teilnahmsvoll.
«Den Schlitz, ich kann Jen — Hrupp! — Schiit.«
nicht finden, — mein (inttl, luitt* ich den Schlitz
" Hrupp! Hopp! Rrrnpp!-»
«Ja, was denn f..r einen Schlitz?» crkunJi/'
Ich mich weiter.
«Ein paaiu’il g'attlifc ich >hc '«c:«
r,\ haben, aber — Hupp! — ex gfng immer wied.-
ilanebetv»
«Was ging denn daneben?» redete Ich auf ih-
ein.
«Ich bitte Sie — Hupp! Rupp! — helfen Sie m.t
doch die Oeffnuttg fiuJert, ach, bitte, versuchen
Sie's doch mal...»
«Sapperlot noch 'mai! Ja. was Soll Ich «fein
versuchen?»
«Fi, diesen Brief in den Kasten zu weifen, «.'
mfilic mich xclion seit einer ba'hcn Stunde
- oh! — Ifnupp — was ist mir iihe'! — die Br.« «
kastei.Öffnung zu finden!» luüt; er endlich.
Al'ztit t>ereit, meinen Mitmenschen zu hc'i«.,«
«lahm i'.h dem Bedauernswerte:: .\-ii if;,.-f ab 11
schob ihn zielbewusst durch den Briclkns: ■:
schütz. \1>cr siehe da! Auch bei mir «gitu
•Janclien». kfi versuchte es c’i ' x .V
ein drittes mul ein viertes, aber jedes Mal. wen-
ich meinte, er sei nun gllicküch im Kasten, hin
drie der Brief wieder auf dein Pflaster.
Ich machte r.tich an die Untertnchung der gros
sen Eiscnbuchso....
Ali! Nun hatte ich des Rätsels Lösung gcfic
den, Der Kasten hatte Durchfall!!... riclitiggehr;
den Durchfall! Was man oben hineinwarf, kar.
sofort - - so wie itian's hinemgeworfen hatte
unten wieder heraus. Mail halle vergessen, ihn r«
Scli’icsseii.
Ich gab dem unglückftclien BukaitiKcu die 11 «>t
p.cii Auiklüiungcn, wies ihm den Weg zum nä«.li
steil Briefkasten und verabschiedete mich.
Ich Fortgehen hörte ich noch, wie er etwas v-r
•Scbadcncrsatzfiiriicruugcn bei den P. T. T f«
das xchnmlzigc Briefkuvert* in den Bart bruir.n.:
Hc! junger Mann, der Jen Briefkasten in der '
Marcc'lenbriickenstras«^ leert, — haften 81c ?
hört? Scliadcncrsat/!!! Geben Sic bitte In 7
f.tnft beim ^chliexscn des Kav-ns heiser acht!.
* • *
Jîln HIHenri uro MJHemw’jt. »..
Noch war die Reihe meiner Erlebnisse, die «.'
am vergangenen S«mntjg zwischen Snnncnunter
Kling und Mitternacht erleide, nicht vn!!.
Mein folgcmlcs Erlebnis wird die Bewohner I
StgisberlMrasse in Ban St Martin über einen gc
hcimnisviil'en Schrei in der Nacht aufkliireu.
Kurz vor iJ Uhr ertönte dort in meinet Na. 1 -
iiarschait der markerschiitternde lli'fcruf ein
Weibes.
Wie elektrisiert, sprang ich aus dem Bett. D
Hose anziclien. in die Seh’appcn sdiliipien un«
das Nachtgeschirr umreinpchid die Treppen hh«
unterstünden, war eins.
Auf der Strasse angekominen, Ivemcikte ich
dass itti Kcgcnäbci’iegcnden Hause ein reger B«'
trieb herrschte, l.ichtcr huschten hinter den Vor
hängen.
Unfall? Diebstahl? Eiu ramificndranuf
Mord?? 1 !...
Nichts Gutes ahnend, klopfte, nein, ich hämmc-t.
mit beiden rausten au die Nariiharstiir.
Endlich, endlich üffnclc nian, und dann stand i«' 1
in der Wohnstube meines Nachbars. NoUlflrft« :
gekleidet. Jammerte man mn die Tochter d >
Hauses herum, die leblos auf dem Kanapee lag • •
Was war geschehen?
Der Hausherr klärte mich auf. Töchlerchcux
Uehlingsticr, eiu Foxterrier, war am Abend ver
schentlicU im Korridor ausgesperrt worden. Um
Mitternacht war cs dem Treuen eingefallen, m"
Einlass winselnd, mal ein bischen an der Schlaf- j
ziiumertür seines «Fraucltcns» zu klinken. Dieses I
in seiner Gcspenstcrfurcht war ans Fenster geei'f. J
hatte mit ihrer letzten Kraft um Hilfe vor dem
Qcpcnst gcsclirien und war dann bewusstlos zu- |
sammeiiKebriKhen, und bis letzt hatte man s.cfi |
sergcbliclt bemüht, die Ohnmächtige wieder zur
Besinnung zu bringen.
Indessen sollte das schneller gelingen, als ma«
glaubte, denn plötzlich wandte sich alle Aufmerk¬
samkeit mir zu. Man hatte entdeckt, das ich die 1
Hose verkehrt an hatte, der Hosenboden — n«-* I
aus meiner einstigen Glanzzeit — wölbte sich bier-
bauchförmig nach vorne.
Uin Lachsturm brach los, man hatte den Hind
der Situation ira Augenblick ganz vergessen.
Und siche da, die Bewusstlose begann sich wie*
der zu regen.,.
Was soN Ich noch viele Worte mâchent D-xs
Naehtcrlebnts fand sein Ende, fadem man mir all¬
seits fiU meine HlUsbefellschaft und Hilfe (holte
Ich «loch mR der verdrehten Hose allein zur Wie-
derbetotwg des «Httade-Frauehens» mehr fertig I
gebracht, als idle anderen mit Ihren grossen und j
kleinen Essig- nnd Eau-do-Cofogne-FUschchcR) I
herzlich die Hand schüttelte. Der Händednrck der I
schönen OespensterzOchtetin — es war der erste* I
— versetzte mich In den siebten Himmel. — ' I
Wer kennt die Folgen dieses Erlebnisses? Idr I
tfa Optimist 1... R. L-h