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PBOViMCHfiiCHTEa
Lothringen und Eisass
Der R«l nach Arbeit.
. Alan schreibt der «Gazette dos Métiers*:
Trotzdem nun bald ein Jahr seit Abschluss dos
WafloBstÜIstandc« verflossen ist, sieht es auf
,unserm Arboilsmarkt nocli recht traurig aus.
(Auf der einen Seite verlangt man kategorisch
,dio Erhöhung und Vermelirung der Produktion,
•auf der andern Seite bemüht inan sich verge-
liens um Arbeit! Es klingt Paradox, aber cs ist
leider wahr: in demse))):vj Aug-uiblick, wo die
Negierung mahnt: «Produziert!», sehen sich
[Handwerker in ihrer Arheitsnot gezwungen, die
Press« in Anspruch zu nehmen, um die zu-
fllündigen Behörden auf diesen Mange! an Ar¬
beit aufmerksam zu machen! Woher nun dles>s
Missverhältnis zwischen Angebot und Nach¬
frage? Könnte da eine vernünftige Organisation
nicht unermesslichen Segen stiften ? Eile lut
null Man ermögliche den elsnsa-lothringischen
Handwerkern eine tatkräftige Mitarbeit am
•Wiederaufbau. Aber auch da scheint es zu ha¬
pern I Wir hoffen, dass die Handwerkskammer
die nötigen Schritte tun wird, um den llaupt-
wtinsch des dsass-lothringischen Handwerks zu
erfüllen. Wir verlangen niehts, als dass man
uns mitarbeiten lässt an dem grossen Kultur-
'werk, am Wiederaufbau der Trümmer des Welt¬
krieges.
PoUverbfodungM Eh»s*-J.olhrinjjens mH d ea
Kolonien.
Straasburg, 28. Sept. Der Vcrsaivd von Post¬
paketen aus Elsasa-Lothringeu nach den französi¬
scheil Kolonien uixt dem Ausland — das nicht be¬
setzte Deutschland ausgenommen — wird ab I.
Oktober wieder möglich sein. Die Sendung«! sind
den in Frankreich geltenden Vorschrift«! unter¬
worfen. Man hat sich tu den Postbureaus Ober die
Tarife nnd die Anrrahmehedlngungen zu erkun¬
digen.
* • •
GONDREVILLE (Gemeinde Vry). — Penen-
bninsf. — Am Samstag zerstörte eine l'Vucrs-
lininst das von <l« r Kamüie Rehardt bewohnte
Anwesen de* Landwirts AI. Woirliayo. Die mei¬
sten Einwohner d*»s Ort**» befanden sieh auf
thfii Felde. Jfiiifo kam zu spät. Dan Gebäude
brannte vollständig nieder. Es konnte nur we¬
niges gerettet werden.
THIONVILLE. — Dos Steuerimt I in Tbioa-
vilfe ist von Nr. I» narb Nr. i:t. Avenue Al-
hert-l' T verlegt worden.
Schwindler nnd Banemlänoer. — Man
schreibt dorn « Thionvillois » ; Unter grossem
Tamtam halte ein Schwindler unter dem Namen
(.harlol das Di^lenhofener Publikum zu einem
« iiinu*anten » AIk-imJ im Coliséo eingeladen.
Gliicküeherweise waren nur wenige «.einer
inarkteeJiroteriseiien Einladung gefolgt. Es wäre
verlorene Muhe, den Unsinn zu schildern, den
dieser Mann vorzufüren sich «rdrcislcle. Als
Tiersliminenimilator stellte sich dieser saldiere
llorr dem Publikum vor. Da ihm das fmiticren
vou Vierstmimen selbst nicht gelang, so ver¬
suchte sich das Publikum zutn Zeitvertreib
selbst in dbwer Kunst, und bald rauschte eine
Pteim’rwcjchcndü Tferslimuicasy/uphonte durch
den Saal, so dass man sich auf dom Dhdrnho-
fener Viehmarkl versetzt glaubte. Als erstes er
griff das «Orchester* die Flucht unter fr.-iwil
lieber VerzkhlloUluiig auf sein Honorar. Oliick
lieln-rwoise bracht,. ein Herr nus der Mmg.
durch einige wohlgßlungemt Bewegungen slilr-
miJK'lii' Heiterkeit j n diese. Das Publikum nahm
zuletzt eine drohende Haltung an und verlangte
unter Zuruf wenig schmeichelhafter Kosenamen
die Ibickbezah'img EinlriH>»e!dr« (dm Ktei-
mrkeit von 3 Fr. pro Person). Vor dom l/>kale
erwartete die mit allerhand harten Gegenständen
bewaffnen Menge den « Künstler », um ihm bei
«einem Erscheinen einen f.-icrlichcn Piupfang
zu bereiten Ob Chariot mit heiter Haut davon
gekommen ist, bezweifle ich. Wie ich höre, will
er heule in Metz auftreten.
lionne ohanci' !
Wie kann soteh ein Schwinde: v.>rhnnmu n Î
Dadurch, dass der erde beste hergelaufene
fremde 'Hirn- w« itérés «Iio Erlaubnis zur Abba'
tung ums solchen «Abends» erhält
Der fiemeindi-ral liai, wie wm seinerzeit
nii'teiltrn, eine Beschränkung der Tnrizverrnö-
gütigen verfugt und damit den Beifall aller ver
»duftig Denkenden gefunden. I'iuso mehr er¬
staunt is( man über folgende lächerliche. j.»1es
gesunden Menschenverstandes bare Ites'Vutinn,
die die sozialistische Partei der Kre.se Di.d'-n-
bofen O.sf West und Dolchen gefasst hat :
« Gegen den Missbrauch des (h-rneinderats
von Db di oleifen, der das Tanzvergnügen am
SonnUg eius-’liränkeii will. Wir verlangen, dass
lie Verhältnisse so bleiben, wie sie bis jetzt
waren. Wir werde n nicht dulden, <la«s man dom
Proletariat das einzige Vergnügen, was.M hat,
Nr. 0. - Feuilleton der „Mesc ! * und Saar-Zeitung"
Nachdruck verholen. — Alle Rechte Vorbehalten.
Frankreichs Knss
«Ich bin Frankreich, Ihr seid das Klsass,
Ich bring Eucli Frankreichs Kuss!»
livt una ihr ll'iirf«, du m Juhrr llll l
ilrr («Vorrat Jotfrr nu du llc oft oer
tun Thann ruhlrt*.
Von J. und P. n/.GAMIiV.
Frr nach dem Französischen von t.nr -Alsa.
(Fortsetzung.)
Erster Teil.
IV
Die AHenbneher (ieseüsolinft *
Antoinette, seit ungefähr vierzehn Tage«
angelangt, luilto in Begleitung Fräulein Zorn
einige Besuche abgestattet und den Kindern
Klavierstunden gegeben. Aber bis jetzt hatte
aie noch nie tils Gast im intimen, vertrauten
Familienkreis geweilt, sich noch nie als
Sängerin enthüllt. Um so grösser war das
Interesse, mit dem man sie umgab.
Vor dem Klavier sitzend, sang sie mH Kunst
and Melodie, mit ihrer weichen und dennoch
Marken Stimme in hohen, gewaltigen Töuen
die schmeichelnden Worte dieses süssen,
berauschenden Traumes, Beschwörers des
blassen Funkeins der Nacht — wuhruud die
beiden Kerzen mit ihren Strahlen in ihrem
schönen, leichte» Goldhaar spielten, und
seltsam, dio leinen, rosigen Züge des last
kindlichen Antlitzes beleuchteten
CopyrigU» hv J. und F. IUgamey 1IG8-
wegnimrnt. ln einer Republik soll das Recht
der Freiheit respektiert werden. »
Hierzu bemerkt die «Lothr. Volkszeitung»:
Wie gering schätzen diese Helden unser Volk
ein, wenn sic die für dasselbe direkt beleidigende
Behauptung aulslcllen, das Volk habe kein an¬
deres Vergnügen als den Tanz; und oftmals was
für eia Tnnz I Und die Familie, die SelbsU») •
dung, Spaziergänge usw.?
GANDRANGE. — Ein aUri*x Bannwait. —
Seit Juni hat unser Dannwart Rondel 100 Diebe
prolokoJIierf. Möge er viel» Nachahmer finden,
damit den Dieben endlich mal das Handwerk
gelegt wird.
BOULAT. — Der Administrateur des Kreises
macht dio Bürgermeister darauf aufmerksam,
dass diejenigen Landwirte, die russische Kriegs¬
gefangene als landwirtschaftliche Arbeiter ein-
stellen wollen, ihm ein diesbezügliches Gesuch
mit folgenden Angaben einzureichen haben:
Umfang ihres Betriebes, Fatnilicnvcrhälnisse,
zur Verfügung stehende Hilfskräfte.
Dir« Gesuche sind dem Administrateur mit
dem begründeten Gutachten des Bürgermeisters
versolien, vnrzuleg<n, und werden mit dem
grössten Wohlwollen geprüft werden.
Landwirte, die die Absicht haben sollten,
rieh russische Kriegsgefangene auf andere Weise
zu verschaffen, werden ganz besonders auf vor¬
stehende Bestimmung aufmerksam gemacht.
Sio würden durch derartige Missbrauche Gefahr
laufen, unbeschädigt der Unannehmlichkeit- -,
die aus solchen Unregelmässigkeiten erwuchsen
könnten, die Zutoiluug russischer Kriegsgefan¬
gener vollständig zu unterbiuden.
— Etwa 30 russische Soldaten sind auf dem
Flugplatz IJrmlay cinttelroffen. Beleihen waren
vor dem Abfall Russlands ahlransporticrl wor¬
den, um in Frankreich den gemeinsamen Feind
zu bekämpfen. Von den Deutschen gefangen
genommen, wurden sic beim Waffenstillstand
von ihnen zurückgeinsacu. Sehr ruhigen Cha¬
rakters, von fast kindlichem Gemüt, belrinken
sie sich leicht. Dio Bevölkerung wird daher ge¬
beten, ihnen keine Getränke zu verabreichen.
Wirten ist es untersagt, einen betrunkenen Sol¬
daten zu bedienen.
FORBACH. — Neobenennnng. — Die* hiesigen
Kasurncu haben neue Benennungen erhalten.
Die Kaserne K'i’her (früher'* Trainkuserne),
heisst nun caserne do Guise-, die Kaserne Rabl,
(frühere Infimlnriekaserne*. ca.-nne Généra,
de Buteille; das Mihtiirlazurelt heisst jetzt Bö
jutai militaire Murie-Madetcine
BOUZONVILLK. — Sambewegnng. — Man
lullet uns um Aufnahme folgender /.eilen:
Sonntag, den 2H. Sept-, nachmittags 35* Ul.r,
fand im Saale des Hotels « Croix blanche > eine
guthcsurhle Versammlung der Saarländer d
Kreises Holclien slutl. Leider hatten sicli Gi<-
Miteltefter aus den entfernteren Ortschaften ih
Kreises durrii die -.riitechte Witterung ahhultni
lassen, dieser Versammlung heizuwohnen. Es
wimlo an Stelle dos nu«ßo= -hiedenen Schrift
führers der Ortsgruppe üouzonvillc, Herrn Haas,
Herr Ingenieur Weber einstimmig gewählt. Di
Wahl des Kreiavcrtretein fiel auf Herrn Ulumann
Hnlzli&tidler in Hargarten.
Hierauf erteilte der Vorsitzende Herr Rnck-
stuhl, Herrn G. Fine aus Metz das Wort, dir in
längerer wohldurchdarh'er Hidc dm 7.wt-:l;
und die /ule der Vereinigung erläuterte und di<
bisher erzielten Erfolge den Anwesenden mit
teilte. Lauter Beifall wurde dein Redner zu feil
und zcitu’hm seine Au f'diniiigcn eine reg.
Aussprai lie.
Nach Aufnahme oiruT Reihe neuer Mitglieder,
-chions Herr Uuckstuh! dio Versammlung mit
cinnu freudig aufgeimiiuiieucn Hoch dem Saar
laude, dem Ldhnngcrlaudo unJ Fidiikreicli.
— Hio Porceptiun fSteuerkassiö Hotizoiiviüc II
lii'fiudct sich vom 3U. ScjiUnilur 1011' uh im
Hause Nr 222, rue do la France, in Bouzun
ville.
GROSULIEDE5TROFF. — Zwei mlw: hem-
deutsch.. Krieg 1 -;" fangene versuchten am M< 1
tag früh. I- i Taivsnnhri’ h, hei der M-dilii di.
Syar zu liher-ilindten. Einem frnn/i.-i-.-hu,
DimaniiT, der durch einige Rrowtniies--5..i .•
dm FUiclithngc zum Hallen bringen wollte, y
iar,; es erst dann, dieselben feslzunrh. ich, a\
lik'.-cit cm {»a.ir Kugeln aus den E .uti!
zweier ambrer Grenzwäehler um die <>hr<f
jiliften.
REMELrANG. — Unfall. - Ein Bauer von
liier fuhr mit 2 am inamler gehängten Wagen
nach H .i:-c. Ein Kind setzte sicli unbemerkt
auf den Drtrhsci des 2. Wagens. Es fiel herunter
und ein Bad ging ihm über den Arm, wodurch
ejj einen Sehlüssolheinhruch crlill. Leicht hätte
eu das T.i-l.i-n kosten können,
WÖLFLING. — Ain Freitag, 2G. September
wurde der in Jägerkreisen gut bekannte alte
Krimbricger Heinrich Brundaller im Alter von
86 Jahren zu Grabe Betrage«. Es WRr ein Mann
von offenem, ehrlichem und gerechtem Cha¬
rakter.
EARREGUEmVES. — 8chl«aer«L — Ohne
üble Auswirkungen konnte natürlich üe Nach-
kirmt-s nicht vorObergehcn, schreibt der «Cour-,
ricr de la Sarre». In einem Lokal entstand
heim Tanz unter einigen jungen Burschen ein
Streit, der nnch Schlufs des Balls auf der
Strasse ausgetragen wurde. Schließlich ging
man zu Tätlichkeiten Ober mit dem lle.-uillat':,
das» der eine der Streitenden seinen Geßner mit
einer Flasche über den Kopf hieb. Ihn Flasche
ging in Sclierhen, der Angegriffene kam mit
einigen Fciiuitlwundcn davon.
STRASBOURG. — Gedenkfeier. — Eine ein¬
drucksvolle, schöne Feier fand am Sonntag um
lü Uhr im Botanischen Garten in der Aknd. mie
Strasse Malt Wie noch ::«r manch, in Slrs«s
hurger erinnerlich ist, sc hreibt 4iie »Str. Neu»
Zcilving », wurden dort, im froheren «D«k:«rs
garten», die wälireud der schweren Ite'agenmtr
von 1870 Getöteten, Rur/er und Soldnern. !■«
graben. Hin Denkmal, einfach und doch erhe¬
bend. skht in diesem G irten, als Z--a.-li.ii iut
kommende Geschlechter, für das, was Stras¬
burg in ji neu Tug'-ii dur. iuiiachen musste. Ge¬
stern. an dom Tage, da es fü .fahre wur-h-n,
dass Slrassburg mrii dem an KrafU-n weit Ulur-
Itgcnen Feinde ergaben mu»sle, legte da» Co¬
mité central de réception «luvh dei' !‘ra* !■ n
teu, Herrn Fritz Kieffer, einen Kranz au D. nf.
mal jener Helden nieder. In markanten Worten
schilderte Herr Kiclf*-r die Schiek-.i!.. und 15<-
drängnisse j«-iier heldcnli itlen Schar, *ii<- unser..
Sladl verlcid gtè. Fmdirh ruh/ n •>:>• nob'-n
einander, Kämpfer uwi Nielttkörnpfer. und
man ihnen 1873 ein Denkmal scdzle, unlcrsi"!*
die deuts« lif* Regierung pd.« tnsHirifl. Nur de
s«'h!ii'ht.' und doch ImtwIIc Z » f i 1 • 1870»
schmückt den Stein. JMis; Jahr kane-n 4:«-
S'r.is-sluirg.T und legten hmi'z.e nieder an <(■
Denk'ua’, ab. r gestern war cs da- er«'-:n.-i l >• •
Pl Jabrun, da«s franztis, »-hc Brüder ihr Grab
lunstandon, dn» crstcim 1 nach einem ba'ben
Jahrhundert, da»« die liinreiS^nde «Ma:
taise » über ihr Grab hinbrausic. die siegreichen
poilus ihr Gewehr vor dmen präsenti.Tten. i^as
E'.-a*; i-l wieder franzi>os«:lit so wie der p |l -'
ImniüilclluikrHiiz auf l'lau \vei=s-rol(r Sch-
e» knrul tut. Sie werden in Frieden ruhen 1 Nach
ihria Ki.fh.r ergriff Ibiicral Ilirschauer da-
Wort nnd nudi er wus-'e in warmen Worten
du- gruss'-ii 'laten jener Helden zu t»r«- n. Du a
•iigre'.-*hi Frankreich i.-l jenen, die lieu'., noch
. 1. n ur-l 7 ugc do gr-i-.-en Ruhmes «..nd. von
.j.'iuzein IR-rz'-i» danfcba» Der Marsch « Sambrc
.-1-Meusc ». von der Fanfar» ■ Srüemk Vogesia .
/.-pielt, iHiloss die >e,.r. und die erwlin-uem n
G;i»ie, uuli*r denen wir auch die Gi-m-mV Ger
nesi'on. Fetter und Tauflieb, sowie Rur^ermei
• i"r Peiro*' 1 » bemerkten, zorslreuh-n sich.
KUFACH. — Uiitcr und Mobiliars r»U ige
nmgui halHin hier und in «len miiüez-ndai Ort
-■'haften dieser Tage vielf.K'h -.'aDgefuiai' n. Jb:
In-.»n V.-rsleigeningt-n sind t*- - l'-r'..-.. "rzu-it
orden. «he beweisen, da .< noch Ge’<l unbrde»
|,r ulen ist und dass eine r.-ge Kauflust biflleht.
I 4.- eineinhalb tr gro^'s Slü* k D'oR n. G is sich
/iüii Gartenland eignet, sind fiO') Fr ;"’Z.ih.l
."i kn, »ähr>-:.d <kr Kautpr*us lur .m l’.el;pn
.-•*k. ein \r gr-ns, auf ülier IRK) Fr zu «lelicn
Z'ko*iKncn mt. Hei den Möbolv«.- .geninccn
'iiei ebenfalls fast minier zahlreiche Le hliabc r
vorhanden, so 'las» mich hier Erlöse nufkoin
men, die de- N.-u-msrhaffungskoten i-ps über
-u-.^en.
HAGUENAU. — Tnbakmannlaktnr. - Im In
teresse (Rt ßöitstig.-ii Eiilwu kImiß der wied-r
•I riehtelen Tahakm'iniifnktiir wird vom Gr
niejiidernt di>* Notwi müßkeil betont, das» sich
die Landwirte in Hagnrn.m und (hiigehur./
wieder mehr auf den Tabakbau verlegen, zumn'
dieser in /.iiknnfl sehr lohnend zu w.-id.n ver¬
spricht.
EICHHOFFEN. — Landflucht. - In h.esiger
Gunieinde znli.l man 3lîf> Einwolir r Von di<-
„n sind nicht weniger als d.< im Dien»* 1
-n-lien. sei es im ESass. sei <s m Frankreich
\n dieser LandlUi.-li'. ist zum Teil Schuld d..
zur Zeit bestehende Teuerung, zum Teil auch
!■ r Mangel au \rl>• : ' Diese Landflucht ist ein
/eichen der //m
SULZERN E.n Ihirn< k-i.d uf mtsteli'
ji'tzt in unserem Ta Jeder Ihirgcr hat sich n>
i>en der Rc.m •• r- Haus..- <-in< hölzerm-
Hülle errichte!. Amli die Kirche »-mdi? in JJ<dz
rrstetll und frcundlnh grösat jetzt das C»
hau» mit Türmlein und Kreuz atu Eingang <1< >
D >r(u^ und nimmt dem Huitnitchen ivn- dun
Wanderer etwas von dem Druck, der inmitten
all der Ruinen immer wieder auf das Gemüt
.sieh legi
•^aar- Becken
SARREBRUCK. — EisenbnhnnniMck. —- Am
Samstag Abend gegen 0,30 Uhr fuhr ein von
der Pfalz kommender Zug im hiesigen Haupt
hahnlinf auf einem and<rn Zug auf Ris um
9.45 Uhr waren 8 Tote und mehrere Verlelz.ie
gefwrgen. A’s Ursache wird das UdKTSehcn de»
geschlossenen Kinfuliraignals genannt.
Dio Kriegsweklfahrttpflega 4er Bttdt Saar-
blicken. — Nadi einer Mitteilung dis Beigeord
nefen Pr. S.irlnriuti in d.-r letzten Stad'raN
Sitzung beträgt die Gcsambusgahu der Stadt für
die Wohlfahrtspflege während de* Krieges 2T>
Millionen 100 000 Maik. Das Reich hat von die¬
ser Summe 73 Prozent zurtbkuratatti-l, wäh¬
rend zu I.sshn der Stadl Saarbrü/ken l'r -5
Mi n .i'm'.-n Maik fallen.
Eine StenaeTmäMngnDy ffti Kriegteilseh nier
wurde in .Jer gestrigen St.idtrntasilz.ung b*«eh>*»
seti Sofern das veranlagte Einkommen 0500 Mk
nicht uhersteiïl. betrugt d'T Nachlass hei L«di
gen lU 1‘roz. steigcwl bis 33 «in Dritte! P..>z
bei Fntn:'ienvH*.ern. D*t Steucrauslail für die
Stadt Sambrückcn heiauft s'cfi zufojg.- d.i3' ->
Reschlur-.-s auf rund 300 000 Mk
Zazou iernhalten! — Di« Stadl Suurbru/ k' n
machl darauf aufmerkciui. dass jeder. d<r idme
Erlaubnis des Mieteiiiigungs.uiilos zu/.ieht, sich
der Gefahr di-r 01>dö«:ii!“sigk'*il au--s.-tzt Auch
auswärtige Käufer von Häusern in Saarbrücken
können dieselben nicht beziehen, da diu In¬
teressen der einheimischen Mieter in erster Li¬
nie te-ru« k*!'-iitiiU \v. rd'Ti.
SARRELOUIB. — Elektriaianm,') des Saar-
koblenknuals. •••• Um die Iferanfuhning der
S-.<r und Ruhrk-di!'-« zu }» * b‘'-imigen, h'0
da» franziisische Ministeriiun der öffentiielu-n
Arlieilen <'iii<n Wettbewerb eröffnet, zwi-'ks
Einrichtung <'im ri-.di- ti 5> li -le./.ngs der
."•■dufte auf dein Saar-Knb "ii- und d"jn B' -ki
M • rne Kami:.
Vermischtes
Eine Falichmflnzenmkstälte aasgehoben.
Berlin, 29. S-pt-mber — Die Fal-.-hge'd
1>. irbcitun;:--U-!h- »1er ltei,-h>bank Imb c:-,..
Panknob-nfalscli'-r Werkslultc aus, in Oer man
falschen Paptertu.-lrt in Röhe von 300 000 Mark
lies, b'a-jri:. 1 ‘ Hit i " • -i- •• N'.it-n war <-:«•
«.«vi«err B - 1 1 , dissuj l'minüe, üiu 1 rau
'•r.-l zw. j K.i. 1. :. aii : Herst eil urg der fa.schen
■ji) M irt-Nnl. n imi.i'i" -te. Die Prusse, aut d'.r
’i N. i'..|| .i.'pi wurden, ’i-f f u 1 . u-1
Nnd.' 4;- «d.efj i-rn'.ihn!» u 3 >’> te’ 1 . 1 Mar).
[■ rf.".e-t. llt warun, sltüte j. in.-n
« B-'trieb » ein. um fur f 1 ■ • :. Absatz des Oelde-
,- i wiiiii-a. Er vergrul. d.e Ma-.lumn und a..<
''.ibnlM'tenkmiUe:. InzwiscJicn hatten ater du*
1’ ! i.rd « vnri der Angelegenheit Wml |>ekom
n • •' ri'O (i.i- Nest ;ii|sgi-!i.i:e .
Die o c Ta.~eltcn Sclinhe ala Verräter.
Im Veit u.r ii-'ii Apni 1.> >r ■ der G.-ni'üidc
fi..-i« r V«.:; '11 1 ‘• in/.-ii im Ziiiu-hi-r Bezirk Pfa!
li!,. i. ii.u-his einen Schuss fa!!>n D.i er ver-
inu 1 ' • i-. di-s Wilderer au der Arbeit s.-ni könri-
i.'i. i'hi.-J «r scinm Snhii in den Wald
Im.*:.-, um l'r.i-ehnu zu InMrn. D. <or lei-t.-i
der Auifnrd. nun' unv.-iz- /'n h l-'nlge. Im Walde
•ihr. ' .iiiiiiii-!i, 1 ntdeckte er bald mir dem fn di
iv IhI'.-iii'i, Sri.nee eine l-'u««spnr A's er diese
vinf 11 ;l... gewahrte er zw-i weitere Spuren, <ln-
It.'i- «sOrh n.-irh einem J'lalze führten, auf dem
• friseh nlige*ehns«enes Reh lag Weit und
Ir« 1 1 bemerkte er niehimul, \\ « ►rauf er die Fues
; .,ri ti etwa 5 näher hr-trn-ld. te Zwei der.se'l*'"
lii-leti i!,:u e-n / liesiuub rs auf l'Üitz'teh ■ ran
n*rl.* e r -mh. da--, er « r-=t kürz'ieh zwei B--i
•b rn It.itiniann die Schuhe geflickt halte; dem
; d n hatte er drei/.-iin Nap.-’ in einen Sebuh
. rbhi.;. n, dem amh-rn itiiiTi Fleek auf die
'-•ihh. hcfusti. !. B. idr M-ibinle w..r<-n d.utüeh
•-l.i-i'iibiir im Sidiim, ab;- z. h hm t. Gestützt aut
: ii. • Wahrnehmungen machte cter Pürsler der
P'i.’i/'-i Anzeii’e, wur.i'd dm Manne* verhaftet
um h n. Ein Auiv-n*. In in ergab die Richtigkeit
.ter V imutlim’. <1. - I iir-t* ' -. die Schuhe pas«lr*ii
\ i"-l i'-d.-g in die Ahiirncki* Obw..h! su: h-m.'
und riut. ;i. , !cr'< i tn-Fu bten Kamen, '.-r
,i -111 ! . da* lh zirk -lu di- D« : -î> n lua-vh r
ind i inen dritl'-n Wi'd.T.-r zu finir (leldbusae,
die mich (‘if.dglc-r A|'pe' l a(hil' an da- Ober-
••-llflll Vl>n In -(."I ’if f. WtlT'}’.
Fic TinpeniUgcl. ein Qatomctcr der Gesundheit 1
Ihn Pari--: \r/.l ba’ ■md'-k*. da-« man von
d "u A'jsiobej) d»-r l' .ii, - a..;- ! auf <1.- O— : nd
h. ,i i h'ie-.-u kann K:nu »i F .s-k'-n auf
den Nageln sind Z-ichen einer schwatikenderi
Gesundheit, einer Hautnervenkr.inkheit «1er
eine» Anfangs «1er Tnl«’rkulose. Du’ inaniK»rn-r-
len Nägel lassni auf einen weniger gefährlichen
Zn-.’.ind *«-h'i -'ti. dc-r immerhin die Aufmerk¬
samkeit der Acrzle auf sich ziehen nifissto. Ir¬
gend eine Krankheit dürfte im Anzug sein Di«
rosenfarbigen Nägel sind das Zeichen einer gu¬
ten Gesundheit, falls Pulver und Paste an dieser
Faibe keinen Anteil haJmu.
Di« Schmuggler der Lflite.
Der eifrig« SchrmiggeL der gegenwärtig in
d<-r Luft betrieben wird, ist ein« schwere Gefallt
für alle Stauten, und diese (««fahr wird cr*f
noch ernetcr werden, wenn da» Fhegor erst all
gemeiner geworden nnd die J.uff « i'iirrnmnim
M eg » Ut. Diu Behörden werden daher sehr
bald .strenge Mar-mtlinieit gegen die Schmuggler
der Lüfte ergreifen müssen, denn es liaiule!*
sich ja nichl nur um die Kapitalsftedi!, de*
(las I -URzeug bei uns heute in erster Linlr
dient, sondern ühorhaujit um das Sdimugget»
wertvoller Waren, die dein Zoll unterliegen
mOsilcn. Der flcnif eines Seltrnticglers der Lüfte
ist von einem gewissen romantischen Reiz um¬
geben, nicht unalir.üch der Anziehungskraft, di#
Trüber da» Leben d » Schmugglers auf de«
.'/-fefi Huden be.- i-'«', ;i'.h diese verwegenen Ge-
.•.'‘Len im v .'den Grt»ive und dichten Wald ihr
Lnwesen Iriehen. \:e!!eichl wird sich der Aben-
t.'urerrninan d'T d- n fyhmuggler von hundert
Jahren so oft zum He den einer spanm-nden Ge-
.--•htehte machte, auch der Luftschiniiggler und
ihrer jihantastisdien Erlebnisse bemächtigen.
Jedenfalls verlockt der Lullscbmuggel schon
lu-ute so manchen, der sich zu einem gewöhn
'i.-hen V. rl.re- !i- n nicht herli/'üasscn würde.
Dies iH-'unt cn höhei-T englischer Z<i!!heainter,
d- c . h in fter < Daily Mail * mit den Mafli-
n ihm. :• gr:'f-n d-n l.ul;schinnggc! hi*i-!iüftigt.
« Dies Verbrechen, das einen so rfunaiitiseheii
\rr<'iz biete!, irt ri.•:-?.;«*) pefülirlteh nnd duppn-t
-■ hv. :■ ng zu la kamj f. n » sagt er. «Der .Schmug¬
gel vi.n Tabak, Ppiritunsen, Parfüm, Sacharin
usw hisst sich schon heut.- ziemlich leicht be-
wprksiclligen und bringt ganz ungeheuerüche
Gewinne, Su 1"-trügt z. R. der Zoll auf Sacharin
132 Mk. für das Pfund, und man bann sich
daineli au«n‘fhrn n, welche Riesensumme ein
Srhin-igg!cr verdient, der ein» Tonne Sacharin
d. r Aufincrl.-aiukejt ij.-r Zollbehörden entzieht.
Ai-hiiüche Gewinne wirft das Schmuggeln vor»
/ü’-rren. Zigaretten und Tabak überhaupt ab.
W i’i-i r ' . i- i".- I.uftschiffw« ge eing rt -
rtebtet tein w-rdon. dann wird die Regiernng
au df-r Riuv.iu Kürt- Sintion-n mit Fliegern cin-
richlen miteS'-n, d*- die Luft nach Luft-
!i:; - . 4 .Mut der Flieger, de* bei
; A "'ht ! lllll U’.i I. Üdimtrn Wegen seine»
>-|.!i ’i;'. ' b« te.- I.i k irn ib-n Luftpo'izisten
' H't ev'-' ’ • i-'s m ?«» daher jede» unhe-
fi- r Ue uni ' • . /. ;i :iaeh .Mtighehkeil
ub* rfi.-iijn vertun-,'«-.; v,crd,n. Flugzeuge, die
un Dienste d-s r> i i ■•lecsigen Handel» stehen,
-, n 1 ■ • n ■ ■ - r* 1 B. ..'liF.V .- -elioin;
• i» werdeu. wenn sic v m au-warts kuniiueii, aa
feil \. f, .' t f(. -. 7 f ing. ru ht.-fen Ffug-
n!.it/cn landen, nuf i;cn. li *>i.-li /.i'h-'tatiorien
■ 1 ,: -fen D -r !... r I muRgler aber wird sich
auf diesen idlmete-n Pfatzm niclit sehen
—<-n ; er v.rd irg-idwt» einen verhorgfinen
i v; -tz hat» r. , n ! dm AuNjuirung dieser
''•l.nniggclii’iil/c, -.»wie die Kontrolle aller ver¬
dächtigen Id-eg-r, de «ich niclit ausweis.-ij
i.uiin.-n, wiid de- ! te, ii ; t.iufgabu der I.iiflpoliz.u
f • d"n 1 ' '.ui r -.*ge! ttekämpfen soll.
Gemeinnütziges
Lrdbccrptlcuc. Wie häufig wird über ein man-
. eüiaftc» Ernteergebnis der Erdbeeren Klage ce-
: ,’irt und Jk-sjs daun «1er l'.iRunst des Jahrgangs
/ucescbric!»en. I.«•:/:«..■< ; !i.rt mebt immer Bcrcch-
t.gung. w«.-ai-.-«v.:is t,.-uMn demselben in vklcfl
Iahen durch Rccigncte V.wsuahmen vorgcbcugl
werden k:ur>. ^o so*; inan sich ineht damit bc-
Kiiiigcii. die Li.ilieerranl-.en un dominer iimlHeilwt
.ib/iuiL limcn mul d: •> 1 it.d durch Bodenbearbei¬
tung litckcr und unkrautirci zu halten, vie’mehr
im Spätherbst ‘»der zu Anfang des Winters auch
die ganze BodcnohcHinelie nnt strohfrwcni Pfcnic-
dtingvr (Rosslwllenh wovon man sich durch arme,
diesen t>unvrcr auf der Stusse sammelnde Kinder
ilbcral! eine genügende Menge beschatten kann,
überlegen, um dadurch c Erdlwcrwiir/cht vor
Nachteil durch fteostbevliSdigtingcn zu !*cwalircn-
Man liai dal«! Jedoch die Vorsicht zu gebrauchen,
.lass niclit Jus Merz der Pflanzen zucwtcekt wird,
da dies ein Eingehen derselben itn Gefolge hätte.
Eine sofefic Winter Kopfdüngung fordert bei
-.-■ckcn gelegenen und unter Bäumen bciindliehc«
ttiübccrbcelcn auch du Sicherung der fiir diese
Pi’anze überaus n-twendigcn WintcileiiehiigkeiL
\\ er cs sieb amrrii-cen • . ’ diesen Rat tu he-
iuigen. wird sicher dafür niclit allein durch rei¬
chen Fruchtansatz, sondern auch durch ausserge-
wfthnlkli vollkommene — grf»sse und sehmack-
l, a j (e _ Priichtc vo llauf t>ci»liut werden.
Der nbi'IrHnkteur- G. Lhnütier.
Ohoo iojflichc Schiiclitcmlicit sinig sio mit
dem ihr gewohnten Wohlbehagen. Keiner
rührle sich. Dio Zuhörer lauschten entzückt,
und als nach clor Beschreibung der inomlliHlon
Nacht 'die Seele ihre Flügel aushreitete»,
brach am Ende der Melodie eine ungemeine
Begeisterung aus; herzlich und wurm wurde
sie beglückwünscht.
«Oh! wie schön, Frlitilcin, gewiss Sie sind
eine echte Künstlerin», lohte Georges Heckert,
während seine Frau ihre schöne Stimme
bewunderte und besprach. «Viel Talent»,
wiederholte kopfschüttelnd Bertrand und der
Arzt, seine grossen, weisen Blinde gegen¬
einander schlagend, beugle sich nieder, um
Helene Zorn leis zuzuflüstern: «Hehr gut,
Indellos, mein Fräulein.gewiss Sie
butten eine glänzende Idee, diese junge Dame
kommen zu lassen. Hei unseren musikalischen
Abenden knnn sie uns sehr grosse Dienste
leisten.»
Helene war überglücklich über ihrer kleinen
Freundin Erfolg, Helle, echte Freude verklärte
ihr schönes Gesiebt und lies» unter der leich¬
ten, weissen Baarhiille ihre dunklen Augen
auflcuchlen.
Antoinette, begeistert und cr/reat über diesen
unerwartet liebevollen Empfang, sang von
neuem zwei, drei undere Stücke mit der
gleichen Meisterschaft.
Da aber alle Worte deutsch waren, frag
endlich der Doktor: «Warum, mein Fräulein,
singen Sie uns kein französisches Lied/».
Antoinette blickte verwundert zu ihm auf.
«Warum?, ich kann kein Französisches....
mein Herr.
«Gewiss?.gar nichts?»
Da lachte sie. — »Gewiss, nichts,.
gar nichts.
«Na, da gebe ich Ihnen einen guten Bat.
gestalten sie .... den Hai eines Freundes
.lernen Sie französische Weisen und
bei uns linden Sie noch mehr Begeisterung.»
• Ich kenne die französische Musik so
wenig.»
«Schadn! Herr Biquier wird Union sagen
können, dass sie Ihres Talents wert ist. I'nd
was uns anbetrilll, wissen wir Fio nach
Verdienst zu schützen.»
Antoinette begriff die begangene «Dummheit»
und sie errötete.
Und als dann einer inner Augenblicke des
Schweigens cintrai, während welche« wie
die Well in ihrer Einbildung behauptet —
«ein Engel vorlieizieht» erhob sich plötzlich
dio entscheidende Stimme des kleinen André
Heckert, um mit der Autorität eines verwöhn¬
ten Kindes miszunifen: «Ja, Fräulein, gewiss
müssen Sic uns französisch Vorsingen, denn,
sehen Sie, wir hören in der Schule «deutsch»
genug.»
Allgemeines Gelachter hegriisste diesen kind¬
lichen Ausbruch; Antoinette jedoch, die sieh
etwas ungemütlich fühlte, schwieg. Unbe¬
stimmt fühlte sie, dass etwus in ihrer Art
und Weise die Gefühle ihrer neuen Freunde
verletzte. «Eine falsche Note» — dachte die
Mnsikkiinslleriu.
Frau Beckorts Bitte Gehör schenkend, war
Bertrand ans Klavier getreten, um eine seit
seiner Ankunlt im Eisass komponierte Seite
vorzu tragen.
Ein musikalischer Gedanke, der ihm vom
schönen Elsass ciugeflösst war, mul dem er
geschickt eines jener freien, natürlich lustigen
Volkslieder beigofiigt halle. Nach und mu-ii
jedoch trat glücklich ein tieferer Untcr.-alz
ein. und «las kleine Werk endete in einer
reichen melancholischen Träumerei.
• Wie enfzürkend!», sagte Antoinette. Alle
Anwensenden waren bezaubert.
»Ohl, mein Herr», sagte Frau Beckcrt,
• welche Gedanken Ihne« unser Elsass sein»»
ctullösMe nnd wie herrlich haben Sie seine
Stil ne vernommen.»
• Sie, Madame, haben wunderbar meine
Gedanken begriffen.»
• Du hast ihn auch mit klarer Bestimmt¬
heit kundgegebon, mein Lieber», erwioderte
Raymond. «Immer war ich versichert, dn«s
Du lier die Seele unserer Heimat cmpluiden
würdest, deshalb bat ich dich so sehr, zu
kommen.»
Im Ouarlicr in Paris, wo sie gemeinsam
einen Semester studier) hallen, hatten sie
sich kennen gelernt. Bertrand Biquier, der
fast reich zu nennen war und überalles Musik
lichte, imite damals mit Leidenschaft sein
Studium verfolgt, lrot/.de.m er sich auch um
alles übrige kümmerte. Sein feines Antlitz, das
mit den glänzenden Augen an das aufgeweck¬
te Aussehen eines Eichhörnchens erinnerte,
verriet eine außergewöhnliche Lebhalligkcit,
«Das Elsass hatte seine Poeten, seine Gc-
achichlss.-hreiber, seine Kunstmaler; wird es
auch endlich den Komponisten linden, der
ihm bis heule fehlte?», frag der Hausherr
heiler. Wie so viele aUelsässische Fabrik¬
besitzer schmeichelte er seinem künstlerischen
Geschmack; gerne sammelte er altertümliche
Möbel, leuchtende, kühne Bilder au; sein
Stolz bestand darin, zu beweisen, dass er
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nnch andern Fragen als seiner ludustrio ge¬
wachsen sei.
Geschickt sliftete ihm seine intelligente,
wohlerzogene, cinlaeh-elegante Frau darin heu
«Seinen Komponisten».wiederholte
Bertrand Biquier träumend. ‘Ohl
ich moelit' ja so gern! .... Ich werde ea
versuchen. Sie wissen ja, wozu ich'herkant
— um einer Oper einige schöne, frische
Volkslieder oinzu\ crieibcn und in musikalischen
Empfindungen die Atmosphäre der Schönheit
dieser unbeschreiblichen Natur wiederzugehen.
— Und lächelnd: «Wenn Fräulein Gonrad
französisch singen möchte, bitte ich Sie, Ihnes
den ersten Akt meiner Oper vorzulmgim.»
«Gew-is.-», mein Herr, gern will ich’s ver¬
ziehen», sagte Antoinette schnell, hemüh^
■len Eindruck ihrer vorigen Ungeschicktheit
zu verwischen.
Sehe» sie, cs tel handschriftlich, aber, ich
glaube, für eine Künstlerin Ihrer Begabtheit
wird es ein leichtes sein, ihn zu entziffern.
Schnell setzte er sich ans Klavier, währen#
sie mit einem leichten Zögern die Melodin
zu entziffern begann. Und dann, als sie ze
Endo geübt hallo, erbat aie die KrluuLnia,
auch einmal verbessert zu wiederholet)
Zutn ersten Mal hörte Bertrand sein Werk
durch eine Fjuuenstimme wiedergegeben. Mit
des Schöplcrs geheimem Entzücken, der zuaa
ei-slen Mal seine Gedanken Formen nein»«*
sielit, lauschte er den melodischen Tönen, dir
der Kiinstlßrkehlo entquollen.
« Richtig l Ohl ganz richtig I,» sagte er be¬
geistert und mit einer aoiuor lcbbullco Be*,
wogungen, dio ihm den llcbernamon «Eich»
höruchen» — vcrsclctlt hatten.
(Fortsetzung folgt.)
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