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Li« Kaiserlichen Förster and die Gemrindeförster. Dt»
etatsmäßig angestellten Beamten der LandcsbaaVerwal¬
tung. Die Kreisärzte. Das Personal des La^desgestllts.
Die Bäcker- und Fli-ijchergeselleri der Stadt Metz.
Ferner haben sich vorläufig nicht zu melden: Alle Land-
sturmpflichtige» vor vollendetem 20. Lebensjahre sowie die¬
jenigen, die i» diesem Jahre ihr 39. Lebensjahr oollenben oder
vollendet haben.
Durch diesen Ausruf werden die bereits in Landsturm-
Bataillone zur Einstellung gelangten Landsturmpflichtigen nicht
betrossen. Ebenso haben di« zur Zeit bei der Festung Metz
als Armierungsarbeiter beschäftigten Landsturmpflichtigen
ihre Arbeitsstelle nicht zu verlosten. Sie machen Meldung zur
Landsturmrolle bei den militärischen Dienststellen, bei denen sie
beschäftigt sind.
Sämtliche Im Auslände befindlichen Landsturmpflichtigen,
die vom Aufruf betrossen werben, werden gleichsalls aufge-
fordert, alsbald in das Inland zurückzukehren, soweit sie hier¬
von nicht ausdrücklich befreit waren, und sich zur Landsturm¬
rolle anzumeldcn.
Auf die von diesem Aufruf betroffenen Landst-urmpslich-
tigen finden die sür Landwehr gellenden Vorschriften An¬
wendung. Insbesondere sind die Aufgerufencn freu Mlitar-
gcsctzcn und der Disziplinarstrafordnung unterworfen.
La-rbsturmpflichiige, die diesem Ausruf nicht oder zu spät
Foltze leisten, werden mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten
oder bis zu fünf fahren bestraft (Militär-Strafgesetzbuch §U4,
CS), sofern nicht wegen Fahnenflucht eine härtere Straf« «r
wirkt ist.
Es besteht also nur rille Pflicht zur Anmeldung zur Land-
sturmrolle bei den Lrtsbehörden. - Diese Anmeldungen müsten
binnen 48 Stunden erfolgen. Für die Armierungsarbeiter
gelten obige Ausnahmen. Eine Einziehung kommt zunächst
überhaupt nicht in Frage.
I. Landsturintag ist der 20. August.
Beim Dezirkskommando melden sich ehemalige Offiziere,
Sanitätsoffiziere, Detciiuäroffizicr« und obere Militärbeamte
des Heeres uird der Marine sowie Ziviiärztc. Ziviltierärzte
und Zivilbcamte, die von dem Ausruf zwar nicht betroffen,
aber zum freiwilligen Eintritt in den Landsturm bereit sind.
Beim Dezirkskommando melden sich ferner ehemalige Unter¬
offiziere des Friedensstandcs des Heeres und der Mariit«. die
von dem Aufruf nicht betroffen, aber bereit sind zum Dienst
in Offizierstellen freiwillig einzutretcn. Für ehemalig« Unter¬
offiziere des Friedensstandes des Heeres und der WLarin« gilt
dies nur insoweit als sie mindestens 8 Fahre aktiv gedient
haben.
Der stellvertretende kommandierend« General:
(gez.) o. Moßner.
Gegeben Saarbrücken, den 19. August 1914.
Die dritte Verlustliste.
Berlin, 17. August. Der ..Reichsanzeiger" veröffentlicht
die Verlustliste Ar. 3. Danach hotten folgende Ver¬
luste das:
Infanterie-Regiment Nr. 17 lMörchingcn):
Ein Musketier leicht verwundet.
Infanterie-Regiment Nr. 18:
Tot 9 Musketiere, ein Gefreiter und ein Unteroffizier:
schwer verwundet IC Musketiere, ein Unteroffizier. ein Vize-
felvwebel d. 91. und ein Oberleutnant d. R.: leicht verwundet:
17 Musketiere, ein Unteroffizier d. R. , ein einjähriger Unter¬
offizier. ein Leutnant d. N. und ein Stadsorzt a>. R..- oerm-stt-
0 Musketiere und ein Unteroffizier.
Infanterie-Regiment Nr. 20:
Tot IC Musketiere. 2 Gefreite, ein Unteroffizier d. R. und
«in Mzcfeldwebel d. R.: schwer verwundet 21 Musketiere, ein
Gefreiter, 3 einjährige Unteroffiziere, ein Bizefeldwebel d. R.
und ein Leutnant d. R.: leicht verwundet: 11 Musketiere, ein
Gefreiter, 2 Unteroffiziere d. R. und ein Bizefeldwebel d. 91,°
vcrmistt 51 Musketiere, 1 Einjährig-Freiwilliger, 11 Gefreite,
2 Unteroffiziere, 2 Unteroffiziere d. N.. ein Bizefeldwebel und
ein Bizefeldwebel d. R., sowie ein Feldwebel; erkrankt: 2
Musketiere.
Füsilier-Regiment Nr. 33:
2.or: 2 » jjwuieie, u Gefreit» d. N., 3 Unteroffiziere, rin
Unteroffizier d. N., 3 Sergeanten, ein Leutnant, 2 Leutnants
d. N., cm Oberleutnant und ein Hauptmann; schwer verwun¬
det: 10 Füsiliere, ein Einjährig-Freiwilliger, 3 Gefreite, 2
Lizcseldwebcl seiner davon gestorben), ein Feldwebel, ein
Leutnant und rin Leutnant d. N.; leicht verwundet: 17 Füsi¬
liere. ein Gefreiter, 2 Unteroffiziere, ein Einjähriger-Unter-
offlzier, 2 Unteroffiziere d. R., ein Leutnant, ein Leutnant d.
R.; vermiet: 31 Füsiliere, ein Gefreiter d. R, ein Bizefeld-
webcl.
Füsilier-Regiment Nr. 35:
Tot: 23 Füsiliere, drei Gefreite, ein Unteroffizier und ein
Sergeant; schwer verwundet: 22 Füsiliere, 2 Gefreite, 2 Unter¬
offizier«, 2 einjähr. Unteroffiziere u. 1 Unteroffizier d.R: leicht
verwundet: ein Füsilier: vermiet: 11 Füsiliere. 2 Unteroffi¬
ziere L. R.; gefangen: zwei Füsiliere, ein Unteroffizier, ern
Feldwebel und drei Leutnants.
Füsilier-Regiment Nr. 40:
Tot: 5 Füsiliere, 2 Gefreite, ein Unteroffizier d. N.; schwer
verwundet: f! Füsiliere, 2 Unteroffizicre; leicht, verwundet:
ö Füsiliere, ein Unteroffizier: vermißt: 2 Füsiliere.
Infanterie-Regiment Nr. 41:
Tot: 3 Musketiere: schwer verwundet: 2 Musketiere, ein
Leutnant: leicht verwundet: 2 Musketiere.
Infanterie-Regiment Nr. K:
Leicht verletzt: ein Musketier; vermißt: ein Musketier.
Infanterie-Regiment Nr. >31:
Ein Landwehrmann durch Unvorsichtigkeit eines Kame¬
raden erschossen, ein Musketier auf gleiche Weife schwer ver¬
wundet.
Karl Kaüienschinidt.
Wenn nicht alles trügt, erlebt in diefen Tagen, wo die
deutfche Volksseele in ihren Tiefen erregt ist, die deutsche Dich¬
tung einen neuen Aufschwung. Auch 1870 gab es ein Helles
Singen'und Klingen im deutschen Dichterwald. Und doch
wirklich Bedeutendes, dauernd Wertvolles war nicht allzuviel
unter den Liedern jener Zeit der deutschen Einigung. Das
Dieiste ist längst verhallt. So manches Gedicht aber, das uns
in den letzten Tagen zu Gesicht kam, gibt der Hoffnung Raum,
Last das Erleben dieser ernsten und doch so grossen Gegenwart
durch des Dichters Mund der Nachwelt wirklich so. wie es
von Tausenden empfunden wurde, überliefert weiden wird.
Solche Gedanken bewegten uns. als wir in der „Straßburger
Post" ein Gedicht „An die Hetzer!" von Karl Hackenfchmidt
lasen. Ehe wir es unseren Lefern Mitteilen, sei über di«
Persönlichkeit des Dichters einiges SLcnige berichtet.
Karl H a ck e n f ch m i d t ist der Name eines jetzt 75jährigen
Straßburger evangelischen Pfarrers, der nicht nur als Prediger
und Seelsorger, als theologischer Forscher und Bolksschrist-
steller sich hervorgetan, sondern auch von feiner dichterischen
Begabung mannigfaltiges Zeugnis abgelegt hat. Früh schon
regte sich in ihm der Dichter und — der deutsche Patriot. M:t
zwanzig Jahren, am 5. Juni 18 i>j, dichtete der Sohn einer
hochangescllcncn altstraßburgischen Biirgerfamilie beim Anblick
der französischen Fahnen auf dem Miinstertum feiner Vater¬
stadt:
Wehet, wehet, welsche Fahnen,
In die Ferne weit hinaus.
Und verkündet siegesjubelnd
Deutsche .Schande deutschem Haus!
Wenn vielleicht dort drüben einer
Ihnen zorn'ge Tränen weiht,
Der soll lernen: Durch die Butze
Geht die Tür' zur bessern Zeit!
Ei. so weht nur, welsch« Fahnen!
Aus der Nacht entsteigt der Tag,
Wo empor der deutsch« Adler
Sich erhebt mit mächt'gem Schlag.
Wo er schlagt die starken Klauen
In des Dornes Felsenkleid
Und verkündet siegcsjubcknd
Deutschlands neue Herrlichkeit?
Was d:r Jüngling mit prophetischem Blick schaut«, der
Mann sollie es erleben. Ergreifend ist der Ausdruck des Iu-
Infanterie-Regiment Nr. 140t
Ein Musketier infolge Unglücksfall» gestorben.
Infanterie-Regiment Nr. 143:
Tot: «in Dftisketjer, schwer verwundet: drei Mu-keuere
(davon einer gestorben), ein Gefreiter: leicht verwundet: sechs
Musketiere.
Infanterie-Regiment Nr. 147:
Tot: 7 Musketiere, ein Gefreiter: schwer verwundet: sechs
Musketiere, ein Gefreiter, ein Unterofftizer; leicht verwundet:
15 Musketiere, ein Einjährig-Freiwilliger, «in Gefreiter, «in
Unteroffizier, «I» Leutnant d. R.
Infanterie-Regiment Nr. 181:
Gefallen: ein Musketier.
Infanterie-Regiment Nr. ISS:
Tot: 8 Musketier«, ein einjähriger Gefreiter, ein Sanitiits-
gefr«it«r: schwer verwundet: 13 Musketiere, ein Gefreiter, ein
einjähriger Gefreiter. 2 einjährige'Unteroffizier«: leicht ver¬
wundet: 7 Musketier«, «in Einjahrig-Freiwilliger, ein Ge¬
freiter d. R.. ein Leutnant und ein Hauptmann; vermißt: vier
Musketiere und 2 Unteroffiziere d. 9k.
Anfanterie-Rrgiment Nr. 171:
Tot: 2 Atuskelicre. «in Gefreiter und ein Leutnant: schwer
verwundet: 8 Musketiere: leicht verwundet: 4 Musketiere,
ein Gefrei'cer d. R.. ein Gefreiter, ein Unteroffizier und ein
Leutnant d. R.
lilirafsier-Rkgiment Nr. 5:
Schwer verwundet: ein Unteroffizier, leicht verwunde::
ein Gefreiter.
Dragoner-Regiment Nr. 1:
Tot: ein Dragoner vnd ein Leutnant: lchwer verwundet:
ein Dragoner und ein Gefreiter: leicht verwundet: «in Dra¬
goner und ein Sergeant.
Dragoner-Regiment Nr. 5.
Tot: 2 Dragoner: vermint: 2 Dragoner.
Dragoner-Regiment Nr. 7:
Schwer verwundet: ein Dragoner und ein Rittmeister;
leicht verwundet: zwei Dragoner.
Dragonerrcgimcnk Nr. 11:
Lcichtverwundrt: ein Sergeant.
Huforenregiment Nr. 5:
Tot: ein Husar.
Husarenregiment Nr. 7:
Gefangen: ein Husar, auf einer Patrouille durch Franc-
tireurs unter Feuer genommen.
Ulanenregiment Nr. 1:
Schwer verwundet: ein Ulan. Ist inzwischen verstorben
Ulanenregiment Nr. 12:
Tot: ein Ulan.
Jäger zu Pferde Nr. 4:
Tot: ein Jäger: vermisst: ein Jäger und ein Gefreiter:
gefangen: ein Jäger.
Feldartillrrieregiment Nr. 1:
Leicht verwundet: ein Oberleutnant.
Feldarlillericregimeut Nr. 80:
Leicht verwundet: ein Kanonier; vcrniitzt: drei Kanoniere.
Feldartillerieregiineut Nr. 82:
Verwundet: ein Unteroffizier (ist wieder dienstfähig).
Fußartillerieregimeiit Nr. 18:
Schwer verwundet: ein Kanonier: gefangen: ein Kano¬
nier.
Pionierbataillon Nr. 4:
Schwer verwundet: zwei Pioniere, zwei Eesreite und ein
Leutnant; leicht verwundet: ein Pionier; vermißt: etn
Pionier.
V-»»»«»Sataillo>» 91 r. 24!
Tot: ein Gefreiter; schwer verwundet: «in Bizefeldwebel:
leicht verwundet: zwei Pioniere.
Fliegerabtrilung:
Leicht verwundet: ein Leutnant.
Bekanntmachungen.
Im Intercsse der Metzer Einwohnerschaft müsse» noch rund
12000 Einwohner die Stadt verlassen und zwar
am 19. d. Mts. 3000 mit 2 im Laufe des Nachmittags «bgehen-
den 3üzr«n, die übrigen am 20..
Die am :9. abgehenden Züge sind für die Sektionen 4 und
5 bestimmt: die am 20. abgehoben Zuge für die Sektionen 1,
2. 3. v und 7.
Die in Betracht kommenden Familien werden vorher be¬
nachrichtigt.
Die abwanderndcn Familien haben wohlwollende Für¬
sorge und freundliche Ausnahme jenseits de» Rheines zu er¬
warten.
Äöer der Ausforderung nicht Folge keiftet, hat polizeiliche
Ausweisung zu gewärtigen, und geht der Aussicht auf für¬
sorgliche Bcsördcning und Unterbringung verlustig.
Wegen des Verhaltens beim Verlassen der Wohnung wird
auf die Bekanntmachung des Herrn Bürgermeisters von heute
Bezug genommen.
M e tz. de» 18. August 1914.
Der Militärpolizeimeister:
Frhr. v. Bodenhaufen, Generalmajor.
Bekanntmachung,
betreffend die Anordnung einer Geschäftsaussicht zur Abwen¬
dung des Konkursverfahrens. Vom 8. August 1914.
Der Bundcsrat hat auf Grund des 8 3 des Gesetzes über
die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maß-
nahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichsgesehbl. E. 327) sol-
gende Verordnung erlassen:
8 i.
Wer infolge des Krieges zahlungsunfähig gewor¬
den ist, kann bei dem für die Erösfnung des Konkursverfahrens
bels, der sich feiner Brust entringt, als der Traum große Wirk¬
lichkeit geworden:
Mein Elsaß deutsch! mein Elsaß frei! ^
Mir ist, als träumt ich noch.
Ist's Wahrheit? Ist der Strick entzwei?
Zersprengt das fremde Joch?
Liegt wieder in der Mutter Arm
Der längst verlor'n« Sohn?
. Schallt wieder frei, so frisch und warm
Der Muttersprache Ton?
Hat sich der deutsch« Löwenmut
Dem langen Schlaf entrafft?
Ruht wieder die geraubte Braut
Im Schatten seiner Kraft? —
Run. brich mir nlcht von sel'ger Lust,
Mein Herz, mein deutsches Herzl
9kun steig« aus befreiter Brust
Mein Danklied hlmmelwärtsl
Und welch heilige Leidcnschaft lodert in dem fünften
seiner .Vaterlandsliedcr eines Elsässers": \
Wi« kommt'?, daß ihr euch wundert j
Ob meiner Fröhlichkeit?
Da ich mich gar nicht wundre,
Daß ihr fo traurig seid.
Ihr folgt nrit bitterm Grimm«
Dem deutschen Siegrszug. —
Mich füllt mit hoher Wonne
Des Adlers kühner Flugl
Euch starrt das Herz vor Schrecken, —
Mir schlagt es hoch und reinl
Ihr fluchet und ich danke. —
Me kann es ander» fein?
Im schönen Elsaßlande
Wart ihr bisher dl« Herr'n;
Wir armen deutschen Tröpfe
Wir jammerten von fern.
Bisher wart ihr di« Herren
Und herrschtet sonder Müh',
pcktLndigrn Enichte dt« Anordnung einer Geschäftraufsicht zur
Abwendung des Konkureverfahren» beantragen.
8 2 -
Der Schuldner hat mit dem Antrag ein Verzeichnis Ut
Gläubiger unter Angabe ihrer Adressen, ein« Uebersicht de»
Vermögensstandes in Form einer Gegenüberstellung der «in-
zeln aufzufiihrenden Aktiven und Passiven und, sofern er Kauf¬
mann ist, auch die letzt« Bilanz einzureichen.
8 ».
Dein Antrag ist stattzugeben, wenn di« Behebung de«
Zahlungsunfähigkeit nach Beendigung des Krieges in Aus¬
sicht genommen werden kann.
Das Gericht entscheidet über den Antrag nach fteiem Er¬
messen.
8 4.
Wird dem Antrag stattgegeben, so bestellt das Gericht «ln»
oder mehrere Personen zur Deaussichtigung der Eeschäft«.
führung des Schuldner« und teilt den Gläubigern die Anord¬
nung der Grschäftsanfsicht und die Aufsichtspersonen mit.
8 72. 8 73 Abs. 1, 2 und 75 der Konkurvordnung gelten
entsprechend. Oeffentlich« Bekanntmachungen finden nicht'
statt.
8 5 .
Während der Dauer der Geschastsaussicht darf das Kon¬
kursverfahren über das vermögen des Schuldners nicht er¬
öffnet werden. Arrest« und Zwangsvollstreckungen in da»
Vermögen des Schuldners finden nur zugunsten der Gläubiger
statt, die vom verfahren nicht betrossen werden (8 9).
8 fi.
Die Aufsichtspersonen haben die Geschäftsführung de»
Schuldners zu unterstützkn und zu überwachen. Zu diesem
Zwecke können sie d>c erforderlichen Maßnahmen treffen, ins¬
besondere die Geschäftsführung ganz oder teilweise einer an¬
deren Perlon übertragen. Widerspricht der Schuldner, so hat
das Gericht das Erforderliche anzuordnen.
Für die Aufsichtspersonen gellen die 88 31 Abs. 2. 82. 83,
84 Abs. 1 Sa.; 1 und Abs- 2 der Konlursordnung entsprechend.
Die Aufsichtspersonen haben gegen den Schuldner An¬
spruch aus Erstattung angemesiencr barer Auslagen und auf
Vergütung für ihre Geschäftsführung. Die Festsetzung der
Auslagen und der VeigLlüng erfolgt durch da» Gericht.
8 7.
Der Schuldner ist verpslichtet, jeder Aufstchteperson Ein¬
sicht in sein« Geschäftsbücher und sonstigen Aufzeichnungen
zu gewahren und Auskunft über den Stand feines Vermögen»
und über sein« Geschäfte zu geben.
Der Schuldner soll ohne Zustimmung der Aufsichtspersonen
weder unentgeltliche Derfilgungen oder Verfügungen über
Grundstücke und Rechte an Grundstücken vornehmen, noch An.
sprüche befriedigen oder sicherstelleii, noch auch andere als solch«
Verbindlichkeiten eingehen, die zur Fortführung des Geschäft»
oder zu einer bescheidenen Lebensführung des Schuldners und
feiner Familie erforderlich sind.
8 *•
Die vorhandenen Mittel sind, soweit sie nicht zur Fort¬
führung de» Geschäft» und zu einer bescheidenen Leben»,
fiihning des Schuldners und seiner Familie erforderlich sind,
zur Befriedigung der Gläubiger zu verwenden: Umfang und
Reihenfolge der Befriedigung bestimmen die Arifsichtsversonen
uacki billigem Ermessen. In Streitfällen entscheidet das Ge¬
richt.
8 9.
Bon dem Verfahren werden nicht betroffen:
1 ) die Gläubiger, deren Ansprüche auf Rechtshandlungen
des Schuldner» beruhe«, die dieser nach der Anord-
ming b«r <Urfd)ttiflanuff(rfjt mit 3ufrfintmmQ bet tluf>
sichtspersonen vorgenommen hat oder ohne solch« Zu¬
stimmung vornehmen durfte:
2) die Gläubiger, denen nach 8 43 der Konlursordnung
im Falle des Konkurses ein Anspruch auf Aussonder¬
ung zusteht:
3) die Gläubiger, soweit sie im Falle d«» Konkurse» «G-
gesondcrte Desriedigung beanspruchen können:
4) die im 8 61 Ziffer 1 und 2 der Konkursordnung be-
zeichneten Gläubiger wegen der dort angegebenen
Forderungen, auch soweit sie nach der Anordnung der
Geschäftsaussicht fällig roerden.
— ——a—s———
A»s f fallt und ijiitö.
M c h, den 19. August 1914.
Ernste Worte für eine ernste Zeit.
An einen Soldaten.
.Geh mit Gott! Das heißt: Nimm dein Gortverirauen
mit in den Krieg! Gott garaniiert dir nicht, daß du nicht ge-
ttoffen wirst, aber er garantiert dir. daß du nrit dir selbst im
Frieden bist, wenn du ihn als Schützer hast. Er kann dich
ftöhlich heimführen, er kann dich schwer leiden und sterben
lasten, er wird doch bei allem und trotz allem dein Hort und
Hlrt sein, wenn du zu ihm rufft. Geh hinan» mit allem
schlichten Glauben deiner Kindheit an den Weltregenten, dem
M* Erde gehört und alles, was auf ihr lebt und webt. Du
gehst in die Ferne, Gott ist Überall! Er sei mit dir!
Gott ist überall, wo jemand sich für etwas
Großes opfert. Opfer für ein hohes Ziel find
nt« vergeblich. Darum verliere die Zuversicht zur Nütz¬
lichkeit deines Opfers auch daun nicht, wenn du selbst darunter
leidest. Du glaub st an Deutschland» Zukunft, ich
auch! Du glaubst, daß Gott sie will, ich auch! In diesem
Glauben geh« hin und sei ein tapferer, wackerer Kricgsmann,
wie cs unsere Vorfahren waren. Sie waren nicht sparsam mit
ihrem Blut«, wenn sie Pflichten erfüllen wollten. Wir sind
ihre Söhne, laßt uns ihr Pflichtgefühl haben, ihr« starke, opfer¬
bereite Herbigkeit gegen sich selbst! Gehe hin, ein Kind Rut¬
scher Ahnen, ein Sohn eines Volkes, das aus Blut zum Volke
ward: gehe hin, halte fest, was wir olle brauchen: Deutsche
Denn alles fang und tanzte
Rach eurer Melodie.
Ließt ihr den hohlen Phrasen
Der glatten Zunge Laus,
So sperrt« Mund und Nase
Die blöde Menge auf.
Ja. eure welschen Sprünge.
Die fanden stets Applaus.
And euer Tand und Schwindel
Sin offne» Herz und Haus.
Wie ihr so schön parlieren
Das möchte Jeder gern!
Wir rohe deutsck>e Leute
Wir trauerten von fern. —
Ihr spracht der deutschen Sitte,
Dem deutschen Glauben Hohn:
Ihr nahmt dem Volk sein Beste»,
Den süßen Muttclton.
Um eure» schnöden Flitters
Um eure» Lobs Gewinn.
Gab die betörte Menge
Der Vater Erbe hin.
Mag in diesen und den folgenden Versen, die wir au»
Rücksichten des Raum«« nicht auch wiedergeben können, lang
aufgespeicherter Unmut vielleicht gar zu wuchtig zum Aus¬
druck gekommen fein, für Abhandlungen üb« das Gut», da«
neben vielem Bedenklichen die französische Herrschaft dem rl-
lässlichen Volke gebracht hat, war damals nicht die Zeit. Mit
elementar«! Gewalt bricht das deutsche Empfinden de» Dich¬
ter« hervor und er ruft e» den abzlehenden »instigen Herren
des Landes zornig nach:
Das Blatt hat sich gewendet
Und eur« Zeit ist aus!
Wir DaitfL« sind nun wiedc
. Die Hnrrn in unsere« Hau»!
Daß da» Wohnen ta elsässischev Haus« durch den «l»
Ihm vertriebenen einstigen Gebieter manchmal recht uner-
vuickllch gestaltet wurdj, hat Hackenfchmidt oW alle deutschge-
stnnten Elsässer und Eingewanderten seither oft bitter emp¬
finden müssen. Daß wir die Unachestifter nicht los ««den
konnten, darunter hat auch er schwer gelitten. Mer nun kst der
Lag der Abrechnung gekommen. Mit der ganzen hetligm Ott*
deMaft, die das deutsche Herz de» Jüngling« und Manne«
Kraft. Und wenn du wioderkommst, dann kränzen wir delne
Stirn! Du hast dann snr uns gelitten, hast unser« Pflicht,
klfüllung mit übernommcnl Leb wohll Unser« Gedanken
gehen mit dir, mib mit dem ganzen Eifer der Lieb« suchen wir
nach den Berichten, die von dir rede» können.
(1900.) Fr. Naumann.
Böswillige Zahlungsverweigerung.
Man schreibt uns:
Schon öfters wurde in der Presse darauf hingcwiesen,
daß die Hausbesitzer den zum Heere einberufenen Mietern
die Miete stunden sollen und letzter Tage droht sogar
die Ri i l i 1ä r beh v rd e. die Namen der Hausbesitzer zu
veröffentlichen, die keine Rücksicht bei ihren Mietern üben.
Wenn bei einem Mieter genügende Sicher!,eit dafür bestebt,
daß er es-ehrlich meint und feinen Verpflichtungen spater
iiacktommt, insbesondere bet langjährigen M-etcrn, dürste cs
wohl keinen Hausbesitzer geben, der seinen Mieter sosort hin-
aus'etzt: anders verhält cs sich aber mit den Mietern Heiner
Wohnungen, die von Hand zu Mund leben, die nicht das ge¬
ringste als ihr freies Eigentum bezeichnen können oder dt«
darauf ausgehen, den Hausbesitzern zu schädi.
gen. Gerade dir Mehrzahl der letzteren nützen, wie ma»
von allen Besitzern solcher Häuser hören kann, die gegenwär¬
tige Lage aus und verweigern Zahlung der schon
vor dem Eintritt des Kriegszustandes fäl¬
lig gewesenen Mictsraten, auch wenn st« nicht ein.
berufenen sind oder werden. Es lann doch keineswegs Auf¬
gabe der ohnehin stark belasteten Hausbesitzer fein, während
der Dauer des Krieges solche Rkieter umsonst wohnen zu las.
fett, von denen mit Sicherheit feststeht, daß später kein
Pfennig zu holen ist und es würde zu den größten Schäden
und z» dem w i r t > ch a f t l i ch e u R u i n de, '> a >
gontümer führen, wenn die zahl iinpu» fäfti*
gen Mieter berechtigt sein sollten, unent¬
geltlich bei ihnen zn wohnen. Vom Hausherr vcr.
langt der Hnpothekenglnubigcr seine Zin¬
sen, die Stadt ihre Steuer, der Handwerker
sein Geld für Reparaturen und sie bekommen es auch alle,
von zahlungsuiisähigen Mietern aber ist selbst bei einer
Stundung nnhts zu erlangen. Ausgabe der Stadt und der
Militärbehörde ist es vielmehr, die geschädigten Hausbesitzer
zu schützen und die renitenten Mieter anzuhalten, zu arbeiten
und ibre Miete ZU zahlen, insbesondere dann, wenn sic schon
vor Ausbruch des Krieges fällig war.
» » *
Wir können diesen Ausführungen nur zustimmen. Es ist
weitgehendste Rücksicht zu nehmen auf Mieter, deren
Ernährer zum Militär cingezogen worden sind, oder aus La.
denrnhaber, die durch den Kriegszustand z. Zt. n'cht in
der Loge sind, ihren Geschäftsbetrieb wie bisher woitcrru»
führen. Jeder verständige Hausbesitzer wird diesen Verhält¬
nissen Rechnung tragen müssen und wer die nötige Einsicht
nicht besitzt, dem schadet eine Belehrung Te : .:e: - d-r
bebörde nichts. Es gibt aber zahlreiche Fälle, in denen bös.
will! ge Zahlungsverweigerung vorliegt. Sc
sind »ns Fälle bekannt, tu denen das Einkommen der Mieter
seit Ausbruch des Krieges auch nicht um einen Pfennig abge.
nomtr.cn, sondern oft sogar zugenommen hat. Trotzdem wurde
am 1. August die Zahlung der Miete verweigert und zwar in
einen Ton. als ob ihnen d-rs größte Recht hierbei "ir
Seite steht. Daß jede Schuld, also auch die Miel«,
schuld bestehen bleibt, ist in der Press, so oft erwähnt wov-
den. daß man es hier nicht mit Leuten zu tun hat, die falsch
belehrt worden sind, sondern dl« böswillig di« Zahlan«
verweigern. Gegen diese Sorte von ..Patrioten" soll:« die R"''-
tärbchördr die schärfsten 9kcgtster ziehen. Man ist eben dabei,
Metz von einer großen Zahl von „Essern" zu entlasten. Wes¬
halb stellt man nicht fest, wer absichtlich seine Miete
schuldig bleibt. Jedenfalls brauchen keine besonderen R>'"k.
sichten auf diese Zahlungsfaulen genommen zu werden. Für
sic hat die Ordre zu lauten: „Ab, nach Kassel!"
'Störungen in der Zustellung der ..Metzer Zeitung"
werden heute und vielleicht auch In den nächsten Tagen unver¬
meidlich fein, weil eine Anzahl von Trägerinnen nach dem in-
nern Deutschland übrrsiedelten.
' pik i i t c i 1 u n g der Handelskammer j u M atz.
Die Handelskammer erllfirt sich bereit, zum Ausgleich des An¬
gebots und der Nachfrage der A r b e l t s k r ä f t e auf kauf¬
männischem und industriellem Gebiete mitzuwir-
ken. Sie bittet alle Arbeitgeber, die freigewordenen Stellen
durch Dürogehilfen, Beamte, technisch vorgebildete Angestellte
usw. zu besetzen !>abtn. der Handelskammer hiervon unter kur¬
zer Angabe der Anforderungen Mitteilung machen zu wollen.
Die Bewerber »m die Stellen erhalten Auskunft aus dem Se¬
kretariate der Handriskammer, Metz. Bankstraß« 20, vormit¬
tags von 10—1t Uhr, nachmittags von 4—5 Uhr.
" Kriegsregeln für d i e Zu hause bleibenden
veröffentlickit Liz. Traub: Nicht nur das Schlachtfeld, auch
deine vier Wände wollen Helden sehen. — Zalzle deine 9!ech-
»ungen. Erhalte dich und die Deinen gesund, damit ihr nie-
mandein zur Last fallt. — Gib Gelegenheit zum Derdieuen, wo
du kannst. — Halte das Deine in Ordnung, damit du jederzeit
Opfer bringen kannst. — Ueberlege dir, was du kannst, und
verlaß dich n i ch t a u f a n d c r e. - Rechne nicht mit lau¬
ter Siegen und fetze deinen Kopf doppelt steif in den N.-cken,
wenn einmal eine Schlappe kommen sollte. — Jeder kann jeden
Tag etwas bssonders Gutes tun. und märe es nur «In srennd-
kick'er Händedruck. — Kopslvsigleit im Inland ist schlimmer als
eine verlorene Schlacht im Feld. — Laß deine Kinder dies«
hohen Stunden miterlebea und führe keinen Hauskriez. — Sei
stolz auf diese unvergleichlich.- Schicksalsstundc deines Volles.
Wir haben groß begonnen. Aber die Probe kommt erst: si«
darf keinen .Kleinen unter uns finden. Daun werden wir de,
llnsrigen im Felde wert. Ein Volk, ein Schicksal!
erfüllte, schleudert der Greis den Feinden deutsche» Vollstums
folgende flammenden Worte ins Gesicht:
An die Hetzer!
Ihr habt den Krieg gewollt, nun habt ihr ihn!
Wie oft habt ihr an trauter Ltammtischruude
Ihn voller Sehnsucht an die Wand gemalt!
Wie lauschtet ihr so gern der Fliisterkunde:
Er kommt, der 9!achekrieg, er kommt nun bald!
Jetzt ist er da! '
Und wenn der Vetter kam vom Seinestrande
Wie wurde der bestürmt: „Seid Ihr parat?
Denkt Ihr daran zu sprengen unsre Bande?
Hört, wie wir seufzen nach der Rettungslat!"
- Nun ist es Krieg!
Und welch ein Krieg! Wie keiner je gewütet!
Weithin in Flammen stehn die Länder jetzt,
Das Herbstgefilde wird mit Blut gerötet. . . .
Was alle Welt in 9kot und Jammer setzt,
Ihr habts gewollt!
Habt ihr zuerst den deutschen Zorn zu spüren,
Hat euch die deutsche Faust den Aknnd verpönt.
Mit dem ihr allzeit flink wart Haß zu schüren,
Und geistreich deutsche Art und Kraft verhöhnt.
Ihr habts verdient!
Nun zieht die deutsche Mannschaft an die Greifen.
Stark und gesammelt, wie zu heil'gem Kriegl
Der Mütter Augen unter Tränen glänzen. . .
Und schenkt uns Gott nach schwerem Streit den Sieg —
Ihr habt die Schmach!
Möchte cs dem ehrwürdigen elsässifchen Sänger bejchioden
.sein, sich des ruhmreichen Ende diese» Krieges zu freür»!
Dann wird es um feinen Lebensabend licht werden.
„Zn enge Dr»>i!"
(Geschehen im Rheinland.)
Ein Sekundaner, sechzehn Jahr,
Steht im Bezlrks-Gedräng —
Der Stabarzt sagt ihm klipp und klar:
„Die Brust ist viel zu engl"
„Für eine Kugel breit genug,"
Sagt keck dä junge Schneuz,
„Und wenn es Gott im Himmel will,
Auch für ein Eisern Kreuz!"
Max Dem«.