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Herausgegeben unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von dem Vorsteher der Mupperlhalfperren-
Grrrostenfchaft, Bürgermeister Hogenkotter in UenhÄckesmagerr,
Jeder Jahrgang bildet einen Äand, wozu ein besonderes Titelblatt nebst Inhaltsverzeichnis anvgegeben wird.
Tfr + 11.
Aeuhückeswagen, 11. 1908.
1^ Inhrgnng.
Entwicklung der Wasiervertheilung in
Holland.
(Forschung.)
Wenn man sich nun eigentlich schon mit der chemischen
Analyse des Filtrirwassers hätte zufrieden geben können, so
beruhigte man sich doch nicht dabei, sondern führte auch die
bakteriologischen Untersuchungsmethoden ein. Jetzt versucht man
es mit Elektrisirung und Ozonisirung des Wassers zur besseren
Untersuchung und gründlicheren Reinigung, obwohl man mit
diesen Versuchen noch zu keinem rechten Abschluß gekommen ist.
Besonders beachtenswerth sind in dieser Hinsicht die Versuche
von Schiedam, die im nächsten Frühjahr fortgesetzt werden
sollen. Voraussichtlich wird die Ozonisirung eine erste Filtri-
rung durch Sandfilter nicht ersetzen können, wohl aber eine
zweite Filtrirung, falls die Kosten nicht etwa zu hoch kommen.
Eine vollständige Sterilisation des Wassers ist die neueste
Forderung der Hygieniker. Erst begnügte man sich mit einer
Herabsetzung der Keime bis auf 1 von 100, oder wie zu
Schied am, durch doppelte Filtrirung, auf 1 vom 1000; jetzt.
soll jede Spur von einem Keim beseitigt werden. Dabei sind
aber die Hygieniker noch über die Grundfrage uneinig, welche
Wasserart die geeignetere ist, das Quell- und Grundwasser,
oder das filtrirte Flußwasser. Der Streit, der darüber be¬
sonders in Deutschland und in Holland in der Theorie wie in
der Praxis geführt ist, hat wenigstens zu dem Ergebnis; ge¬
führt, daß man die Grenzen der in der Praxis zu erreichenden
Möglichkeit erkannt hat.
Es hat sich herausgestellt, daß die Gebirgswasser von
Frankfurt a. M. und Wien keineswegs ihren Ruf als
Jdealwasser verdienten, und daß dagegen Sandfilter besser
wirken, als man ihnen je zugetraut hatte.
Das Studium der unterirdischen Wasserläufe hat dazu
geführt, daß man den Städten Dresden (1871 bis 1874)
und Hannover (1873—1878) künstliches Drainwasser aus
Thülern zugeführt, das man aus unterirdischen Sand- und
Kieslagern auspumpt. Während man sonst das Wasser in
einzelnen großen Brunnen zu versammeln pflegt, hat man es.
seit 1880 1 zu F ran ff u rt a. M. mit zahlreichen kleinen
Brunnen und verrohrten Bohrungen versucht.
In verschiedenen Städten störte der zu große Eisengehal-
des Grundwassers dessen Verwendung als Getränk. So mußte
man zu Berlin auf das Brunnenwasser in der Nähe des
Tegel e r - Sees verzichten und anstatt dessen offenes, durch?
Sandfilter geklärtes Seewasser verwenden. Das Uebermaß:
von Eisen beunruhigte die Techniker um so mehr wenn die
Verunreinigung mit der Zeit, wie zum Beispiel zu C h a r
l o t t e n b u r g bei Berlin immer mehr zunahm und dadurch
die Fortbenutzung der anfänglich ganz brauchbaren Anlagen in
Frage stellte. An einigen Orten verzichtete man — wie zum
Beispiel zu Tilburg bei Dresden auf Anrathen des deutschen
Fachmannes Solbach — ganz auf die Verwendung solch
eisenhaltigen Wassers, bis es schließlich 1890 doch gelang zu
C h a r l o t t e n b u r g eine große Anlage ins Leben zu rufen.,
in der man des starken. Eisengehaltes im Wasser Herr wurden
Dieser Vorgang hatte auf H o l l.a n d . großen EinflüßS
Seit 1890 wurde das Wasser nur von den neuen Leitungen
zu Z w i j n d r e .ch t und M a a ß l u i s noch filtrirt dem Fluße-
entnommen, während sonst regelmäßig das Wasser aus den.
unteren Sand- und Kiesschichten stammt. Dabei ist das
Wasser von den acht Orten: Middelburg, Breda,
Hergelo, Tilbourg, Haarlem, Assen, Boermond,
und Halmond, ehe es zur Vertheilung kommt, künstlich von
dem übermäßigen Eisengehalte zu reinigen.
Die Choleraepidemie zu Hamburg, die das Flußwasser
, diskreditirte, verschuldete andererseits das zu große Vertrauen,
das man dafür zu dem Bodenwasser gewann, selbst wenn dies,
stark eisenhaltig war. Was aber sehr für die Ehrenrettung dem.
Flußwasser zu gute kam, war der Umstand, daß Hamburg
zur Cholerazeit noch das Wasser unfiltrirt genoß." Altona,'
das damals schon den Filter im Gebrauch hatte, blieb aufsal-^
lend von der Epidemie verschont. Nachträglich hat man na¬
türlich auch in Hamburg die Filtrirung, und zwar mit vollem ■
■ Erfolge eingeführt, sucht aber dennoch außerdem noch
Bodenwasser durch Bohrungen zu gewinnen, wofür zu Ver-,
• arbeiten 100,000 Mark ausgeworfen sind. Berlin ist auf
dem gleichen Wege obwohl es weiß, daß es kein eisenfreies
Wasser zu erwarten hat.
Wenn für Holland selbst die deutschen Verhältnisse auch,
'vielfach vorbildlich gewesen sind, so hat das Mutterland doch
noch für seine Kolonien wenig in modernen Wasserwerken ge-
Jhan. So besitzt B a t a v i a zum Beispiel, wohl eine große
Anzahl einzelner artesischer Brunnen, aber an die Sannnlung
und Vertheilung von deren Ergebnis; hat niemand gedacht;
jedermann mag sein Wasser schöpfen, wo er will.