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Heransgegeben unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von dem Vorsteher -er Wupperthalfperren-
Gerrostenfchoft, Hürgermeifter Hagenkötter in Ueukirchesmagerr.
Jeder Jahrgang bildet einen Band, rvv;u ein besonderes Titelblatt nebst Inhaltsverzeichnis ausgegeben wird.
Hr. 28.
Aeuhückeswagen, 1. Jugust 1908.
1, Juhrgnttg.
Zur Wafferwirtschaftsfrage in Sachsen.
In letzter Zeit ist von fachmännischer Seite wiederholt
darauf hingewiesen nwrden, daß die Wasserverarmung unserer
.Flußnetze zunimmt und daß neben der Hochwassergefahr unserer
Flüsse in gleich hohem Maße eine .„Niederwassergefahr" besteht.
«Es kann nicht bezweifelt werden, daß der oft anhaltende.Wasser-
inangel für ein so dicht bevölkertes, hochindustrielles Land wie
Sachseil die größten Nachteile und Gefahren sowohl in gesund¬
heitlicher als wirtschaftlicher Beziehung bringt.
In gesundheitlicher Beziehung äußern sich die Nachteile
darin, daß die Ausdünstung aus dem ziemlich trockenen Flu߬
bett, dein doch in dicht bevölkerten Gegenden, ohne daß es
verhindert werden könnte, verschiedene Abfälle und Sinkstoffe
zufließen, gesundheitsschädlich wirkt.
Aber auch die Wasserversorgung für die iminer mehr
wachsenden Städte und Dörfer wird schwieriger, denn wie die
sichtbaren Flußwüsser abnehinen, so nehmen auch die unsicht¬
baren Wasserbecken inld Wasserlüufe, d. h. die Grundwasser¬
stecken ab, die zur Wasserversorgung dienen.
In wirtschaftlicher Beziehung besteht aber die ungünstige
Wirkung darin, daß die an den Flüssen vorhandeneil Wasser¬
kräfte durch den unregelmäßigen Wasserzufluß immer wertloser
werden.
Man kann daher mit Recht die Frage aufwerfelt, ob die
vorhandenen Wasserkräfte nicht von großem, unschützbarem Werte
sein würden, wenn immer eine mittlere Wassermenge vorhanden
lwäre. Denn unsere Kohle wird, wenn auch zur Zeit ein kleiner
Rückschlag eingetreten, immer teurer werden, da die Abbaukosten
immer mehr steigen müssen. Andererseits ist auch der Wert
der Wasserkräfte dadurch noch ein viel höherer geworden, daß
man Hede auch noch so entlegene Wasserkraft durch elektrische
Ilebertragung aus weite Entfernung nutzbar machen kann. Diese
vielen vorhandenen Wertobsekte würden zur Hebung des Na¬
tionalwohlstandes ein hübsches Stück beitragen.
Durch Regulierungsarbeiten ließe sich zwar die Hochwasser¬
gefahr einigermaßen herablnindern, doch würde dies für. die
dicht bevölkerten sächsischen Täler nicht genügen und vor allem
die Niedrigwassergefahr nicht beseitigen.
So wurden z. B. das Gottleubatal und das Bahratal
wiederholt von gefährlichen Hochwässern heimgesucht, die durch
die Schneeschmelze auf dem Erzgebirgskamme und durch Wol¬
kenbrüche hervorgerufen worden waren. Andererseits. aber em¬
pfinden die in diesen Tälern sitzenden Industriellen bereits den
Rückgang des Wassers der beiden Flußlüufe. Diese Wasser¬
abnahme' ist im Vergleich zum Wasserstand früherer Jahre
nicht unbeträchtlich. Man braucht.dabei noch nicht an jene
Zeiten zu denken, in welchen dieser Teil des Landes noch mit
undurchdringlichem Walve bedeckt war, den die beiden Wasser¬
lüufe als gewaltige Gebirgsströme durcheilten.
Die sächsische zweite Kammer kam daher im letzten Land¬
tage zu der Ueberzeugung, daß es. für die gesamte.Wasser¬
wirtschaft in Sachsen von größtem Vorteil sein würde, wenn
man bei den Vorkehrungen mit Zurückhaltung der schädlichen
Wässer große Thalsperren in Aussicht nehmen würde.
Hiergegen wurden nun erhebliche Bedenken laut; namentlich
sah man in der künstlichen mnssenbaften Ansammlung von Wasser-
große Gefahren.. ■ _ •
Die sächsische Regierung wies jedoch nach, daß Thalsperren
von mittler Größe, wie sie in Sachsen die Regel bilden würden,
bei Ausführung nach dem für die ursprünglichen Planungen
des Weißeritzgebiets zur Anwendung gekonnnenen Grundsätzen
und unter der gleichzeitigen Voraussetzung vorzüglichster Her¬
stellungsweise, sorgfältigster Unterhaltung und unausgesetzter
Ueberwachung, nach menschlichem Ermessen als vollkommen
standsicher anzusehen sind.
Dagegen erscheinen bei Thalsperren von größerer Höhe
und größeren Speicherränmen, sofern solche in stärker besiedelten
Tülerit errichtet werden oder beträchtliche- schnell zufließende
Hochwasserntengen aufzusangen und zmückzuhalten haben .('wie
z. B. bei Malter und Klingenberg im Weißeritzgebiete), weitere
Schutzvorkehrungen, wie solche bei den in Preußen am Fuße des
Riesengebirges zur Ausführung kommenden Hochwasserschutz-
anlagen getroffen werden, wenn auch nicht immer in gleichem
Umfange wie dort, geboten.
Uebrigens widerstünden die auf Urgestein gegründeten,
überaus kräftigen Sperrmauern selbst etwaigetr kleinen Erd¬
schwankungen aber selbst die etwa durch Erdschwankungen
entstandenen Risse könnten dnrch die Atnvendmrg der . wasser¬
seitigen Schutzmäntel aus Gußstahlplatten mit federnden Dila-
tationsverbindnngen unschädlich gemacht werden. Derartige
Sperrmauern Hütten in Spanien, obwohl sie den vulkanischen
Herden weit näher liegen, schon seit Jahrhunderten standgehalten.
: Auch in Preußen hat man unbedenklich nn Rheintande
und. im Eifelgebiet Thalsperren errichtet, obwohl diese Gegen?-
den gleichfalls, den vulkanischen Gebieten weit, näher liegen als
unsere Gebirgstäler, bei denen sich, die Verhältnisse des Riesen-