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gebirges und des böhmischen Jser- und Neißegebirges ähnlich
stellen: ..--Ist
: Was schließlich die Planung einer systematischen Flußre-
gnliernng anlangt, so setzt diese eine genaue Kenntnis der
hydrographischen und hydrologischen Verhältnisse des betreffenden
Zuflußgebiets in seiner Gesamtheit voraus. Nur auf der
Grundlage dieser Kenntnis lassen sich die auszuführenden Ar¬
beiten richtig beurteilen und derartig abmessen, daß, ein den
aufgewendeten Mitteln entsprechender Erfolg, die Sicherstellung
des Eigentums und der Erwerbstätigkeit der Tälbewohner,
auch in Wirklichkeit erreicht wird.
Im allgemeinen ist aber in Sachsen für die-Erforschung
der hydrographischen und hydrologischen Verhältnisse der kleinen,
nicht schiffbaren Gewässer seither nur wenig geschehen. Man
steht hier gegenüber anderen Ländern, namentlich Preußen, in
der Kenntrüs dieser Verhältnisse noch zurück und ist, von den
im Weißeritzgebiete borgenommenen Untersuchungen abgesehen,
über die Vorbereitungsstadien der hierzu notwendigen Unter¬
suchungen nicht hinausgekommen.
Hinsichtlich der finanziellen Opfer, die bei den projektierten
weitgehenden Regulierungen vom Staate gebracht werden müssen,
steht die sächsische Regierung auf dem Standpunkte, daß ohne
Beihülfe von Staatsmitteln derartige Unternehinen nicht durch¬
zuführen sind. Die Zwangsgeuossenschasten sollen jedoch aus
eigener Kraft das Unternehmen einleiten und unter Staats¬
garantie finanzieren. Der Staatszuschuß soll aber nicht a fonds
perdu gewährt werden, sondern nur vorschußweise. Die Re¬
gierung rechnet zur Zeit mit einem Zuschuß von etwa 100 000
Mk. jährlich und zwar für 25 Jahre für die Weißeritz-In¬
teressenten.
Die sächsische Ik. Kammer verkannte nicht, daß eine Re¬
gelung der Rechtsverhältnisse hinsichtlich des Wassers im Sinne
der Wassergesetzgebungen der neueren Zeit dringend nötig
sei, und beschloß im letzten Landtage, die von der Negierung
gegebenen Anregung weiter zu verfolgen.
Die sächsische Regierung wird voraussichtlich einem der
nächsten Landtage einen genauen Plan für die Finanzierung
und die Organisation des gesamten Regulierungswerks und
seiner späteren Unterhaltung vorlegen.
Dresden. M. H ans K l ö s s e l.
D l) Ci i‘ sp CVVCIX
' (Fotrsetzung.)
Die Beklagte bestreitet in ihren Schriftsätzen die Berech- '
nung. der. Mehrforderung gegenüber der zugebilligten Entschä¬
digung. Die festgesetzte Entschädigung sei ausreichend, der an¬
genommene jährliche Ertrag sei zy hoch. Eine Verwertung
als Bauterrain sei nicht angängig, da der Zufuhrweg zu diesen
Flüchen ein beschwerlicher, zu dem dieselben gar nicht an einen:
öffentlichen Wege belegen, daher die Angaben für sogenannte
Vergleichsverkäufe seitens der Gutachter Lüttringhaus und
Siepmann im vorliegem Falle nicht anwendbar seien. Außer¬
dem gehörten die Wiesenflächen der III. Bonitätsklasse an, die nicht
den angegebenen Ertrag lieferten und bezieht sich die Beklagte
dieserhalb aus . die Gutachten der Herren Bergerhoff und Siep¬
mann, die bekunden, daß außer einer Ueberflutung durch die
Wupper noch eine. Düngung zur Erzielung eines guten Heu¬
ertrages erforderlich sei.
Ich kann den Ausführungen der Klüger nicht in allen
-Teilen beipflichten. Ich gebe zu, daß es zun: Betriebe einer
Landwirtschaft, wenn auch nur einer kleinen, wovon in: vor¬
liegenden Falle nur die Rede-sein kann, es von großer Wich¬
tigkeit auf die Rentabilität derselben ist, wenn-Miesen, zu der
Hofesstelle gehören und wird ein solches Gut durch den Abgang
der einzigen Wiese, wie es bei den Klägern.erfolgt, entwertet
werden. Es ist nun über durchaus nicht ~ gesagt, daß nicht
auch bei einen: geringeren Wiesenbestande ein verhältnismäßig
größerer Viehbestand gehalten, werden kann, zumal es bekannt
ist, daß das Viehfutter einschließlich Grünfütter, im letzteren
Falle nicht allein, sondern auch bei Vorhandensein genügenden
Wiesenlandes vorwiegend aus-dem Betriebe der Ackerwirtschaft
herrührt, als Rüben, Klee und andere Futterarten, welche
Fntterarten die Kläger zur Fütterung ihres Viehes auch ver¬
wenden mußten unter Zusatz durch Ankauf von Kraftfutter,
sonst könnten die meisten derselben keine Kuh halten, da auf
den einzelnen Wiesenflächen nicht soviel Heuertrag zu erzielen
war. Sollte indeß infolge ungünstiger Witterung und laug¬
anhaltender Dürre Mangel an derartigen: Viehfutter- entstehen,
so ist dem Landwirt ein Wiesenbestand zur Gewinnung von
Grünfutter von Vorteil. Ich will indeß nicht unbemerkt lassen,,
daß bei rationellem Betriebe einer Vieh- und Milchwirtschaft
das Ackerland zu Weideland umgewandelt werden kann, um
das Vieh aufzutreiben, oder als Wiese zur Gewinnung von
Heu zu benutzen. Von einen: Beweiden der streitigen Wiesen-
flüchen kann in vorliegenden: Falle keine Rede sein.
Die Erträge der Wiesen in Form von Heu sind aber
für den Landwirt auch bei einem größeren Viehbestände weniger
Unentbehrlich, da Heu stets käuflich zu haben ist und der Preis
bei den heutigen Verkehrsmitteln verhältnismäßig wenig steigt,,
wenn auch die Heuernte in einer Gegend selbst eine bedeutend
geringere sein sollte. Als besonders wertvoll sind die soge¬
nannten Hofeswiesen zu bezeichnen, welche infolge der günstigen
Lage bequem gedüngt und gepflegt werden können, dieserhalb
hohe Gras- bezw. Heuertrüge liefern, welche vorwiegend in:
Bedarfsfälle als Grünfutter verwendet werden, nicht aber
Wiesen wie im vorliegenden Falle, welche weitab der Betriebs-
stütte liegen und dazu noch mit schwierigen Ab- und Zuftchr-
wegen verbunden sind, deren Ertrüge meistens nur als Heu
geerntet und nur in äußerst ungünstigen Verhältnissen, nament¬
lich bei lang anhaltender Dürre als Grünfutter Verwendung,
finden. — Wenn nun auch die hier in Frage kommenden
Wieseuflüchen nicht unter die Kategorien der Hofeswiesen fallen,
so ist nach meiner Ansicht bei der Verwertung der entcigneten
Flüchen innnerhin zu berücksichtigen, daß es sich im: die einzige
Wiese eines.jeden Klägers handelt, wie solches auch von den
Klägern in: Enteignungsverfahren dargethan ist, welche sich im
wesentlichen Zusammenhänge mit dein ganzen Grundbesitze der
Kläger befand, wodurch ein Minderwert für den übrigen
Grundbesitz entstanden. ■
Die Gutachter Hesterberg und Bergerhosf schätzen den
Wert der gesäurten klägerischen Parzellen auf 70 Mk. pro ar
und begründeten denselben auf Grund einer Berechnung über
den Ertrag einer guten Wiesei Der Gutachter Bergerhosf läßt
sich darüber etwas spezieller aus, indem er den jährlichen Er¬
trag der Wiesen auf 180 Pfd. Heu pro ar schätzt zu::: Werte
per i00 Pfd. 3,50 Mk. — 4,55 Mk. Hiervon zieht derselbe
für Arbeitslohn, Mühen, Trocknen, Einfahren und Düngung.,
insgesamt 1,40 ab, bleibt somit 3,15 Mk., welcher Betrag als
Zinsen ein Kapital von 70 Mk. ausmache und schütze er daher
den Wert für sämtliche Grundstücke auf 70 Mk. pro ar. Für
die Zinsen könnten sich die Besitzer Heu kaufen, so daß sie an.
ihrer Viehhaltung keinen Schaden erlitten.
Der Gutachter Lüttringhaus schützt den Wert der klüge-
rischen Parzellen durchweg auf 125- pro ar und zwar den,
wirtschaftlichen Nutzungswert auf 100 Mk. und den Spekula--
tionswert auf 25 Mark, insgesamt 125 Mk. Er begründet
seine Taxe durch Anführung von Vergleichsverkäufen bei der-
Ortschaft Oehde und zwischen Oehde und Beyenburg und der
Umgegend Barmen-Rittershausen.
Der Gutachter Siepmann schätzt zwei Parzellen zu 120 !
Mark pro ar, alle übrigen Parzellen zu 125-Mk. pro ar und-
zwar auf Grund einer landwirtschaftlichen Berechnung. Iw
diesem Betrage sei sowohl der Nutzungswert als auch den