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242 Wasserwirtschaft und MMerrecht. Nr. 25
bezeichnet werden, wenn, man, wie dies auch der vorliegende
Bericht tut, auf die Kraftgewinnung bereits bei kleinen Ge¬
bieten verzichtet.
Größe der e i n z e l n e n K r a f t w e r k e im Zuge
des Fluß (auf es.
Der Bericht läßt im wesentlichen die Frage offen, ob im
Zuge der einzelnen Wasserlüufe die Kraft in großen oder in
kleinen EinzelwerkLn ausgebaut werden soll. Die Entscheidung
hierüber hängt ab von der Art der Kraftbenutzung.
Entsprechend den heutigen Arbeitsformen muß auch hier
der elektrisch en Ueb ertragung der K r aft eine
große Bedeutung beigemessen werden; - es würden dabei
W a s s e r k r a f t - E l e k t r i z i t ä t s w e r k e entstehen, von
denefl aus die Kraft zn den benachbarten Städten, sowie den
geiverblichen und landwirtschaftlichen Betrieben gelangt. In
Fällen dieser Art ist im allgemeinen die Schaffung größerer
Einzelwerke das Richtige.
Liegt dagegen ein Interesse vor, etwa mit Rücksicht auf
die Betätigung der örtlichen Bevölkerung, e inz eln e gewerbliche
Betriebe unmittelbar an den Fluß anzubauen, so kann auch die
Herstellung von kleineren und mittelgroßen Kraftwerken
zutreffend sein.
Kleineisenindustrie. Zu den Werken solcher Art
können auch die Betriebe der Kleineisenindustrie gerechnet werden,
von denen in dem eingangs genannten Erlasse die Rede ist. Diese
Betriebe sind derart, daß sie die Kraft mit Unterbrechungen
von z. B. 5 bis 15 Minuten benötigen; daher ist für sie
diejenige Form des Kraftwerkes angebracht, bei welcher die
Gefällstufe ohne längeren Kanal durch Stauung im Tale her¬
gestellt wird, derart, daß ohne weiteres ein Ausgleichweih er¬
dicht beim Werke entsteht. Die benötigte mittlere Kraft ist
meistens nur rnüßig groß
Den so. gestalteten Ansprüchen der Eisenbetriebe können
alle Flüsse, namentlich westlich der Weichsel, auch die Unter¬
laufstrecken der wichtigen Nebenflüsse gerecht werden. Jedoch
ist es vielleicht richtig, wenn die Hauptstrecken der größeren
Flüsse für gewerbliche Anlagen mit höheren: Kraftbedarf und
stetigem Betrieb Vorbehalten bleiben. —
Allgemeine Beurteilung der vorgeschlage-
n e n l ä n g e r e n T r i e b w e r k k a n ä l e.
Die letzten Darlegungen bezogen sich auf die Gewinnung
der Wasserkraft im Zuge des Flußlaufes.
Die in Vorschlag gebrachten längeren Triebwerkkauale
dürfen ihrerseits auch als günstige Möglichkeiten der Kraft
schaffung gelten.
Nach Maßgabe der Untersuchung und des allgemeinen
Eindruckes sprechen alle Zeichen dafür, daß w e st l i ch der
Weichsel die folgenden Vorschläge besonders günstig sind : bei-
der Radaune die Zuleitung des Wassers aus -s- 85 m nach
Danzig, und beim Schwarzwasser die Ableitung östlich nach
Neuenburg (gegebenenfalls unter gleichzeitiger Ableitung der
B r a h e).
O estli ch der Weichsel beansprucht die Ableitung des
Wassers aus den oberländischen Seen Interesse. Am günstigsten
scheint die Ableitung durch das Tal.der Liebe zu sein.
Verschiedenes betreffend die Wasser-
k r a f t m ö g l i ch k e i t e n.
. Bei den jüngeren Erwägungen über Wasserkraftgewinnung
im Bereiche der Provinz Westpreußen, soweit dieselben vor
dem gegenwärtigen. Berichte bereits stattsanden, traten nament¬
lich 3 Wasserkraftmöglichkeiten in den Vordergrund, nämlich:
i..cm der Radaune,
2. an der Brahe bei der Mühlhofer Schleuse,
3. bei den o b e r l ä n d i s ch e n S e e n.
Auch beim vorliegenden Berichte, haben diese drei Mög¬
lichkeiten eingehende Berücksichtigung erfahren. Jedoch hat der
Bericht, gezeigt, daß daneben noch viele andere günstige und
beziehentlich noch günstigere Kraftstellen vorhanden sind.
Will man mit Hinblick auf elektrische.. Kraftübertragung
als vorläufig ausreichend einige größ er e Kraftwerke ins Auge
fassen, so können etwa folgende Stellen in Frage' komme»:
1. Mittellauf der Küddow,
2..Mittellauf der Brahe, etwa beiMühlhofer Schleuse,
3. Ableitung des S ch w arz rv asser 8 nach Neuenburg
(Kraftversorgung des Weichseltales, z. B. für elek¬
trische Talbahn),
4. Triebwerkkanal der R a d a u n e.
Die entstehenden 4 Werke würden etwa je 70 km ausein¬
anderliegen.
K oft e n der W affe r k raftgewinn u n g.
Hinsichtlich der Kosten, welche , der Ausbau der Wasser¬
kraft bei den westpreußischen Flüssen erfordert, sollen in An¬
betracht der hierfür unzureichenden Unterlagen für den Einzel¬
fall keine genaueren Nachweise erfolgen. Schätzungsweise
(unter Rücksichtnahine auf vorhandene Ausführungen) betrügt
der durchschnittliche Preis für 1 Pferdekraftstunde auf. der
Tnrbinenwelle (insbesondere westlich der Weichsel) etwa 1 Pf.,
zur Deckung der sämtlichen laufenden Ausgaben für Zinsen
und Tilgung der Anlagekosten und für den Betrieb.
Die Herstellung der Betriebskraft durch Kohl e n ist
in der Provinz Westpreußen sehr teuer, da gemäß den
Mühlenbogen 1000 kg Kohlen 20 bis 30 Mk. kosten.
Aus der unten kostenden Abhandlung ergibt sich als¬
dann, daß in Westpreußen 1 Pferdekraftstunde, durch Kohlen
erzeugt, bei kleinen Kraftmengen (30 bis 60 IM.), etwa.
8 bis 9 Pf. kostet, bei großen Kraftmengen (150 bis 500
P, K.) etwa 4 Pf. Hiernach , kann in der Provinz West¬
preußen die Wasserkraft sehr wohl in Wettbewerb mit der
Dampfkraft treten, selbst wenn man annimmt, daß bei elek¬
trischer Uebertragung der Preis sich von 1 Pf. auf 2 Pf.
erhöht.
Die Benutzung der vorhandenen Bauwerke bei der Mühl¬
hofer Schleuse an der Brahe zu Kraftgewinnungszwecken
dürfte die Schaffung von 1 Pferdekraftstunde sogar für etwa
0,2 Pf. ermöglichen. Auch für die günstigeren der vorge¬
schlagenen längeren Triebwerkkanüle dürften besonders niedrige
Preise zutreffen.
E r st e M a ß n a h m e n z uv p l a n m ü ß i g e n B e r-
Wertung der W a s s e r k r äste.
Zum Schlüsse soll angedentet werden, ivas nach Ansicht
des Berichterstatters zun üch st geschehen kann, um das Wasser¬
kraftwesen in der Provinz Westpreußen zn fördern:
1. Es erscheint dringend erwünscht, daß der
W a s s e r b e o b a ch t u n g s d i e n st nicht nur von der land¬
wirtschaftlichen, sondern gleicherweise auch von der gewerblichen
Verwaltung und nach gewerblichen Gesichtspunkten gehandhabt
wird. Hierdurch kann hinsichtlich der Ausdehnung und der
Planmäßigkeit der wichtigen Wassermessungen bedeutend mehr
erreicht werden, als bisher möglich war.
2. Ebenfalls muß betont werden, daß an vielen Stellen,
die gewerbliche Wassernutznng durch den l a n d w i r t s ch a s t-
lichen Wasserbau in hohem Maße geschädigt wird. Hier
ist die Herbeiführung des wasserwirtschaftlich,
richtigen Zustandes erforderlich. Eine Verstaat¬
lichung des Wassers in jeder Zu standsform-.
würde dies am besten ermöglichen.
Hinsichtlich der Bedeutung der Wasserbenutzung für land¬
wirtschaftliche Zwecke wird hervorgehoben, daß es zweckmäßig,
erscheint die Bauanlagen der fiskalischen Rieselwiesen an der
Brahe und vielleicht auch am Schwarzwasser zur Krastgewin-
nung zu benutzen und die Berieselung ganz oder teilweise auf¬
zugeben.
3. Es wird vorgeschlagen durch Ausgleich der vorhan¬
denen Seen das Niedrigwasser zu erhöhen.. Die hierzu er¬
forderlichen Arbeiten kommen dem ganzen Flusse zugute; einst-