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Archiv für rationelle Therapie.
Beilage zu No. i, Jahrgang 1908.
Bücherscl\au.
Energetik und JVIedizin. (Die Organisation als Transformator) von Prof. Dr. E.
Rosenbach, Berlin. 2. erweiterte Auflage. Verlag von A. Hirschwald, Berlin.
Wir haben es hier mit einem ganz eigenen Werke zu tun, verfasst von einem
angesehenen (leider zu früh verstorbenen) Manne der Wissenschaft, der im Glanze der
modernsten Errungenschaften und Wissenschaft steht und doch bereits in die Wir¬
kungssphären metaphysischer und transcendentaler Kräfte eindringt und zur Erklärung
heranzieht. Die „ fortschreitende“ Wissenschaft (es gibt auch eine reaktionäre) kann
eben bei den »Grenzen des Naturerkennens« (Du Bois Reymond) nicht stehen bleiben,
sondern »geht hinter die Oberfläche der Erscheinungen zurück!« (Riemann.) Sieht
man sich das „Schema zu den Ausführungen über die 5 Aggregatszustände“ an
(p. 57), so glaubt man eine Beschreibung der Tattwas in moderner Sprache
zu sehen, von dem die 2 noch nicht offenbaren weggelassen sind. Ein Mann, der
offen bekennt, dass er keinen Zufall anerkennen kann, der nur Absicht und Zweck¬
mässigkeit im Weltall und der Entwicklung sieht (p. 52 und 117) höhere Bildungen
(Wesenheiten) in immenser Zahl (p. 46) und einen bewusst gestaltenden Schöpfer
(p. 53) annimmt, macht natürlich auch seine »Abrechnung« mit dem Materialismus.
Diese erfolgt aber gründlich, gelegentlich der Abführung eines Kritikers. Betr. die¬
ses sagt er p. 4: »Er hält es für einen des Naturforschers allein würdigen Standpunkt,
die Forschung nach dem »Warum« zu perhorreszieren, weil sie »unfehlbar zur An¬
nahme von Kräften und schliesslich zu einer Religion führt.« Wenn dies wirklich das
Glaubensbekenntnis des modernen Naturforschers repräsentiert, d. h. wenn es die
wahre Aufgabe der Naturwissenschaft ist, die Tatsachen nur zu umschreiben, und
wenn der Naturforscher vor der Annahme von Kräften, die doch nur der bequeme
Ausdruck für die verschiedenen Spannungs- und Bewegungsformen der Materie sind,
zurückschrecken muss, weil die »Verfolgung dieser Ideen zur Religion« führt, so ist
meiner Auffassung nach damit der Bankerott der Naturforschung erklärt; denn die
blosse Beschreibung ist nur ein Zweig oder eine Methode, aber nicht das Wesen der
Wissenschaft, und die Scheu mancher Gemüter vor gewissen, ihnen unangenehmen
Konsequenzen kann andere nicht hindern, folgerichtig iu denken, d. h. hinter zweck¬
mässigen und kunstvollen Bildungen weitere und höhere Beziehungen, gestaltende
Ideen und höhere Wesenheiten zu erblicken.« Das Werk R.’s enthält einige geradezu
prachtvolle Gedanken und glückliche Einkleidungen derselben. Nachdem er z. B
gezeigt hat, wieviele Lebens- und Gesundheitsbedingungen ausserhalb unseres Körpers
liegen und von dort aus auf denselben wirken, sagt er bezüglich des Kreislaufsystems,
nachdem er nachgewiesen hat, dass es keinen eigentlichen Kreislauf gibt, sondern
spiralförmige Bewegung (Entwicklung (p. 19 und 51) auf S. 23): »Wer durch lang¬
jährige Vertiefung in die Beobachtung vitaler Vorgänge beim kranken und gesunden
Organismus schliesslich eingesehen hat, dass sich' das Gebiet des Kreislaufes weit
über das Gebiet der mit festen Wandungen versehenen Blutkanäle in die Umgebung
und in die Aussenwelt hinaus erstreckt, der ist sich auch klar darüber geworden,
dass der Kreislauf nicht als isoliertes, mechanisches, d. h. allein nach quantitativen
Verhältnissen zu beurteilendes Phänomen, sondern nur in seinen Beziehungen zum
gesamten Organismus betrachtet werden darf u. s. f.« Denselben Gedankengang
finden wir beim Nervensystem wieder, bezüglich dessen es p. 71 heisst: »Die peri¬
pheren Nerven sind also kunstvolle Transformatoren der verschiedenen Formen
äusserer Energie — bewundernswerte Einrichtungen, um Substrate feinster (kosmischer)
Materie, die wir als Kräfte, resp. Energieen (und in ihrer höchsten Form als psychische