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Bücherschau.
Nr. 1. 1908
Substanz) bezeichnen, mit den irdischen Substanzen, die wegen ihrer stabilen Span¬
nungsform als (wägbare) Masse charakterisiert und somit als molare Substrate zu be¬
zeichnen sind, in verschiedenster Weise zu einer sich im Laufe der Entwicklung
immer harmonischer gestaltenden Einheit zu verbinden.« Diese neuen Grundlagen :
»die peripheren Nerven als Transformatoren« gestatten wieder neue Erklärungen und
Begründungen der Magnetopathie.
Von grosser Wichtigkeit sind auch die Ausführungen und Ermahnungen, dass
wir mit der Diagnose und Behandlung nicht auf die Ergebnisse der pathologischen
Anatomie warten dürfen, sondern dass sich lange vorher, ehe sich pathologische Ver¬
änderungen nachweisen lassen, Organ — Insuffienzen und Funktionsstörungen zeigen,
die war richtig beurteilen müssen, weil sonst die beste Zeit zu einer erfolgreichen
Behandlung versäumt werde. Damit wird aber die Diagnostik wesentlich verschoben
und die verpönten subjektiven Symptome feiern ihre Auferstehung. R. greift dann
zurück auf die feinen Puls-Beobachtungen und Beurteilung, in der die älteren Aerzte
Meister waren und auf reiner funktioneller Beobachtung beruht und welche durch
alle unsere heutigen Instrumente, Apparate und sonstige »Errungenschaften« nicht
ersetzt werden kann. Seltsamerweise wird durch die nun allgemein sich einführende
funktionelle Diagnostik über die sog. Organ-Insuffizienzen und Funktionsstörungen ein
alter Homöopath gerechtfertigt, den man zu s. Z. verlacht hat, nämlich der verstor¬
bene Professor Rapp, Leibarzt der verstorbenen Königin von Württemberg. Dieser
hatte nämlich bei vielen Patienten ein Leberleiden festgestellt, die dann zu anderen
Aerzten gingen, den Befund nachprüfen zu lassen. Diese konnten natürlich in diesen
frühen Stadien »nichts finden« und so hat man eben über den Homöopathen weidlich
»gelacht«. Der spätere Verlauf hat ihm aber meistens Recht gegeben, was natürlich
»blosser Zufall« war. Es sei dies daher ausdrücklich an dieser Stelle hervorgehoben,
denn viele Homöopathen sind in all’ dem, was sich so nach und nach einführt, bahn¬
brechend vorgegangen und so auch in der funktionellen Diagnostik und den Funktions¬
störungen.
Neue Gesichtspunkte und ein erweitertes Begreifen eröffnet sich auch durch die
Betrachtungen R.’s, welche auf p. 81 beginnen, wovon wir folgenden Abschnitt zitieren:
»Dem Rückenmarksystem steht das subkortikale Gehirn als besonderer Antagonist
oder, wie man mit Rücksicht auf den Effekt beider Innervationsformen für das
Muskelgleichgewicht richtiger sagen sollte, als Synerget gegenüber. Das subkortikale
Gehirn ist, wie wir in früheren Arbeiten nachzuweisen versucht haben, der Tonomotor
des Rückenmarksakkumulators, d. h. eine Art von Rheostat, welcher, in die Batterie
des Rückenmarks eingeschoben, ihre wesentliche und ausserwesentliche Arbeit beein¬
flusst.« Wenn wir hier anknüpfen und an den „ aufrechten“ Gang des Menschen
denken und an den dominierenden Einfluss des Gehirnes heutzutage in den Lebens¬
bedingungen, dann wird uns vieles erklärlich. Das ist sicher ein bisher nicht ge¬
kannter Faktor bei den günstigen Resultaten sog. „ Liegekuren die vorwiegende
Ausschaltung des dominierenden Einflusses des Gehirns. Durch die Zeitungen ging
kürzlich die Notiz, in England hätte ein Arzt Anhänger gefunden, der zur Erhaltung
und Wiedergewinnung der Gesundheit (also des physischen Kontrahenten), verordne
täglich einige Stunden auf allen Vieren zu gehen. Es ist möglich, dass dies bloss eine
Satire auf unsere heutigen Naturheilbestrebungen ‘war, trotzdem ist die Sache so
dumm nicht, obgleich es manchem so Vorkommen mag. Uebrigens hat man an der
königl. Klinik in Berlin dasselbe bei Verwachsungen, Missbildungen und Verkrüm¬
mungen des Knochensystems eingeführt. Der »Erfinder« ist Prof. Klapp. Man hatte
beobachtet, dass bei Hunden, denen man künstlich Rückgratsverkrümmungen beige¬
bracht hatte! dieselben ausheilten, wenn man die Tiere wieder laufen Hess. Das auf¬
sehenerregende Verfahren soll aber tatsächlich gute Erfolge zeitigen. Ergänzend zu
diesen Gesichtspunkten ist noch das, was R. auf p. Io8 über den Schlaf sagt: »Die
Ströme feinster Energie werden meines Erachtens in grösster Menge während des