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34 Archiv für rationelle Therapie. Nr. 3. 1908
Methoden näher, als es den Anschein hat. Der Magnetismus cen-
triert die Heilkraft bloss, damit sie nach ihrer eigenen Typik das
Rechte finden kann und wird* Der Homöopath aber begünstigt die
spezifische Richtung der Heilkraft, wodurch sie gleichfalls die Krank¬
heit besiegt.« Wir werden darauf noch eingehender zu sprechen
kommen und die Verwandtschaft der homöopathischen Mittel, ihre
Sympathien und Antipathien zu den individuellen Eigenschaften
ihrer Verabreicher mit den spezifischen Anthropinwirkungen dartun.
Literatur. Eine Beweisführung zu Gunsten des Magnetismus ersparen
wir uns* Sie ist in der vorhandenen Literatur, die sich auf circa
9000 Bände beläuft, reichlich erbracht. Wir werden in der Lite¬
raturangabe einige Quellen angeben, wo man das Theoretische
naShlesen kann; ausserdem überzeuge man sich in der Praxis, so
man sich überzeugen lassen will und man wird die Erfahrung
machen, dass »die Erfolge der jetzigen Magnetiseure nur von Dumm-
Prof. Jäger, köpfen geleugnet werden« (Prof* Jaeger: Neuralanalyse p. 264 ) und
Schopenhauer Schopenhauer recht hat, zu sagen: »Wer an den tierischen Mag¬
netismus nicht glaubt, ist nicht ungläubig, sondern unwissend zu
nennen.« (Parerga I p. 243 ). Wir lassen es dabei bewenden.
Aehnliche Citate finden sich in den Büchern über Magnetismus zu
Dutzenden; hervorzuheben wäre davon hauptsächlich noch, dass
sich von neueren anerkannten Gelehrten namentlich Geheim-Rat
G.-R. Prof. p ro £ jy r Nussbaum sehr befürwortend und anerkennend über den
Nussbaum.
Magnetismus als Heilkraft ausgesprochen hat.
Historische Berichte über Heilungen durch Magnetismus finden sich in
Berichte, den ältesten historischen Berichten und Ueberlieferungen. Durch
Papyrus und Keilinschriften werden uns von heilmagnetischen An¬
weisungen berichtet. Der älteste ägyptische Magnetiseur, von dem
wir etwas erfahren haben, hiess Thotembi. Der Bericht sagt, dass
er die Schwägerin des Königs Ramses III. heilte. In der indischen
Mythologie wird Wischnu dargestellt mit ausgestreckter Hand und
Strahlen an den Fingerspitzen magnetische Passes ausführend vom
Kopf zur Magengrube. Herodot, Xenophon und Arnobius berichten
uns ebenfalls von magnetischen Kuren. Ebenso Hippokrates.
Apollonius von Thyana vollbrachte mit Magnetismus viele Wunder¬
kuren. So ziehen sich die Berichte durch, bis endlich Dr. Franz
D M Anton Messmer (geb. 1734 zu Weiler bei Konstanz) als Arzt den
b 'Heilmagnetismus allgemein einführte und wissenschaftlich begrün¬
dete. Er praktizierte zuerst in Wien und siedelte im Jahre 1778
nach Paris über, wo er einen enormen Zulauf hatte und grosses
Aufsehen erregte. Stark angefeindet, zog er nach Ausbruch der
Revolution in Frankreich nach Deutschland zurück und starb im
Jahre 1815 zu Meersburg a. B. Auf dem dortigen Friedhof errich¬
tete ihm die »Berliner naturwissenschaftliche Gesellschaft« ein Denk¬
mal, welches im Jahre 1902 von der »Vereinigung deutscher Mag-